Kreis Pinneberg : Laute Randale am „stillen Örtchen“

Öffentliches WC am Wedeler Hafen
Öffentliches WC am Wedeler Hafen

Beliebt bei Vandalen und Notdürftigen: Für die mehr als 25 öffentlichen Toiletten im Kreis zahlen die Gemeinden rund 400.000 Euro pro Jahr.

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19. November 2013, 16:00 Uhr

Wände werden mit Exkrementen besudelt, ganze Toilettenschüsseln und Waschbecken aus den Wänden gerissen, Schmierereien hinterlassen und mit Feuerzeugen die Decken angekokelt. Während laut „World Toilet Organization“ mehr als zweieinhalb Milliarden Menschen weltweit ohne Zugang zu sauberen Sanitäranlagen durch den Alltag kommen müssen, wie die Organisation zum heutigen „Welttoilettentag“ verkündet, wird im Kreis Pinneberg an vielen öffentlichen stillen Örtchen randaliert, was das Zeug hält.

Trotzdem halten die Städte und Gemeinden mehr als 25 öffentliche Toiletten für Nutzer bereit. Die jährlichen Kosten dafür liegen bei mehr als 400 000 Euro, überschlägt man allein die Ausgaben der Städte Elmshorn, Pinneberg, Wedel, Barmstedt und Uetersen. In der Regel werden alle Anlagen täglich gereinigt. Die Nutzung der Anlagen ist dagegen meist kostenlos. Zu schätzen wissen das einige Menschen jedoch nicht. Allein in Wedel fielen nach Angaben Jens Zwickers vom Gebäudemanagement der Stadt pro Jahr 40 000 Euro für die Beseitigung von Vandalismusschäden an.

„Es geht viel daneben. Wände werden mit Exkrementen beschmiert. Besonders schlimm ist es in Pinneberg in der Toilette an der Sporthalle ,An der Rar’. Alles muss dann erstmal mit einem Wasserschlauch abgespritzt werden. Das kommt häufiger vor“, so Sabine Findeisen, Betriebsleiterin der Reinigungsfirma VGR Elmshorn, die mit der Säuberung verschiedener Toiletten im Kreisgebiet beauftragt ist. „Öffentliche Toiletten sind eine Herausforderung. Man muss schon Mitarbeiter finden, die da schmerzbefreit sind“, sagt die VGR-Betriebsleiterin.

„Unsere Reinigungskräfte haben auch bereits Liebespaare in den Toiletten erwischt“, sagt Findeisen und lacht. Es werde dann diskret geklopft und die Möglichkeit zum Rückzug geboten. Weniger Grund zum Schmunzeln bieten dagegen eingetretene Türen, zerstörte Seifenspender, gestohlenes Toilettenpapier, absichtliche Verstopfungen mit Papier, Zigarettenkippen oder ganzen Pullovern sowie Zündeleien, wie die Verantwortlichen der Städte und Gemeinden im Kreis zusammentragen. „Wir können es von der Stadt gar nicht leisten, die ganze Zeit für saubere Klos zu garantieren“, so Silkata Sahin-Adu, technische Abteilungsleiterin des Kommunalen Servicebetriebs Pinneberg. „Zum Teil hält es nicht einmal eine Woche, wenn man da die Maler durchschickt.“

Über „Beschwerden von Nutzern“, dass die „Anlagen häufig von anderen Nutzern nicht sehr pfleglich behandelt werden“, spricht auch Vera Hippauf vom Gebäudemanagement der Stadt Elmshorn. Aufgrund von absichtlichen Verstopfungen sei die Rohrreinigung öfter da, heißt es seitens Gebäudemanagement-Mitarbeiterin Stephanie Brehm. Probleme mit Drogenabhängigen gebe es in Elmshorn hingegen seit längerer Zeit nicht mehr. Vor zwei oder drei Jahren habe sich jedoch im WC am ZOB noch jemand den „goldenen Schuss gesetzt.“

Um Vandalismus und Verschmutzung am WC an der S-Bahn Wedel vorzubeugen, ist die Anlage dort mit Reinigungskräften besetzt. Elke Otto aus Wedel ist eine von ihnen. Als 400-Euro-Jobberin sorgt sie für Sauberkeit. Das Trinkgeld, das in ihrer Schale liegt, darf die 60-Jährige behalten. „An besonderen Tagen wie zu Wedels Jubiläumsfeier sind das schon mal zwischen 50 und 80 Euro an einem halben Tag gewesen“, so Otto.

Von geplanten Schließungen von öffentlichen WC-Anlagen ist trotz hoher Kosten nirgendwo die Rede. Silkata Sahin-Adu verdeutlicht, dass aufgrund des demografischen Wandels gerade für ältere Menschen Toiletten zur Verfügung stehen müssen. Ihr dringender Appell: Die Nutzer sollten „sich mehr mit ihrer Stadt identifizieren.“

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