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„Die Baustelle hat uns gekillt“ : Kummerfelder Filiale der Stadtbäckerei Pinneberg schließt nach L-76-Sanierung

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der einzige Bäcker im Ort, eine Filiale der Stadtbäckerei Pinneberg, hat geschlossen. Ein Nachfolger ist bisher nicht in Sicht. Ein Schuldiger aus Sicht der Geschäftsführerin aber schon.

shz.de von
erstellt am 05.Nov.2015 | 12:00 Uhr

Kummerfeld | Wer sich zurzeit ein frisches Brötchen in Kummerfeld kaufen will, steht vor verschlossener Tür. Der einzige Bäcker im Ort, eine Filiale der Stadtbäckerei Pinneberg, hat geschlossen. Zwar steht auf dem Schild „vorerst“. Die Geschäftsführerin Erika Krauss erklärt jedoch auf Nachfrage, dass die Bäckerei nicht weiter betrieben werde. Ein Nachfolger ist bisher nicht in Sicht. Ein Schuldiger aus Sicht der Geschäftsführerin aber schon: die monatelange Sanierung der Landesstraße 76 in Borstel-Hohenraden. Denn infolge dieser wurde die Dorfstraße zur Einbahnstraße und die Bäckerei ist seitdem nur um einen mehrere Kilometer langen Umweg zu erreichen. Die Bauarbeiten in Borstel-Hohenraden sind am Freitagabend, 13. November, vorerst abgeschlossen. Die Einbahnstraßenregelung ist seit gestern wieder aufgehoben.

„Die Baustelle hat uns gekillt“, sagt Geschäftsführerin Krauss, die auch Filialen in Pinneberg, Holm und Wedel betreibt. „Es fährt ja niemand acht Kilometer Umweg, um ein Brötchen zu kaufen. Die Baustelle war echt dramatisch und hat uns das Genick gebrochen. Und auf den Kosten bleiben wir sitzen.“ Deshalb habe sie sich zu der Schließung entschlossen. Dazu komme, dass kleine Läden nicht mehr in das Konzept des Unternehmens passen würden, so Krauss. Die Geschäftsführerin sucht einen Nachmieter.

Bürgermeisterin Erika Koll (SPD) bedauert die Schließung. Koll argumentiert jedoch, dass aufgrund der Busumleitung keine Alternative zur Einbahnstraßenregelung bestand. Zudem habe die Bäckerei auch vorher schon eingeschränkte Öffnungszeiten gehabt. „Wenn man um 11.30 Uhr zumacht, finde ich das schon sehr früh“, sagt Koll. Mit längeren Öffnungszeiten hätte die Bäckerei auch Arbeiter, die mittags etwas essen wollen, ansprechen können, so Koll. Zu Fuß oder mit dem Rad sei die Filiale gut erreichbar. Die Zufahrt mit dem Auto sei aber zugegebenermaßen „umständlich“ gewesen. Dass der Betrieb Probleme hat, war ihr nicht bekannt. „Niemand ist an mich herangetreten und hat etwas gesagt.“ Für Kummerfeld sei die Bäckerei bedeutend gewesen. Nun gebe es nur noch einen Schlachter für den täglichen Bedarf. Sie würde sich freuen, wenn ein anderer Bäcker den Laden übernimmt. Allerdings sei die Situation in dem Ort generell schwierig. „Wir liegen einfach zu nah an Pinneberg dran. Und Prisdorf ist auch nicht weit. Die meisten Menschen sind heute mobil und kaufen auf dem Weg mit dem Auto etwas ein.“

Kundin Britta Carstens aus Pinneberg arbeitet als Erzieherin in der Kita in Kummerfeld. „Ich finde es blöd, dass man sich vor der Arbeit kein Brötchen mehr holen kann“, sagt sie. Carstens bestätigt, dass die Bäckerei viele Kunden durch die Umleitung verloren hat. „Viele Eltern haben sich bei mir beschwert und mir gesagt, dass sie dort auf dem Weg zur Kita nicht mehr halten konnten.“ ichael Tzioutos aus Kummerfeld wohnt gegenüber der Backstube. Ihm sei es egal, dass einen keinen Bäcker mehr in Kummerfeld gibt. „In Pinneberg gibt es genügend Möglichkeiten.“

Auch andere Unternehmen haben unter den Bauarbeiten zu leiden. Zoran Vucinic betreibt die Schmiede an der Quickborner Straße in Borstel-Hohenraden. Momentan gehe es ums reine Überleben, berichtet er. „Es ist sehr schwierig.“ Die Umsätze hätten sich seit dem Beginn der Bauarbeiten halbiert. Zwar ist sein Restaurant nun wieder erreichbar, offiziell ist die Zufahrt aber nur für Anlieger erlaubt. Deshalb bleiben weiter viele Gäste fern. „Viele denken, sie kommen nicht durch.“ Aufgeben kommt für ihn aber nicht infrage. „Ich bin ein Löwe, ein Kämpfer. Ich werde es schon schaffen.“ Nach dem Ende der Sperrung wolle er offensiv werben, um die Gäste zurückzugewinnen. Auch den Koch hat er wieder eingestellt. Als die Schmiede aufgrund der Vollsperrung zwei Monate lang nicht zu erreichen war, hatte er ihn kurzzeitig entlassen, um Kosten zu sparen. In dieser Zeit hätten sich aber zumindest die Borstel-Hohenradener als treue Stammgäste gezeigt.

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