„Ansichtssache(n)“ mit Luftpinsel : Kunstkreis Schenefeld zeigt Ungewöhnliches im Rathaus

Digitale Bildergeschichten in Airbrush-Technik sind die Spezialität von Michael Habel.
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Digitale Bildergeschichten in Airbrush-Technik sind die Spezialität von Michael Habel.

Dr. Henry Tiemann ist neben Michael Habel und Detlef Schaaf einer von drei Künstlern, deren Werke der Kunstkreis ausstellt.

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20. Juli 2015, 16:00 Uhr

Schenefeld | Niemand ging so gründlich ins Detail wie Dr. Henry Tiemann. Er ist neben Michael Habel und Detlef Schaaf einer der drei Künstler, deren Werke der Kunstkreis Schenefeld noch bis zum 2. August im Rathaus ausstellt. Aber Tiemann ist eben auch Biologe, promovierte über Meerestierchen und lehrte an der Hamburger Universität Zoologie. Im Ruhestand malt er jetzt und gestaltet Objekte, mit Vorliebe aus Aluminium. Und immer wieder kommt dabei der Wissenschaftler zu Wort.

„Was Sie dort an der Wand sehen, sind zehntausendfach vergrößerte Bestandteile des Blutes“, dozierte er vor dem Vernissage-Publikum. Ein sonderbar geformtes Metallstückchen zum Beispiel sei ein „Makrophage“, eine Fresszelle, die gerade eine Asbestfaser verschlinge.

Das werde ihr aber nicht gelingen und so sei das Dargestellte leider Vorstufe eines Krebsgeschwulstes, fuhr Tiemann unbarmherzig fort. Nebendran hatte er einen Blutparasiten namens Schistosoma, eine im Entstehen begriffene Blutvergiftung und auch die Killerzelle Lymphozyt. Das alles aus dünn ausgewalztem Industrieabfall, wie übrigens auch Tiemanns Sturmvogel. Der allerdings in Lebensgröße. „Mit seinen weit geöffneten Schwingen ist er ursprünglich als Baumschmuck im Garten vorgesehen gewesen“, plauderte der Künstler aus.

Mit Metall setzt sich auch Detlef Schaaf auseinander. Der älteste der drei Künstler war ursprünglich Flugzeugbauer. Später arbeitete er bei der S-Bahn und ehe er sich zur Ruhe setzte, wühlte er gründlich in der Schrottkiste seiner Werkstatt. Was ihm zum Wegwerfen zu schade erschien, rettete er erstmal, zunächst ohne dafür einen Verwendungszweck zu haben. Doch dann kam er über den Kunstkreis zur Kunst, begann, sein Sammelsurium mit kreativem Blick zu mustern, und machte sich daran, das so Erschaute zu Objekten umzusetzen. „Aufbruch“ oder „Kopf-Chaos“ heißen seine Arbeiten, die durchaus auch die Fantasie der Betrachter herausfordern.

Michael Habel schließlich erzählt mit seinen Bildern Geschichten der Digitalisierung. Mit Farbe und Pinsel schaffte er das nicht so flächig wie er es gern wollte. Also klopfte er andere Möglichkeiten ab und fand die Airbrush-Technik. Der dabei benutzte „Luftpinsel“ ist eine Spritzpistole, kaum größer als ein Kugelschreiber, die feinste Farbverläufe gestattet. Schablonen werden eingesetzt, Flächen werden bis zu 30-mal besprüht, ehe das Bild komplett ist. „Das Ergebnis ist immer ein Unikat“, so der Künstler.

„Ansichtssache(n)“, die dritte Rathausausstellung des Kunstkreises, ist Montag bis Sonnabend von 15 bis 17 Uhr geöffnet, donnerstags zusätzlich von 10 bis 12 Uhr und am Sonntag von 11 bis 13 Uhr. Der Eintritt ist frei.
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