Barockfestival 2018 : Lauschen wie der Sonnenkönig: Hamburger Ratsmusik spielt in der Drostei

Die Musiker der Hamburger Ratsmusik ernteten für ihren Auftritt im Drostei-Saal viel Beifall und Bravo-Rufe.
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Die Musiker der Hamburger Ratsmusik ernteten für ihren Auftritt im Drostei-Saal viel Beifall und Bravo-Rufe.

Den Auftakt zum einwöchigen Festival bot das klangvolle Konzert der Hamburger Ratsmusik rund um Gründerin Simone Eckert.

shz.de von
12. Juni 2018, 14:00 Uhr

Pinneberg | Mit dem Programm „Ballet Royal – Musik am Hof des Sonnenkönigs“ hat die Hamburger Ratsmusik, eines der führenden Ensembles für Alte Musik, ihr Publikum verzaubert: Die Gründerin des Ensembles, Simone Eckert (Viola da Gamba), und ihre Kollegen Ulrich Wedemeier (Theorbe und Barockgitarre) und Anke Dennert (Cembalo) gaben am Sonntag spannende Hintergrundinformationen zu den Stücken beim Start des einwöchigen Barockfestivals in der Pinneberger Drostei.

Melidiöses Zusammenspiel

Mit dem Ballet en Rondeau von Marin Marais (1656-1728) eröffnete die Ratsmusik das Programm. Das melodiöse Zusammenspiel der Musiker ermöglichte es von Konzertbeginn an, sich in die Zeit am Hof des Sonnenkönigs zu versetzen. Der Klang der Instrumente erzeugte eine besondere Stimmung: Die Viola da Gamba von Eckert stammt aus dem Jahr 1685 – ein Originalinstrument aus der Zeit des Sonnenkönigs Louis XIV. (1638-1715). „Das ist für mich eine magische Zeit“, sagte die Musikerin. Denn es handele sich ja auch um das Geburtsjahr von Johann Sebastian Bach. Die Besitzer des Instruments kann Eckert noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen. Auch die von Wedemeier gespielte Theorbe, auch Basslaute genannt, wurde 1630 in Padua erbaut. Die bei einigen Stücken erklingende Pardessus de Viole stammt aus Paris – und zwar aus dem Jahr 1748.

Wedemeier setzte beim zweiten Stück „Entrée d’Apollon“ von Robert de Visée (1650-1720) mit seiner Theorbe besondere Akzente. Ludwig XIV. trat beim Klang des Liedes als 15-Jähriger erstmals auf: Bekleidet mit einem Kostüm aus Gold, Federschmuck und Sonnenkranz tanzte er zu Visées Stück. Der Auftritt soll für seine spätere Bezeichnung als Sonnenkönig ursächlich gewesen sein. Der König habe sich später immer gern an diesen Tanz erinnern lassen.

Perfekte Technik

Eckert, Wedemeier und Dennert interpretierten die weiteren Stücke mit perfekter Technik und den jeweiligen Stücken entsprechendem Temperament: Die Musiker interpretierten diverse Lieder mitreißend feurig.

Beim Spiel von einigen Stücken erzeugten sie hingegen eine fast meditative Stimmung. Eckert musizierte mit beeindruckender Bogenführung. Zum gespielten Repertoire gehörten desweiteren Stücke von Charles Dieupart (1667-1740), Fraçois Couperin (1668-1733) und Antoine Forqueray (1672-1745). Mit einer Dudelsack-Interpretation als Zugabe endete das Konzert.

Dem Publikum gefiel es: „Ich liebe Barockmusik und komme hier immer gern vorbei“, lobte etwa Dr. Jürgen Koch aus Holm. Das Ambiente im Saal der Drostei sei stimmungsvoll, die Tickets seien preiswert. Mit diesem Angebot hochkarätiger Musiker könne Hamburg auch im Hinblick auf das Preis-Leistungsverhältnis nicht mithalten.

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