Kunst kennt keine Grenzen

Facettenreiche Interpretationen zum Thema Flucht erwarten die Besucher ab heute in der Pinneberger Drostei

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27. Oktober 2018, 16:00 Uhr

Die Inspiration zur Ausstellung lieferte der Opernsänger Kevork Moutafian. Seine bewegende Geschichte verbindet Krieg, Flucht und Freundschaft mit Musik. Die Künstlergilde Pinneberg entwickelte daraus das Thema „Über alle Grenzen . . . Kunst“ für die Jahresausstellung in der Pinneberger Drostei. Sie wird heute eröffnet.

Der 36-jährige Moutafian war mit seiner Familie 2015 vor dem Bürgerkrieg aus Aleppo in den Libanon und dann nach Deutschland geflohen. Zu seiner Geschichte gehöre auch, dass er selbst nicht, wie ursprünglich geplant, anwesend sein und singen wird, sagt Martin Musiol, zweiter Vorsitzender der Gilde gegenüber unserer Zeitung. Nach knapp drei Jahren in Deutschland sei der syrisch-armenische Musiker mit seiner Familie überraschend nach Armenien gezogen. „Das war ein Schlag für uns“, so Musiol. Kennengelernt hätten sich der Sänger und Christiane Schedelgarn, Vorsitzende des Vereins, über einen Deutschkurs. „Daraus entstand eine Freundschaft“, berichtet Musiol. Er erklärt, jeder Künstler habe einen eigenen Zugang zum Thema – daraus entstehe die Vielfalt der Ausstellung. Moutafians Zugang ist die Musik. Während der Vernissage werden zwei Videos des Sängers gezeigt: Auf einem kommt ein etwa 100 Jahre altes armenisches Volkslied über Vertreibung zu Gehör. Bei dem anderen eine Arie aus der Oper Don Jovanni, verrät die Gilde.

Freddy Rodes Bild trägt den Namen „Es gibt immer einen Weg“. Das Motiv ist ein über das Wasser schwebendes Segelboot in einer idyllischen Landschaft. „Es ist für mich das Symbol absoluter Freiheit“, schwärmt Rode. „Mir geht es bei dem Thema um den Antrieb und die Hoffnung von Menschen auf der Flucht.“ Deshalb sei das Boot auch nicht beflaggt und stehe symbolhaft für den Weg in die Freiheit.

Musiol erzählt, er hatte sofort die Fluchtgeschichte seiner Eltern im Kopf, die aus Ostpreußen geflüchtet waren. Diese Assoziation findet Ausdruck in einem Werk, dessen Gegenstand eine Gruppe Flüchtender in einer Schneelandschaft ist. In einem weiteren Werk stellt Musiol den ausdrucksstarken Opernsänger Moutafian vor einer gebrochenen Notenlandschaft dar.

Für Bettina Jungmann sind es vor allem die „Grenzen im Kopf“, die sie in ihren Bildern ausdrückt. „Netze und Nischen durchdringen unser Denken und beschränken uns, sodass wir nirgendwo frei sind. Kunst kann diese Grenzen durchbrechen“, erklärt sie.

In den Gartensälen der Drostei können die Besucher ab heute die unterschiedlichen Werke der Künstler bestaunen. Zur Eröffnung erwartet Martin Musiol erfahrungsgemäß etwa 60 Besucher. Christiane Schedelgarn führt laut Pressemitteilung nach dem Auftakt durch die Ausstellung, stellt die Künstler und ihre Werke den Gästen vor. Die Finissage rundet am Sonntag, 11. November, die Jahresausstellung dann ab, verrät Musiol.

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