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„Religionen sind nicht gewalttätig“ : Kulturkreis Halstenbek und evangelisch-lutherische Kirchengemeinde organisieren Diskussionsabend

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Imam des Islamischen Zentrums Al-Nour in Hamburg war einer der Referenten bei der Veranstaltung.

shz.de von
erstellt am 31.Mär.2015 | 15:15 Uhr

Halstenbek | „Wenn alle Hand in Hand arbeiten, machen wir die Ängste dem Erdboden gleich“, sagte Scheikh Samir El-Rajab am Freitagabend im Halstenbeker Gemeindezentrum Arche Noah. Der Imam des Islamischen Zentrums Al-Nour in Hamburg war einer der Referenten bei einer Veranstaltung des Kulturkreises und der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Halstenbek. El-Rajab diskutierte mit dem Islamwissenschaftler Behnam T. Said und Pastor Axel Matyba (Islambeauftragter der Nordkirche) vor etwa 70 Zuhörern über das Thema „Islam – Islamismus, gehört der Islam zu Deutschland und ist er eine Bedrohung für unser Land?“.

Aus Saids Sicht müsste die Frage lauten, ob die Muslime zu Deutschland gehören. Schließlich gehe es um die Menschen und nicht um die Religion. Der Wissenschaftler deutsch-afghanischer Herkunft betonte, dass die Muslime ein Teil der Bundesrepublik seien. Said kritisierte, dass in der Diskussion über den Islam häufig nur die negativen Seiten betrachtet werden. „Die Debatten haben nicht dazu geführt, dass das Wissen über die Religion größer geworden ist“, sagte Said, der auch als Analyst beim Hamburger Landesamt für Verfassungsschutz arbeitet.

Er ist der Auffassung, „dass wir uns in einer Reformation des Islam befinden“. Der werde in Europa ganz anders gelebt als in vielen arabischen Staaten, in denen die Menschenrechte nur eine untergeordnete Rolle spielen. Said hofft, dass sich die europäischen Einflüsse durchsetzen und auch den arabischen Raum prägen können. Der Islamwissenschaftler bedauerte, dass politische Fehlentwicklungen auf die Religion übertragen werden. Er stellte fest: „Religionen sind nicht gewalttätig.“

El-Rajab warb für ein besseres Miteinander. Der Koran fordere sogar, mit jedem ins Gespräch zu kommen und stelle alle Menschen auf das gleiche Niveau – unabhängig von Religion, Hautfarbe oder Nationalität. „Vielfalt ist gewollt und gut“, erklärte der Imam. Nur durch Diskussionen könnten sich verschiedene Kulturen kennenlernen und Ängste abbauen. „Der Mensch ist gegen das, was er nicht kennt.“ Deshalb sei die Furcht vor einer Islamisierung gerade in den Gebieten groß, in denen kaum Muslime leben.

Um den Zusammenhalt zu stärken, wünscht sich der evangelisch-lutherische Pastor Matyba „einen gemeinsamen Feiertag für alle Religionen“. Matyba fordert zudem, dass inner-islamische Debatten stärkere Beachtung finden und auch registriert wird, dass die überwältigende Mehrheit sich gegen Terror ausspricht. „Muslime prägen unser Land und unsere Gesellschaft. Das ist gut so und soll auch so bleiben“, betonte er.

Das Referat für Christlich-Islamischen Dialog fördert Begegnungen und den Informationsaustausch zwischen Christen und Muslimen im Bereich der Nordkirche. Der Referent des Zentrums für Mission und Ökumene, Axel Matyba, ist auch Beauftragter der Nordkirche für den Christlich-Islamischen Dialog. Er vertritt die Nordkirche in interreligiösen Foren und politischen Gremien. Zudem werden Vorträge, Seminare und Studientage zu Themen aus Theologie, religiöser Alltagspraxis und aktuellen gesellschaftlichen oder politischen Entwicklungen angeboten.
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