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Jury-Besuch in Hetlingen : Landesweiter Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Bewohner präsentierten sich während des Jury-Besuches in der Marschgemeinde als aktive Dorfgemeinschaft. Nachhaltigkeit schon bei den Kleinsten.

shz.de von
erstellt am 12.Nov.2015 | 14:30 Uhr

Hetlingen | Hetlingen ist ein Dorf mit Zukunft. Davon ist zumindest die Gemeindevertretung des etwa 1340 Einwohner zählenden Örtchens in der Haseldorfer Marsch überzeugt und hat den Ort in diesem Jahr für den landesweiten Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ angemeldet. Unter die sieben zukunftsträchtigsten Dörfer Schleswig-Holsteins wurde Hetlingen bereits aufgrund seiner Bewerbung platziert. Doch die Jury wollte sich ein genaues Bild machen, und kam gestern für zwei Stunden zu Besuch.

Den Auftakt der 120 Minuten, die für Hetlingen laut Bürgermeisterin Monika Riekhof (CDU) einen neuen Meilenstein darstellten, machte eine Versammlung in der Feuerwache des Dorfes. Der Kinder- und Jugendbeirat der Gemeinde berichtete dort, dass er sich derzeit dafür einsetze, Hetlingen attraktiver zu machen, indem er gemeinsam mit anderen Schülern für einen Nachtbus durch die Marsch kämpfe. Der Abwasserzweckverband Südholstein präsentierte sich als größter Arbeitgeber des Dorfes, der plattdeutsche Krink stellte sein Engagement für die Hetlinger Kirche vor, der Hetlinger Männerturnverein berichtete, dass er immer wieder neue Sportarten wie Waveboard im Angebot habe und die ARGE Umweltschutz erzählte, dass sie sich um den Erhalt der Schachblume kümmere.

Dass die Hetlinger sich in ihren Vereinen und Verbänden dafür engagieren, dass ihr Dorf lebenswert bleibt, wurde deutlich, als die Vertreterinnen des Deutschen Roten Kreuzes berichteten, dass sie derzeit weder Nachwuchssorgen – der Ortsverein zählt 170 Mitglieder – noch ein Altersproblem hätten. Vor zwölf Jahren sei der damalige Vorstand geschlossen zurückgetreten, um den Weg für Jüngere frei zu machen, die daraufhin prompt vom damaligen Bürgermeister unter den Hetlingern rekrutiert worden seien.

In der Bandreißerwerkstatt wird noch traditionelles Handwerk ausgeübt. (Foto: Voigt)
In der Bandreißerwerkstatt wird noch traditionelles Handwerk ausgeübt. (Foto: Voigt)
 

Auch die Notnogels, eine Gruppe von 22 ehrenamtlichen Hetlingern zwischen elf und 70 Jahren setzt sich für ein Hetlingen ein, in dem man sich wohlfühlen kann: Rund um die Uhr sind die Frauen und Männer für ihre Nachbarn erreichbar, um einzuspringen, wenn kurzfristig ein Babysitter gebraucht wird oder wenn ein älterer Mensch Hilfe im Haushalt benötigt, weil er sich den Arm gebrochen hat.

Umweltbildung ab dem Kleinkindalter

Riekhof und den Dorfbewohnern reichte es nicht aus, der Jury die Vereine und Verbände des Dorfes zu präsentieren. Sie sollte Hetlingen erleben – und deshalb ging es nach einer kurzen Stärkung mit regionalen Produkten weiter in die Pausenhalle der benachbarten Grundschule. Dort ließ die „Der Natur auf der Spur“-Arbeitsgemeinschaft gerade das vergangene Kürbisfest Revue passieren. Sie verteilte unter den Besuchern selbstgemachte Kürbismarmelade. Denn die Kinder lernen dort den Kreislauf der Natur kennen: Sie pflanzen Gemüse an, das sie später ernten und in der Koch-Arbeitsgemeinschaft der Schule zur Weiterverarbeitung zur Verfügung stellen.

Nach dem Besuch der Grundschule ging es für die Jury weiter in den Kindergarten. Die Hetlinger wollten dort zeigen, dass Nachhaltigkeit in ihrem Dorf bereits ein Thema für die Kleinsten ist. Denn der Kindergarten lässt sich seit einigen Jahren im Zuge der Inititiative „Kita 21 – die Klimaretter“ zertifizieren. Die Kleinsten machen dabei verschiedene Projekte, in denen sie sich mit ihrer Umwelt auseinandersetzen. Und damit sie lernen Ressourcen zu sparen, gibt es eine Leiste mit roten Glühbirnen – wenn zuviele von denen gleichzeitig leuchten, bedeutet dies, das gerade viel Energie oder Wasser verbraucht wird.

Eine Bustour durchs Dorf

Für die nächste Station der Dorf-Erlebnis-Tour ging es mit einem Bus weiter. Während die Jury auf den Sitzbänken Platz nahm, stellte sich Riekhof ans Mikrofon und präsentierte ihren Ort: Einen von drei Spielplätzen, die alten Häuser, die Dorfgaststätte. Und den Marschtreff, einen genossenschaftlich organisierten Laden, der 2014 eröffnet und vor wenigen Tagen als Genossenschaft anerkannt wurde. An vier Tagen in der Woche hat der kleine Laden geöffnet. Dort gibt es Süßigkeiten für Kinder, Halstücher und Ansichtskarten, Kaffee und Kuchen – aber auch eine große Auswahl an Lebensmitteln, sodass alltägliche Einkäufe auch ohne Auto bewältigt werden können.

Ganz wollten die Hetlinger der Jury ihre Vergangenheit jedoch nicht vorenthalten. Auch wenn diese auf der Suche nach einem Dorf mit Zukunft war, die Bandreißerwerkstatt wollten die Hetlinger präsentieren. Laut Kulturvereinsvorsitendem Jonn-Heinz Bernhardt ist es die letzte, in der das Handwerk tatsächlich noch ausgeübt wird. „Das ist schwere körperliche Arbeit, dafür braucht man junge Menschen“, sagte einer der Handwerker – er selbst ist 88 Jahre alt.

Junge und Alte – sie alle sollen in Hetlingen wohnen können, sagte Riekhkof. Als nächsten Halt der Bustour hatte sie daher das neu entstehende Mehrfamilienhaus gewählt. Dieses bietet zehn seniorengerechte Wohneinheiten in einer Neubausiedlung, die neben Häusern auch über Grün- und Gemeinschaftsflächen verfügt. Die Wohnungen sind bereits alle verkauft – Hetlinger hatten ein Vorkaufsrecht – und in einige von ihnen sind die ersten Bewohner bereits eingezogen.

110 Minuten waren bereits vergangen, als die Jury endlich den Weg zur letzten Station antrat: dem Schulwald. Für etwa 30.000 Euro soll in einem Waldstück ein Baumlehrpfad entstehen, ein Treffpunkt mit überdachten Sitzgelegenheiten und ein Abenteuerspielplatz mit Seilbahn, Slacklines und Balance-Pfad. Um das Projekt zu realisieren, hofft Hetlingen, die Wettbewerbs-Jury überzeugt zu haben, denn dem zukunftsträchtigsten Dorf winkt ein Projekt-Preis in Höhe von bis zu 10.000 Euro. Wie es um Hetlingens Chance steht, dazu wollte die Jury gestern noch nichts sagen. Doch eine Besonderheit war Jury-Mitglied Volker Clauß bereits aufgefallen: „Ich habe noch nie ein Dorf mit einer so jungen Bürgermeisterin kennen gelernt“, sagte er.

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