Feriencamp Neukirchen : „Last Minute“ statt Romantik

Das Feriencamp des Kreissportverbandes liegt direkt am See, so dass Jugendliche sich nach Herzenslust im Wasser austoben können.
Das Feriencamp des Kreissportverbandes liegt direkt am See, so dass Jugendliche sich nach Herzenslust im Wasser austoben können.

Der Kreissportverband kämpft mit veränderten Rahmenbedingungen und will höhere Zuschüsse.

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10. November 2013, 17:01 Uhr

Ist noch Platz für Lagerfeuerromantik? „Der Trend geht immer mehr zu kommerziellen Reisen“, sagt Karsten Tiedemann, Geschäftsführer des Kreissportverbandes (KSV). Das Feriencamp Neukirchen, das dem KSV gehört, ist ganz das Gegenteil: Gemeinschaftsgefühl, sportliche Aktivitäten und eben Lagerfeuerromantik zu sozialverträglichen Preisen sind die Kennzeichen der Anlage. „Damit besetzen wir eine Nische“, stellt Tiedemann fest.

Eine, die nicht nur aus seiner Sicht unverzichtbar ist – auch, wenn sie vielleicht nicht unbedingt gerade dem aktuellen Zeitgeist entgegenkommt. Um seine Arbeit fortzusetzen, möchte der KSV, dass die Zuschüsse des Kreises um 7300 Euro pro Jahr erhöht werden.

Wie schwer es ist, kostendeckend zu arbeiten, bekam der Kreissportverband vor allem 2011 zu spüren. Gerade einmal 4644 Verpflegungstage konnten verbucht werden, in den 1980-er Jahren und 1990-er Jahren waren es eigentlich immer zwischen 6000 und 10 000.

Der Trend geht zwar wieder nach oben, aber die alten Zahlen werden wohl so schnell nicht mehr erreicht. „Uns schadet die Last-Minute-Mentalität“, glaubt der KSV-Geschäftsführer. Viele Eltern würden erst kurzfristig entscheiden, wohin es in den Urlaub geht. So können Jugendgruppen nicht mehr verlässlich planen – und sich erst sehr spät oder schlimmstenfalls mangels Beteiligung gar nicht erst für einen Aufenthalt in Neukirchen planen. Angesichts dieser Unsicherheiten ist der KSV auch gezwungen, bei Absagen Stornogebühren zu erheben.

„Die Rahmenbedingungen haben sich komplett geändert“, so der Geschäftsführer. Nur die Zuschüsse sind konstant geblieben. Leider auf ziemlich niedrigem Niveau. Sie liegen seit den 1980-er Jahren bei mickrigen 7700 Euro pro Jahr. Dabei betrugen die Betriebskosten 2012 rund 39 000 Euro. Um seine Arbeit auf dem derzeitigen hohen Niveau fortzusetzen, will der Kreissportverband in Zukunft 15 000 Euro pro Jahr.

Zumal der Kreis aufgrund der Finanznot sich auch in anderen Bereichen wenig spendabel zeige und damit ebenfalls dem Feriencamp schade. Laut Tiedemann gibt es kaum noch Zuschüsse für die Freizeiten von Jugendgruppen. Dadurch gingen die Anmeldungen in Neukirchen ebenfalls zurück. Viele Jugendliche hätten aus finanziellen Gründen gar keine Chance, einmal an einer Jugendfreizeit teilzunehmen, klagt der KSV-Geschäftsführer.

Tiedemann geht davon aus, dass eine Entspannung nicht so schnell zu erwarten ist. „Leichter wird es für uns auch in den kommenden Jahren nicht.“

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