zur Navigation springen

Missbrauchsprozess : Lange Liste von Anklagepunkten gegen Ex-Jugendtrainer

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Ex-Trainer des TuS Holstein Quickborn Missbrauch von drei Kindern vor. Im Februar sollen Zeugen aussagen.

shz.de von
erstellt am 22.Jan.2016 | 12:00 Uhr

Itzehoe/Quickborn | Das öffentliche Interesse an dem Fall ist groß: Auf den Besucherbänken nehmen zahlreiche Zuschauer Platz. Ein Kamerateam und mehrere Reporter sind im Gerichtssaal. Als der Angeklagte Donnerstag den Raum im Landgericht Itzehoe betritt, verbirgt er sein Gesicht hinter einem Aktenordner. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, als Trainer des TuS Holstein Quickborn drei Jungen sexuell missbraucht zu haben.

Die Liste der Anklagepunkte ist lang. 16 Einzeltaten hat Staatsanwältin Jana Bewersdorff zusammengetragen. Das Muster des Missbrauchs ist nach Darstellung Bewersdorffs oft ähnlich: Für einen Ausflug geht es mit jeweils einem der Jungen, die zwischen sechs und neun Jahre alt sind, im Auto des Trainers zu einem Freizeitpark, einer Kletteranlage, auf eine Go-Kart-Bahn oder ins Kino. Auf dem Rückweg hält der Angeklagte an, zieht den Jungen auf seinen Schoss, greift ihm unter die Kleidung und ans Geschlechtsteil.

In anderen Fällen vergeht er sich laut Bewersdorff in Toiletten oder Duschen an den Jungen, indem er sie im Intimbereich berührt. Auch während eines Trainingslagers mit einer Jugendmannschaft des TuS Holstein hat es laut Anklage einen Zwischenfall gegeben. Dort habe er einen der Jungen in seinem Zimmer angefasst, so Bewersdorff. In einem Fall habe er einen Jungen nach dem Training nach Hause gebracht und ihn angefasst, als er entkleidet unter die Dusche wollte. Die Eltern waren nicht daheim. Das alles soll zwischen 2013 und 2015 passiert sein. Der Angeklagte gesteht die Taten, beantwortet Fragen der Richterinnen, der Staatsanwältin und der Nebenklagevertreterin. „Ich gebe alle Punkte aus der Anklage zu“, sagt er.

Nach eigener Aussage ist er seit 14 Jahren Trainer. Nach Stationen in Baden-Württemberg kam er 2004 zum TuS Holstein. Auch in Ellerau, Hasloh und Norderstedt war er demnach Übungsleiter. Zuletzt betreute er in Quickborn bis zu 25 Kinder.

Er nutzte das Vertrauensverhältnis aus, das sich zu seinen Schützlingen entwickelt hatte. Die Jungen hätten ihm von Problemen im Elternhaus berichtet. Sie seien von anderen Kindern gemobbt worden. Um sie aufzumuntern, habe er die Ausflüge angeboten. Einem Jungen habe er eine Spielzeugdrohne zum Geschenk gemacht.

 

Während seiner Aussagen wird es immer wieder unruhig auf den Zuhörerbänken. Unmutsäußerungen veranlassen Richterin Isabel Hildebrandt mehrfach, einzugreifen und für Ruhe zu sorgen. Der Angeklagte spricht leise und überlegt, hat bei Fragen zu Details jedoch häufig Erinnerungslücken.

Zu seinen Motiven macht er keine präzisen Angaben. Die Taten hätten ihn nicht sexuell erregt, er habe stattdessen etwas wie Nähe und Geborgenheit gesucht, sagt er. „Ich kann nicht erklären, wieso es zu den Übergriffen gekommen ist.“ Er bestreitet zudem, die Jungen mit Drohungen gefügig gemacht zu haben.

Die Staatsanwältin konfrontiert ihn daraufhin mit Aussagen eines Jungen bei der Polizei. Dort sei von einer Erektion des Angeklagten die Rede gewesen. Laut Bewersdorff sagte der Junge während der Berührungen ausdrücklich „Stopp“, schob die Hand seines Trainers weg. Doch der habe nicht aufgehört. Außerdem habe er gedroht, keine Ausflüge mehr zu machen und den Jungen aus dem Team zu werfen.

Laut Gesetz wird sexueller Missbrauch von Kindern mit bis zu zehn Jahren Gefängnis pro Tat bestraft. Das Gericht bildet bei mehreren Taten eine Gesamtstrafe und kann zugunsten des Angeklagten berücksichtigen, dass sein Geständnis den Kindern möglicherweise eine Aussage vor Gericht erspart. Der Prozess wird am Montag, 1. Februar, fortgesetzt.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert