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Christdemokraten in Pinneberg : Laumanns Bekenntnis zur Familie

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

"Soziale Partnerschaft statt Klassenkampf": Bundesvorsitzender der CDA war Gast beim Neujahrsempfang des Kreisverbands.

shz.de von
erstellt am 10.Jan.2014 | 16:00 Uhr

Das Leben eines Politikers ist bisweilen voller Überraschungen. Als Karl-Josef Laumann seinem Parteifreund Ole Schröder zusagte, beim Neujahrsempfang des Pinneberger CDU-Kreisverbands zu sprechen, war er noch Vorsitzender der CDU-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag. Seit Mittwochmorgen ist er Patientenbeauftragter und Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung. Das ging so plötzlich, dass er noch nicht einmal seine Ernennungsurkunde bekommen hatte, als er abends im Hotel Cap Polonio in Pinneberg sprach. Doch das hielt den Bundesvorsitzenden der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), und in dieser Eigenschaft hatte ihn Schröder eingeladen, nicht davon ab, vor knapp 400 Gästen eine höchst unterhaltsame Rede zu halten.

Einen kleinen Ausflug in den Bereich seiner bisherigen Tätigkeit konnte sich Laumann nicht verkneifen, als er ein Plädoyer für solide Staatsfinanzen hielt. 80 Prozent der neuen Schulden, die alle Bundesländer zusammen im vergangenen Jahr gemacht haben, gingen auf das Konto von Nordrhein-Westfalen. "Bei uns leben aber nur 22 Prozent der Menschen. Da kann man sehen, was passiert, wenn Leute das Land regieren, die Kraft heißen."

Doch dann kam die Bundespolitik zur Sprache. Die Tatsache, dass Deutschland gut durch die Wirtschaftskrise gekommen ist, liegt nach Ansicht Laumanns daran, dass die Arbeitgeber zu ihren Mitarbeitern gestanden und sie nicht entlassen und die Gewerkschaften bei Lohnforderungen Augenmaß bewiesen hätten. Laumanns Fazit: "Mit sozialer Partnerschaft kann man Probleme besser lösen als mit Klassenkampf."

Mit der Entscheidung der CDU, nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland weder auf freie Marktwirtschaft noch auf Planwirtschaft zu setzen, sondern auf die soziale Marktwirtschaft sei der Grundstein für Wohlstand und positive wirtschaftliche Entwicklung gelegt worden. Denn auch im Arbeitsleben müsse immer der Mensch im Mittelpunkt stehen. "Und deshalb sind unbefristete, sozialversicherungspflichtige und sichere Arbeitsverhältnisse nötig und wichtig für den Menschen. Das muss die Regel sein", forderte er. Dazu gehörten auch Tarifverträge. Einen Mindestlohn hält Laumann ebenfalls für richtig. Ihm wäre es aber lieber gewesen, Arbeitgeber und Gewerkschaften hätten ihn vereinbart. "Die sollen auch Verantwortung übernehmen."

Große Sorgen bereitet dem CDU-Chef die Energiewende, eine "wirtschaftspolitische Herkulesaufgabe". Um in Deutschland den Wohlstand erhalten zu können, hält er für Wirtschaft und Privathaushalte „bezahlbare Energiepreise“ für unabdingbar. Deshalb müsse auch bei den Strompreisen Marktwirtschaft herrschen. Das aber sei nicht mit den Grünen, sondern nur mit der SPD machbar, bekannte er sich zu Großen Koalition.

Viel Beifall bekam der gestenreich redende Münsterländer für seine Aussagen zur Familienpolitik: "Die Familie ist der wichtigste Teil in einer freiheitlichen Gesellschaft." Er kenne keinen Ort, an dem sich Kinder besser entwickeln könnten, bekannte er. Er unterstütze zwar die Einrichtung von Kindertagesstätten. "Wenn aber ein Kind 45 Stunden pro Woche im Kindergarten ist, ist es dort oft länger als der Vater auf der Arbeit." Er habe Zweifel, ob das richtig sei. Eine Familie benötigt laut Laumann Zeit. "Man darf nicht alles dem Materialismus unterordnen. Wir wollen deshalb den Sonntag als arbeitsfreien Tag, weil das den Familien gut tut." Dafür gab’s viel Beifall. Und von Schröder zum Dank für den Besuch Köllnflocken, Marzipan – und eine Rose mit dem Namen Angela.

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