Das Sonntagsgespräch : Kurt Desselmann über den Kreissportverband: „Meine Verbundenheit bleibt“

Kurt Desselmann setzt sich gern für andere ein und will etwas bewegen.

Kurt Desselmann setzt sich gern für andere ein und will etwas bewegen.

Heute mit Kurt Desselmann, Ehrenmitglied des Verbands im Kreis Pinneberg und VfL-Vorsitzender.

shz.de von
24. Juni 2018, 12:00 Uhr

Pinneberg | Als Vorsitzender des VfL Pinneberg und des Kreissportverbands (KSV) hat Kurt Desselmann in den vergangenen Jahrzehnten die Entwicklung des Sports im Kreis Pinneberg mitgeprägt. Als Dank für sein aufopferungsvolles Engagement ernannte ihn der Kreissportverband vor Kurzem zum Ehrenmitglied. Im Sonntagsgespräch erklärt Desselmann unter anderem, was ihm der Sport bedeutet und warum der Kreissportverband für die Vereine so wichtig ist.

Welche Bedeutung hat der Kreissportverband für den Sport im Kreis Pinneberg?
Eine sehr große. Der Kreissportverband ist die größte Organisation im Kreis und kümmert sich um knapp 190 Vereine mit etwa 80.000 Mitgliedern. Vor allem dank des Geschäftsführers Karsten Tiedemann, der fast 35 Jahre im Amt ist, und dem Vorstand verfügt der KSV über ein riesiges Netzwerk, dass zum Wohle des Sports genutzt wird. Die Vereine können sich mit Fragen und Problemen an den Kreissportverband wenden. Das wird immer wichtiger, weil die ehrenamtlichen Vorstände die ständige wachsende Bürokratie ohne Unterstützung nicht bewältigen könnten. Die Vereine könnten das Wissen des KSV noch mehr in Anspruch nehmen als es momentan der Fall ist. Häufig ist gar nicht bekannt, welche vielfältigen Möglichkeiten es inzwischen gibt, an Fördertöpfe zu kommen. Die Infos darüber kann der KSV geben. Nur muss man dort nachfragen, damit keine Potenziale verschenkt werden. Großartig ist die vielseitige Aus- und Weiterbildungsarbeit des KSV für die Vereine.

Kurt Desselmann (82) wuchs in Hamburg auf und zog 1969 nach Pinneberg. Vor seinem Ruhestand arbeitete der gelernte Bankkaufmann bei der Dresdner Bank. Desselmann ist verheiratet und hat eine Tochter. In den vergangenen Jahrzehnten hat er sich in verschiedenen Bereichen ehrenamtlich engagiert und war unter anderem Vorsitzender des VfL Pinneberg und des Kreissportverbands, Schiedsrichter, Lehrwart des Hamburger Fußball-Verbandes sowie bürgerliches Mitglied des städtischen Sport- und des Finanzausschusses sowie des Kreis-Sportausschusses. Momentan ist der Ehrenvorsitzende des VfL Vorsitzender des Vereins Pinneberger Kinder.

Sie waren bis vor kurzem stellvertretender KSV-Vorsitzender und in den 80-ern schon einmal Vorsitzender. Was hat sich im Kreissportverband in den vergangenen Jahrzehnten verändert?
Der KSV hat sich seitdem neu aufgestellt und zum Dienstleister entwickelt. Nach wie vor ist es wichtig, gesellschaftliche Entwicklungen zu begleiten und darauf zu reagieren. Das gilt für den Kreissportverband genauso wie für die einzelnen Vereine. So spielten beispielsweise Angebote für die Senioren, Fitness, Freizeit und Gesundheitssport in den 1980er Jahren kaum eine Rolle. Inzwischen sind diese Bereiche längst nicht mehr wegzudenken. Leider ist die Verbundenheit zum Verein nicht mehr so groß.

Wie zeigt sich das?
Immer mehr Mitglieder entsolidarisieren sich und sind nur noch so lange Mitglied, wie sie tatsächlich Sport treiben. Der Verein wird als reiner Dienstleister gesehen. Aufgrund dieser fehlenden Verbundenheit wird es immer schwieriger, ehrenamtliche Helfer zu finden. Das finde ich schade. Es lässt sich nämlich gar nicht ermessen, wie wertvoll Sportvereine für unsere Gemeinschaft sind. Sie vermitteln Werte wie Toleranz, Zusammenhalt und Fairness. Eine Gesellschaft ohne Sportvereine ist für mich undenkbar.

Genießt der Sport im Kreis Pinneberg  einen ausreichenden Stellenwert?
Ja. Gerade der KSV hat gute Kontakte zur Politik. Die Unterstützung in den einzelnen Kommunen ist ganz unterschiedlich. Ich würde mir deshalb wünschen, dass mehr Sportler in die politischen Gremien gehen und dort die Interessen der Vereine vertreten.

Bringt der erstellte Sportentwicklungsplan Pinneberg nach vorne?
Auf jeden Fall. Es war höchste Zeit, dass zusammengefasst wird, was Bevölkerung und Vereine erwarten. Nun weiß man, was der Sport braucht und was fehlt. Jetzt ist die Politik am Zug und muss gewährleisten, dass der Plan umgesetzt wird. Das ist für die Entwicklung des Sports in Pinneberg enorm wichtig. So ist es beispielsweise ein Standortnachteil, dass viele der umliegenden Kommunen einen Kunstrasenplatz haben, Pinneberg aber nicht.

Ich bin 1946 erstmals in einen Verein eingetreten und war seitdem immer in irgendeiner Form aktiv. Fußball, Handball, Tennis, Schwimmen, als Schiedsrichter und später als Funktionär - ein Leben ohne Sport ist für mich undenkbar. Er hat mir viele unvergessliche Erlebnisse beschert. So habe ich beispielsweise als Schiedsrichter einmal Charly Dörfel vom Platz gestellt.

Was macht den Reiz der Arbeit als Funktionär aus?
Ich bin ein Mensch, der sich gerne für andere einsetzt und etwas bewegen und gestalten und voranbringen möchte. Damit helfe ich nicht nur anderen, sondern tue auch viel für mich selbst. Ich mag es, Verantwortung zu übernehmen.

Sie wurden vor Kurzem zum Ehrenmitglied des Kreissportverbands ernannt. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?
Sie kam für mich völlig überraschend. Ich wusste  nicht, was ich sagen sollte, als alle aufstanden und klatschten. Diese Anerkennung hat mich gefreut.

Sehen Sie sich in Zukunft als stiller Beobachter oder werden Sie sich weiter aktiv einbringen?
Zwar bin ich seit Anfang Mai nicht mehr Vorstandsmitglied des Kreissportverbands, aber dem Sport bleibe ich weiter verbunden. Wenn jemand meine Unterstützung braucht, helfe ich gerne.

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