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Kreis Pinneberg : Landrat Stolz tritt erneut zur Wahl an

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Kreistag stimmt voraussichtlich im November über den Verwaltungschef ab.

Kreis Pinneberg | Oliver Stolz will es noch einmal wissen: Er wird sich erneut um den Posten des Landrats des Kreises Pinneberg bewerben. Der 48-Jährige ist seit dem 1. April 2010 im Amt. Damals wurde der Parteilose im Kreistag von CDU und Grünen gewählt.

„Ich habe den Fraktionen Anfang Februar gesagt, dass ich mich für eine zweite Amtszeit zur Verfügung stelle“, bestätigte Stolz unserer Zeitung auf Anfrage. Auch der Zeitpunkt der Wahl ist bereits in etwa festgelegt. Geplant ist der November. „Es ist ein Amt, das fordert, das aber auch herausfordert. Das mag ich“, nennt Stolz die Gründe für seine erneute Kandidatur.

Zudem gebe es viele Projekte, die bereits angelaufen seien und die er gern bis zur Fertigstellung begleiten würde. Als Beispiele führt er die Sozialplanung des Kreises und die Haushaltskonsolidierung an. Aber auch mehrere Baumaßnahmen wie die Rettungsleitstelle oder die Kreisfeuerwehrzentrale liegen dem früheren Bauamtsleiter von Rellingen am Herzen. „Das würde ich alles gern mit zu Ende bringen“, sagt Stolz. Zudem sei die Arbeit mit den Fraktionen sehr vertrauensvoll. Vieles habe sich eingespielt. „Kontinuität tut uns gut“, meint der Landrat.

Gewählt wird der Chef der rund 700-köpfigen Kreisverwaltung vom Kreistag. Und zwar für weitere sechs Jahre. Der Vorgänger von Stolz, Wolfgang Grimme (CDU), war noch von den Bürgern des Kreises Pinneberg direkt gewählt worden. Die Große Koalition in Schleswig-Holstein schaffte die Direktwahl der Landräte jedoch mit Gesetz vom 16. September 2009 wieder ab. Seitdem sind wieder die Kreistage zuständig.

CDU-Fraktionschefin Heike Beukelmann  votierte  bereits vor fünf Jahren für  Oliver Stolz. (Foto: Amsberg)
CDU-Fraktionschefin Heike Beukelmann votierte bereits vor fünf Jahren für Oliver Stolz. (Foto: Amsberg)
 

Nennenswerte Kritik an Stolz hat es in den vergangenen Jahren nicht gegeben. Denkbar, dass er deshalb ohne vorherige Ausschreibung wiedergewählt wird. Die FDP-Kreistagsfraktion spricht sich bereits für diesen Weg aus. Die Kosten für die Ausschreibung könnten gespart werden. Die anderen Fraktionen wollen noch beraten. Die Amtszeit von Oliver Stolz endet am 31. März 2016.

Im Grunde genommen hat Oliver Stolz (parteilos) den Aufstieg zum Landrat seinem Vorgänger Wolfgang Grimme (CDU) zu verdanken. Der hatte es im Laufe seiner etwa siebenjährigen Amtszeit geschafft, sich fast mit dem kompletten Pinneberger Kreistag zu überwerfen.

Betriebswirt Grimme, ehemals Offizier der Bundeswehr, fremdelte von Anfang an mit dem Politikbetrieb. Parteipolitisches Gezänk, endlose Diskussionen und langwierige Entscheidungsprozesse waren ihm ein Gräuel. Er machte keinen Hehl daraus, dass er die große Mehrheit der Kreistagspolitiker – etwas übertrieben ausgedrückt – für Ahnungslose hielt. Der Kreistag war aus seiner Sicht ein Organ, das seine Ideen mit entsprechenden Beschlüssen umzusetzen hatte.

