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Das Sonntagsgespräch : Landwirt des Jahres Hauke Pein über die Zukunft der Landwirtschaft

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Hauke Pein vom Almthof Appen ist vor kurzem mit dem erstmals vergebenen Ceres-Award ausgezeichnet worden.

Appen | Hauke Pein vom Almthof Appen ist vor kurzem mit dem erstmals vergebenen Ceres-Award ausgezeichnet worden, weil er Milcherzeugung und Öffentlichkeitsarbeit in einzigartiger Weise verbindet. Er darf sich seitdem „Landwirt des Jahres“ nennen. Im Sonntagsgespräch erklärt er unter anderem sein Erfolgsrezept und spricht über die Zukunft der Landwirtschaft.

Was macht den Reiz der Landwirtschaft aus?
Die Vielfältigkeit. Der Mix aus Maschine, Mensch und Tier ist schon etwas ganz Besonderes. Gerade die Arbeit mit den Tieren bringt mir sehr viel Spaß. Als Landwirt muss man aber auch flexibel und anpassungsfähig sein. Ich stehe ständig vor neuen Herausforderungen

Mit welchen Problemen haben die Landwirte zu kämpfen?
Aktuell belasten uns Überkapazitäten auf dem Markt, weil die Bauern nicht mehr nach Russland exportieren können. Deswegen sind die Milchpreise in den vergangenen Monaten stark zurückgegangen. Welche Folgen im kommenden Jahr die EU-Agrarreform haben wird, lässt sich nur schwer prognostizieren. Teilweise ist noch unklar, wie die einzelnen Auflagen umgesetzt werden müssen.

Hat sich Ihre Arbeit in den vergangenen Jahren gewandelt?
Ich bin inzwischen mehr für das Management und das Organisatorische als für die praktische Arbeit zuständig. Das ist zwingend erforderlich, weil sich unser Betrieb vergrößert hat. Dass ich mich mehr um verwaltungstechnische Aufgaben kümmere, ist auch gewollt. Dafür habe ich schließlich an der Fachhochschule Rendsburg studiert.

Was bedeutet Ihnen der Titel „Landwirt des Jahres“, der Ihnen vor kurzem verliehen wurde?
Er ist für mich persönlich und für den gesamten Betrieb sehr wichtig. Die Auszeichnung ist eine schöne Anerkennung für unsere Arbeit in den vergangenen Jahren.

Wie sieht Ihr Erfolgsrezept aus?
Die Struktur des Betriebes muss stimmen. Wir haben 220 Milchkühe, um die wir uns kümmern. Außerdem bringen wir dem Verbraucher durch Öffentlichkeitsarbeit die moderne Landwirtschaft so nahe, wie sie tatsächlich ist und nicht wie sie gesehen werden möchte.

Was zeichnet einen guten Landwirt aus?
Auf alle Fälle muss er sehr gut ausgebildet sein, sein gesamtes Handwerk beherrschen und immer auf dem aktuellen Stand sein. Regelmäßige Fortbildungen sind ebenfalls unerlässlich.

Schafft die Politik vernünftige Voraussetzungen für die Landwirte?
Das hängt in Schleswig-Holstein immer von den jeweiligen Mehrheitsverhältnissen ab. Die aktuelle Landesregierung macht uns stark zu schaffen. Ich habe den Eindruck, dass unserer Arbeit nicht genügend Wertschätzung entgegengebracht wird. Zudem kommt aus meiner Sicht die Kommunikation mit den Landwirten und deren Interessenverbänden zu kurz.

Die Bürokratie hat auch in der Landwirtschaft zugenommen. Ist das ein Problem?
Bürokratie ist in Deutschland ja fast ein Hobby. Das trifft nicht nur die Landwirte. Ich finde es aber teilweise überzogen, was inzwischen alles dokumentiert werden muss. Da fühlt man sich gegängelt. Zudem zeigt es, dass man den Landwirten wenig Vertrauen schenkt.

Wie wird sich die Landwirtschaft in den kommenden Jahren entwickeln?
Der Strukturwandel und der Trend zu immer größeren Betrieben werden sich fortsetzen. Es gibt Prognosen, dass die Zahl der Milchviehbetriebe bis 2020 von 90.000 auf 50.000 sinken wird. Die Betriebe, die den dörflichen Charakter erhalten, werden dadurch immer weniger. Das bemerke ich auch in Appen. Vor 30 Jahren gab es in der Gemeinde noch mehr als 40 Milchbauern. Davon sind wir jetzt weit entfernt.

Hauke Pein hat vor drei Jahren den Almthof von seinen Eltern übernommen. Vorher hatte er eine zweijährige Ausbildung zum Landwirt absolviert und an der Fachhochschule Rendsburg ein Bachelor-Studium abgeschlossen. Der 29-Jährige bewirtschaftet 104 Hektar und hält 220 Milchkühe. Der Almthof ist außerdem ein Erlebnis-Bauernhof, der an mehr als 200 Tagen im Jahr für Besucher offensteht.
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erstellt am 23.Nov.2014 | 15:00 Uhr

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