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Ein Jahr ohne Milchquote : Landwirte streiten um Gründe für niedrige Milchpreise

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Vor einem Jahr: Die Milchquote wird abgeschafft. Bauern streiten um Gründe für niedrige Preise. Überangebot gegen Handelshemmnisse.

Kreis Pinneberg | Morgen vor einem Jahr ist die Milchquote abgeschafft worden – ein Instrument in Europa, das Milchseen austrocknen, Butterberge schmelzen und den Landwirten stabile Preise bei Milchprodukten garantieren sollte. Stabile Preise hat es seitdem nicht gegeben. Die Milchpreise befinden sich dauerhaft im Keller. Aktuell bekommen Landwirte für einen Liter Milch im Durchschnitt knapp über 28 Cent. Im April 2015 waren es noch etwas mehr als 30 Cent.

Der Bauernverband ist dennoch zufrieden mit der Abschaffung der Quotenregelung, hatte er das Regulierungsinstrument doch stets abgelehnt. „Die Märkte geben nicht den Preis her, den wir uns gewünscht haben“, gab Peer Jensen-Nissen, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Pinneberg, im Gespräch dieser Zeitung zwar zu. Der Preisverfall hätte die Landwirte allerdings auch mit Milchquote getroffen. „Wir hätten die selbe Situation“, so der Geschäftsführer.

Schuld an den niedrigen Preisen sei unter anderem das Russland-Embargo, so Jensen-Nissen. Allein dieser Lieferstopp habe Berechnungen zufolge den Milchpreis um vier bis fünf Cent je Liter gedrückt. Zudem sei das Wachstum in China, Importeur von Milchpulver, ausgeblieben. Der niedrige Ölpreis drücke die Einnahmen zusätzlich, da in erdölexportierenden Ländern weniger verdient und weniger Milch konsumiert werde.

Der Bauernverband hatte sich vom Wegfall der Milchquote ein höheres Maß an unternehmerischen Freiheiten und eine bessere Auslastung der Produktion für die Landwirte erhofft. Auch höhere Exportchancen standen beim Verband auf der Wunschliste. Schlussendlich hat der Verband eine Senkung der Kosten prognostiziert, wenn bürokratische Hemmnisse wegfallen und Überproduktionen nicht mehr mit Strafzahlungen belegt würden. Letzteres sei eingetreten, betonte Kreisbauernverbands-Geschäftsführer Jensen-Nissen.

Nicht mehr Milch

Der Erwartung von Kritikern der Quoten-Aufhebung, dass künftig zu viel Milch produziert werde und deswegen die Preise fielen, widersprach Jensen-Nissen. Insgesamt sei in Deutschland nicht mehr Milch produziert worden als mit Milchquote. Änderungen seien so schnell auch nicht zu erwarten. „Eine Verbesserung der Situation kann erst eintreten, wenn die Handelshemmnisse nicht mehr bestehen“, sagte Jensen-Nissen.

Anders die Analyse der Meierei Horst, von De Öko Melkburen und Regionalwert Hamburg, die gestern anlässlich des Jahrestags des Milchquoten-Wegfalls zu einer Pressekonferenz auf einen Hof in Lentförden eingeladen hatten. Ihrer Aussage zufolge gibt es ein Überangebot an Milch. „Vor dem Fall der Milchquote haben viele Landwirte ihre Herden vergrößert und neue Ställe gebaut. Es kommt immer mehr Milch auf den Markt. Die Preise sinken,“ berichtete Bio-Milchbauer Hans Möller, Geschäftsführer von De Öko Melkburen. Meiereien in Schleswig-Holstein zahlten derzeit für einen Liter Milch gerade einmal 24 Cent.

Anders die Meierei in Horst. Sie zahlt konventionellen Landwirten laut Geschäftsführerin Tatjana Tegel zirka 30 Cent pro Liter Milch, wenn sie sich auf Nachhaltigkeitskriterien verpflichten. Dazu zählten, den Weidegang zu gewährleisten, kein gentechnisch verändertes Futter zu verwenden und nicht präventiv Antibiotika zu geben. „Das Interesse der Milchbauern an unserem Modell ist groß. Wir haben derzeit eine Warteliste von zwölf Landwirten, die gern zu uns liefern wollen. Derzeit fehlt uns aber noch die Nachfrage“, erläuterte Tegel. Um den Absatz ihrer Produkte zu steigern, haben Meierei und Melkburen gestern an Verbraucher und Handel in Schleswig-Holstein und der Metropolregion Hamburg appelliert, gezielt Milch, Joghurt, Quark und Butter von kleinen Betrieben aus der Region zu kaufen. Eine andere Möglichkeit für kleine Milcherzeuger ist laut Meierei-Chefin Tegel, auf ökologische Produktion umzustellen. Bio-Bauern erzielen derzeit zirka 46 Cent pro Liter Milch. Öko-Melkbur Möller: „Im Bio-Bereich ist der Milchpreis sehr stabil. Das ist eine gesunde Grundlage für kleine Betriebe.“

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erstellt am 31.Mär.2016 | 17:00 Uhr

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