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„An der Raa“ in Pinneberg : Kunstrasenplatz statt Krötenwiese?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Umwelthaus sieht Amphibien durch Projekt in Gefahr. Planungsbüro soll ökologische Aspekte prüfen. Kreis wartet Gutachten ab.

shz.de von
erstellt am 14.Aug.2015 | 16:00 Uhr

Pinneberg | Die Katze ist aus dem Sack: Die Stadt Pinneberg prüft derzeit, ob sich im Naherholungsgebiet „An der Raa“ ein Kunstrasenplatz für Hockey realisieren lässt. „Der Standort im Naherholungsgebiet wäre aufgrund der vorhandenen Infrastruktur grundsätzlich geeignet“, sagte Marc Trampe, Sprecher der Stadt. Dort seien bereits ansässige Sportvereine und städtische Außensportanlagen und es gebe eine ÖPNV-Anbindung. Außerdem sei das Areal städtisches Eigentum, so Trampe.

Doch das Umwelthaus steht den Plänen kritisch gegenüber. „Dann würde ein Kröten-Korridor wegfallen“, sagte Rainer Reischuck, Vorsitzender des Umwelthauses Pinneberg. Seit 18 Jahren rettet der Pinneberger mit anderen Tierschützern am Hogenkamp jedes Jahr Amphibienleben. Ein provisorischer Zaun verhindert, dass die Kaltblüter auf der Wanderung vom Friedhofsgelände zu den Laichgebieten in den feuchten Rahwisch-Niederungen die Fahrbahn überqueren und überfahren werden.

Reischuck war gestern vor Ort. Eigentlich wegen einer anderen Sache. Denn auf der etwa zwei Hektar großen Wiese habe die Stadt gemulcht statt gemäht. „Anwohner haben mich angerufen, und das Grünflächenamt hat die Aktion gestoppt“, berichtete Reischuk. Etwa ein Fünftel der Fläche sei aber bereits geschreddert worden und damit wurde auch zahlreichen Kröten und anderen Amphibien der Garaus gemacht. Reischuck ist auf der Zinne: „Dabei haben wir die Stadt gebeten, dass hier nur gemäht wird. Wir haben sogar angeboten, selbst zu mähen und die Kosten zu übernehmen“, sagte er. Sein Fazit: Die Stadt bewege sich nicht, die Erfolge des Amphibienschutzes würden ignoriert. Dabei hat Reischuck einen Traum: Er will die Vielfalt von Pflanzen und Tieren auf dieser Wiese fördern. „Bürger wollen eine freie Landschaft, wo sie querbeet gehen können. Wir kooperieren auch mit Hundehaltern, denn Tiere und Menschen verbreiten die Blumensamen“, sagte er. Dazu kommt es möglicherweise nicht mehr. Aber von heute auf morgen wird der Kunstrasenplatz dort nicht gebaut: „Bei der in Frage kommenden Fläche handelt es sich teilweise um ein geschütztes Biotop und um eine Ausgleichsfläche. Die Anforderungen an eine Zustimmung von der Unteren Naturschutzbehörde sind daher besonders hoch“, sagte Trampe.

Die Stadt legte der Naturschutzbehörde bereits einen Vorschlag vor, der so nicht genehmigungsfähig war. „Bei dieser Fläche müsste eine Allee dem Kunstrasen weichen. Diese Allee ist einerseits ein gesetzlich geschützte Biotop, andererseits eine rechtlich geschützte Ausgleichsmaßnahme für eine in der Vergangenheit gefällte Teilallee. Damit besteht ein hoher Schutzstatus, der mit den bisher vorliegenden Unterlagen nicht zu überwinden ist“, sagte Oliver Carstens, Sprecher des Kreises Pinneberg.

Bei einem Ortstermin am 9. Juli mit Teilnahme des Kreises, der Stadt und dem Verein sei nach Lösungschancen gesucht worden. „Es wurde vereinbart, dass die Stadt Pinneberg ausführliche Variantenprüfungen vornimmt, um darzulegen, ob es naturschutzfachlich besser geeignete Flächen gibt beziehungsweise warum es diese nicht gibt“, sagte Carstens.

Nun will die Stadt ein Planungsbüro beauftragen, das insbesondere auf folgende Aspekte eingehen soll: Eingriff in den Naherholungsbereich, Ausschlussprüfung anderer Standorte, Einzugsbereich, Schulnähe, vorhandene Infrastruktur, Ausgleich von Flächen und Baumbestand. Die Kosten für das Gutachten betragen rund 12.000 Euro.

Zusätzlich müsse die Stadt eine Lösung für den Ausgleich der Eingriffe des Kunstrasenplatzes liefern, der nachhaltig auch Bestand habe. Carstens: „Danach wird durch den Kreis eine endgültige Entscheidung getroffen.“

Seit etwas sieben Jahren wird über den „Standort Kunstrasen“ debattiert. Ziel des VfL Pinnebergs ist es,  das Konzept, ein Hockey-Zentrum mit intensiver Einbindung ortsansässiger Schulen, im Herzen Pinnebergs aufzubauen. Der Verein wäre auch zunächst mit  einem halben Platz zufrieden. Die Errichtung kostet etwa 140.000 Euro. Die Stadt würde die Fläche für den Hockey-Platz bereitstellen.
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