SPD-Chef Hans-Helmut Birke (links) gratulierte Oliver Stolz zu dessen Wahl. Ob er diesmal für ihn stimmt, lässt Birke noch offen. (Foto: Amsberg)
SPD-Chef Hans-Helmut Birke (links) gratulierte Oliver Stolz zu dessen Wahl. Ob er diesmal für ihn stimmt, lässt Birke noch offen. (Foto: Amsberg)
 

Zudem legte Grimme in seiner Arbeit ein derartiges Tempo vor, das die ehrenamtliche Politik schließlich nicht mehr mitgehen konnte – und wollte. Zu schwerwiegend waren zudem die Beschlüsse, die während der Ära Grimme gefasst wurden: Verkauf von 74,1 Prozent der Regio-Kliniken an den Sana-Konzern, Verkauf der kreiseigenen Wohnungsgesellschaft GeWoGe und Umzug der Kreisverwaltung von Pinneberg nach Elmshorn, um nur einige zu nennen.

Anfangs arbeiteten CDU und FDP noch eng mit Grimme zusammen. Auch, weil sie nach zwölf Jahren unter dem sozialdemokratischen Landrat Berend Harms froh waren, einen Landrat aus dem bürgerlichen Lager zu haben. Doch lange ging das nicht gut. Die Fraktionschefs Hans-Helmut Birke (SPD) und Thomas Giese (Grüne) hatten von Anfang nicht die geringste Lust, Grimmes Ideen im Kreistag abzunicken. Für sie hatte die Verwaltung die Beschlüsse der Politik umzusetzen und nicht umgekehrt. Das sahen die Fraktionschefs Klaus Bremer (FDP) und Michael Hirsekorn (CDU) im Grunde genommen ebenso und rückten nach und nach von Grimme ab. Vor allem mit Hirsekorn kam es zum offenen Streit.

Nur ein einziger direkt gewählter Landrat

Grimme war der erste und zugleich der letzte direkt gewählte Landrat des Kreises Pinneberg. Er hatte sich gegen Elmshorns frühere Bürgermeisterin Brigitte Fronzek (SPD) durchgesetzt. Als die Landesregierung die Direktwahl der Landräte wieder abschaffte, erklärte sich Grimme nur widerwillig und erst auf Drängen seiner Partei, der CDU, wieder zur Kandidatur bereit. In der Zwischenzeit tauchte jedoch eine Vertragsverlängerung auf, die Grimme offenbar ohne Wissen des Kreistags in früheren Zeiten mit dem damals bereits gefeuerten Ex-Chef der Regio-Kliniken, Alexander Schlick, geschlossen hatte. Da Grimme nicht bereit war, dafür eine Erklärung abzuliefern, verlor er auch die Unterstützung der Mehrheit von CDU und FDP. Schließlich wurde er nicht nominiert.

Nach der Erfahrung mit dem forschen Alleingänger stand den Politikern der Sinn nach einem ruhigen und auf Kooperation setzenden Vertreter. Statt eines Betriebswirts sollte es nun möglichst ein Verwaltungsfachmann sein. CDU-Kreischef Ole Schröder zauberte Rellingens Bürgermeister Stolz aus dem Hut. Der bekam die Unterstützung von CDU und Grünen. SPD und Linke setzten ebenfalls auf Verwaltungskompetenz und gingen mit Jürgen Tober, Fachbereichsleiter der Kreisverwaltung, ins Rennen. Die FDP trat schließlich mit Andreas Köhler an, ebenfalls Fachbereichsleiter der Kreisverwaltung. Im zweiten Wahlgang setzte sich schließlich Stolz durch, auch mit Hilfe der Wählergemeinschaft KWGP.

Sein Versprechen, das Stolz vor der Wahl gegeben hatte, wiederholte er gleich danach. Er wolle mit allen Abgeordneten „gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten“. Er setze auf Konsens und Kooperation. Diese Versprechen, das bescheinigen ihm Vertreter aller Fraktionen im Pinneberger Kreistag, habe er eingehalten. Spätestens im November dieses Jahres wird sich zeigen, ob das für eine Wiederwahl in 2016 reicht, eventuell sogar ohne vorherige Ausschreibung.

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erstellt am 19.Feb.2015 | 12:00 Uhr

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