Pinneberger Kunst-AG : Kutschfahrt vom Barock zur Neuzeit

Sylvia Beyer aus der Klasse 8d (rechts) erzählt ihren Großeltern Ursula und Peter Feist die Geschichte ihrer Kutschenfantasie.
Sylvia Beyer aus der Klasse 8d (rechts) erzählt ihren Großeltern Ursula und Peter Feist die Geschichte ihrer Kutschenfantasie.

Die Kunst-AG der Johann-Comenius-Schule (JCS) stellt in der Pinneberger Landdrostei aus. Bis zum 15. November ist die Ausstellung geöffnet.

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05. November 2013, 12:00 Uhr

Einen Streifzug durch barocke Architektur haben sie hinter sich. Mit Louis XIV. als tanzendem Sonnenkönig haben sie sich beschäftigt. Ein andernmal suchten sie Zugang zur Zerrissenheit des legendären Preußenkönigs Friedrich I. Was würde den Kunstschülern von Katrin Ilonka Siebel in diesem Jahr zum „Barocken Herbst“ in der Drostei einfallen? Die Eröffnung ihrer traditionellen Ausstellung in Pinnebergs barockem Wahrzeichen gab die Antwort: Im Jahr 2013 sind Kutschen dran.

Nach den Sommerferien hatte sich die Kunst-AG der Johann-Comenius-Schule (JCS) auf die Suche nach einem neuen Thema gemacht, berichtete Siebel den zur Vernissage versammelten Gästen, JCS-Schülern, deren Eltern und Lehrern, aber auch viele Kunstfreunde aus der Stadt. Eine lange Liste von Aspekten der Barockzeit sei dabei herausgekommen, aber ein Begriff sei besonders häufig wiedergekehrt: Pferd und Wagen – Transportmittel von Königen, Kaufleuten, Künstlern und allen Menschen der Epoche, die sich über Land auf weite Reisen begeben mussten, so die Kunstlehrerin über die Hintergründe zur diesjährigen Themenwahl.

Ihrer Vorstellungskraft sollten die jungen Künstler der jahrgangsübergreifenden Arbeitsgemeinschaft – Schülerinnen und Schüler von der fünften bis zur 13. Klasse – dabei möglichst freien Lauf lassen. Sie sollten ihre eigenen Geschichten erzählen, Kutschenfantasien 2013 eben. Malerei, Grafik, Collagen und Objekte sind dabei herausgekommen.

Betrachtungen mit jungen, neugierigen und auch kritisch hinterfragenden Augen des 21. Jahrhunderts machen die höchst bemerkenswerte Ausstellung aus. Bis zum 15. November ist sie montags bis freitags von 11 bis 17 Uhr zu besichtigen.

Kritischer Blick auf die Märchenwelt

Da ist etwa die Kutsche von Marcel Casper, zusammengesetzt aus Computerteilen. Weit entfernt vom holprigen Zuckeltrab auf staubigen Wegen steuert sie stattdessen in virtueller Blitzgeschwindigkeit durchs Internet. Anne Posdziechs Kutsche dagegen erscheint auf den ersten Blick romantisch schön wie das Gefährt einer Märchenprinzessin, aber im Inneren zeigt die Kutsche eine blutige Kehrseite der Barock-Ära, Ausbeute und brutale Knechtung. „Wortlos“ heißt die Kutsche von Benedict Osterholz. Dabei besteht sie ganz und gar aus Buchstaben. Nicht alle Kutschen lassen sich von Pferden ziehen. Eine rollt hinter Reh und Reiter, eine andere hat große Vögel als Gespann. Und zu allem hatten die jungen Künstler spannende Geschichten parat. Etwas aufgeregt waren sie schon, vor allem die jüngeren, wie sie da neben ihren Werken standen, um Besucherfragen zu beantworten.

Die bewährte Zusammenarbeit mit dem Kreiskulturzentrum sei für die jungen Leute eine großartige, außerordentlich motivierende Gelegenheit, sich außerhalb der Schule „hängen“ zu sehen, hob Siebel in ihren Dankesworten an Stefanie Fricke, künstlerische Leiterin der Drostei, hervor. Die Schüler erleben dabei ganz intensiv, wie ihre Werke aufgenommen werden, Botschaften weitergeben, wie Kunst Wirkung entfaltet.

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