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Pinneberger Tageblatt

24. August 2017 | 03:07 Uhr

Pinneberg : Kunstrasen vernichtet Biotop

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Hockey-Hochburg gefährdet bedrohte Arten. Grundstück auf einziger Magerrasen-Fläche in Pinneberg.

Pinneberg | Kunstrasen statt naturgeschützter Magerrasen: Der VfL plant An der Raa eine Hockey-Hochburg. Bei dem Grundstück handelt es sich allerdings um ein für Pinneberg einzigartiges Biotop: „Sandmagerrasen“. Das verdeutlichte gestern der Umwelthaus-Vorsitzende Rainer Reischuck in einem offenen Brief an die Bürgermeisterin.

Als Magerrasen werden unterschiedliche Typen von besonders nährstoffarmen und deswegen als mager bezeichneten Flächen zusammengefasst. Die Artenzusammensetzung ist bei diesem Biotoptyp  von Kraut- und Halbstrauchpflanzen geprägt. Heute sind die meisten Magerrasen allerdings in ihrem Bestand bedroht. Als Rückzugsgebiete sehr vieler gefährdeter Arten werden die verbleibenden Gebiete in der Regel besonders geschützt. Denn die genannten Bedingungen machen den Magerrasen zum Rückzugsgebiet gefährdeter Tier- und Pflanzenarten, darunter viele Arten der Roten Liste.

Bereits vor vier Wochen habe er sich an die Stadt gewendet, wollte erfahren, wie oft der bereits bestehende Grandplatz genutzt werde. „Es ist möglich, dass Fußball und Hockey auf einem Platz gespielt werden. Das gibt es in Hamburg auch“, sagt Reischuck gegenüber dieser Zeitung. Für ihn die Chance, um das unter Naturschutz stehende Biotop erhalten zu können. Doch Auskunft von der Stadt bekam er keine. Deswegen entschied er sich für den offenen Brief.

„Die schon benutzte Sportfläche wurde nicht in die Überlegungen zum Bau einer neuen Sportstätte einbezogen“, beklagt der Umwelthaus-Vorsitzende. Laut Reischuck, weil die Pinneberger Sportvereine SCP und VfL sich nicht über das Herrichten einer gemeinsamen Sportstätte einigen konnten. „Diese Begründung greift mir allerdings zu kurz.“ Er ergänzt: „Was mich so enttäuscht ist, dass weitere Möglichkeiten nicht ausreichend geprüft worden sind.“

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Nun sei ein Kunstrasenplatz geplant. Der Bauantrag eingereicht. Reischuck habe sogar überlegt, im Namen des Umweltvereins zu klagen. „Aber das geht nur, wenn man einen Pachtvertrag hat. Den hatte der BUND bis Ende vergangenen Jahres. Nun hat ihn niemand mehr.“ Das Grundstück gehöre der Stadt. Und auch wenn das Gelände unter Naturschutz steht, darf hier gebaut werden, so Reischuck.

Der Vorsitzende erläutert seine Bedenken: „Die neue Sportstätte vernichtet alte Eichen und etwa 20 Prozent der Ausgleichsfläche für Wohnbebauungen der Aschooptwiete“, heißt es in dem offenen Brief. „Der Magerrasen hat eine kreisweite, ich behaupte sogar landesweite, Bedeutung für den Artenschutz“, betont Reischuck. So habe sich beispielsweise die seltene Sandbiene Andrena dorsata dort angesiedelt. Dieses Insekt gilt laut der Roten Liste des Landes Schleswig-Holstein eigentlich bereits seit 2001 als ausgestorben. „Die Art ist sehr selten geworden. Bei uns in Pinneberg konnte jedoch ein Biologe ihr Vorkommen belegen“, sagt Reischuck.

Der Biologe Oliver Hallas von der Universität Hamburg habe bisher ein Fünftel der Arten auf der Grünfläche untersucht. Es sei zu vermuten, dass dort noch mehr seltene Bewohner heimisch sind. Reischuck zitiert in seinem Schreiben Hallas: „Die geplante Baumaßnahme betrifft die einzige mir bekannte Magerrasen-Restfläche in Pinneberg.“ Durch den Bau gehe nicht nur ein Teil der Heidefläche im westlichen Rand verloren, so der Biologe. Es sei auch der Baumbestand betroffen. Die Bäume jedoch schützen das Gelände vor Westwind. Das Mikroklima würde sich also derart verändern, dass die seltenen Tierarten verschwinden würden, so Hallas. Reischuck ruft deswegen dazu auf: „Machen Sie sich in diesem Jahr einen eigenen Eindruck von dieser Fläche, bevor ein weiterer Naturschatz unserer Stadt beschädigt wird.“

Von Rathaussprecher Marc Trampe heißt es indes: „Wir befinden uns bereits mit der Unteren Naturschutzbehörde in Abstimmung über eine Ausgleichsmaßnahme. Ein Gutachter ist beauftragt.

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erstellt am 08.Apr.2016 | 14:00 Uhr

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