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Volksbank schließt Filialen im Kreis Pinneberg : „Kundenlauf nimmt rapide ab“

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Kreditinstitut verändert sein Filialnetz und schafft zum April 2017 eine neue Servicegeschäftsstelle.

Brande-Hörnerkirchen | Es ist nicht einmal drei Jahre her, als die Sparkasse Südholstein im Kreis Pinneberg sieben Geschäftsstellen aufgab. Unter ihnen war auch die in der Bahnhofstraße in Brande-Hörnerkirchen. Die Volksbank Pinneberg-Elmshorn mietete daraufhin prompt die etwa 130 Quadratmeter große Immobilie an, investierte 400.000 Euro in deren Umbau und eröffnete sie Mitte Februar 2015 neu. Nach gut zwei Jahren wird die Filiale nun erneut geschlossen – zum 31. März 2017, genauso wie die am Moordamm in Ellerbek, am Elmshorner Hebbelplatz, am Garstedter Weg in Hasloh und an der Wedeler Chaussee in Moorrege. Im Laufe des Jahres werden die Schenefelder Geschäftsstelle an der Friedrich-Ebert-Allee und die Norderstedter in der Moorbek-Passage dicht gemacht. „Wir wagten damals den Schritt des Umbaus“, sagte Vorstandsmitglied Stefan Witt gestern, der 2015 davon ausgegangen war, dass mehr Menschen vom Mitbewerber zur Volksbank gingen. „Doch nur ein Bruchteil der Kunden ist zu uns gewechselt.“

„Der Bankenmarkt ist in Bewegung“, sagte Vorstandsmitglied Horst Alsmöller gestern Vormittag während der Pressekonferenz in Pinneberg. Zwei Gründe dafür seien die fortschreitende Digitalisierung und das veränderte Nutzungsverhalten der Kunden. Vorstandsmitglied Uwe Augustin erläuterte: Die Nutzungszahl von EC-Transaktionen sei von 126 Millionen im Jahr 1995 binnen zwei Dekaden auf drei Milliarden gestiegen, 63 Prozent der Bürger erledigten ihre Bankgeschäfte mittlerweile online, 70 Prozent der Menschen informierten sich im Internet über Finanzprodukte. „Die Tendenz ist steigend, auch jenseits der Altersgruppe 50 Plus.“ Laut Augustin besäßen 84 Prozent der Zwölf- bis 29-Jährigen ein internetfähiges Smartphone sowie 59 Prozent der 36- bis 50-Jährigen. Eine Folge: Die Kundenkontaktquote in den Filialen sei seit 2009 um 40 Prozent gesunken, und sie werde bis 2020 wohl noch einmal um 40 Prozent sinken, so Witt. „Der Kundenlauf in den Geschäftsstellen nimmt rapide ab.“

Zudem drückten die zunehmende Digitalisierung der Finanzwelt, die anhaltende Niedrigzinsphase sowie die steigende Regulatorik, unter anderem seitens der Europäischen Zentralbank, das Betriebsergebnis. „Regeln sind wichtig, damit kein Schindluder getrieben wird. Die Regulatorik ist aber eine enorme Herausforderung“, sagte Witt. Schließlich müsse die Volksbank – wie alle anderen Kreditinstitute auch – für deren Umsetzung Mitarbeiter beschäftigen, „mit denen wir aber kein Geld verdienen“. Würde die Volksbank nun nicht handeln, fiele das Betriebsergebnis in den kommenden drei bis fünf Jahren wohl um 50 Prozent, prognostizierte Witt.

Dabei steht die Volksbank laut Alsmöller gut da: „Die Einlagen wachsen, die Kredite wachsen – wir sind satt optimistisch.“ Unterm Strich blieben 2016 wohl gute 16 Millionen Euro übrig – eine gute Million mehr als im Vorjahr. Doch: „Eigentlich müssten wir etwas mehr verdienen“, sagte Alsmöller. Ginge es nach der Finanzaufsicht, stünden nach Angaben des Vorstandsmitglieds lieber 21 bis 22 Millionen Euro unterm Strich. Für Augustin und seine beiden Vorstandskollegen sei klar, was deren Kunden heutzutage von ihrer Volksbank erwarteten: Erreichbarkeit rund um die Uhr von jedem Ort der Welt, eine einfache, sichere Art, um mit dem Kreditinstitut zu kommunizieren und Bankgeschäfte zu erledigen, sowie Preisstabilität. Dem wolle die Volksbank mit der Schaffung einer Servicegeschäftsstelle ab April 2017 Rechnung tragen. Diese ist laut Alsmöller von 8 bis 20 Uhr erreichbar und kümmert sich um Standortauskünfte, den Zahlungsverkehr, die Kartenverwaltung sowie Terminvereinbarungen. Ab Sommer 2017 würden Mitarbeiter ihre Kunden auch per Video-Chat beraten.

Wenn die etwa 8000 Kunden aus Brande-Hörnerkirchen, Ellerbek, der Filiale am Elmshorner Hebbelplatz sowie aus Hasloh und Moorrege ihre Bankberater dennoch von Angesicht zu Angesicht sprechen möchten, seien die nächsten Geschäftsstellen nicht weit, so der Vorstand. Und die Geldautomaten sowie die Überweisungsterminals blieben an den jeweiligen Standorten erhalten.

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erstellt am 03.Dez.2016 | 16:00 Uhr

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