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Willkommenskultur in Rellingen : Kümmern bis zur Integration

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Frauen der ersten Stunde berichten. „Flüchtlinge fordern heute mehr“. Eins-zu-Eins-Betreuung entfällt.

Rellingen | 199 Flüchtlinge und Asylbewerber werden zurzeit in der Gemeinde Rellingen betreut. 138 sind männlich, 61 weiblich. Inklusive 43 Flüchtlingskinder, die unter 15 Jahren sind. Angelika Wilder, Esther Wendland, Elisabeth Bolle, Andrea Asbach und Maren Kannenbäumer kennen die Zahlen. Auch, weil sie wöchentlich nach oben korrigiert werden. Die Fünf sind zum Teil Frauen der ersten Stunde der Willkommenskultur in der Kommune. Seit November 2013 im Einsatz. Es ist ein kraftraubendes Engagement. Das geben sie zu. Doch ihr Ansporn lautet: „Wir kümmern uns, bis sie integriert werden.“

Ortstermin, Bergstraße 3. Erster Stock, Schaltzentrale für die Asylsuchenden und Flüchtlinge in Rellingen, Treffpunkt für den Runden Tisch Asyl unter der Leitung von Kerstin Riedel vom Diakonie Verein Migration. Dort befindet sich die Kleiderkammer, dort wird das Nötigste für Wohnungseinrichtungen gesammelt. Auf den Fluren bewegen sich geschäftige Flüchtlinge. Es sind ausschließlich Männer.

Das Frauen-Quintett, das jeweils als Paten für die Menschen eingesetzt ist und gleichzeitig auch Verantwortung für Belange in den Wohnungen und Unterkünften trägt, trifft sich im Tagungsraum. Und berichtet. Von Flüchtlingen der ersten Stunde. „Die waren so bescheiden. So dankbar für die Hilfe. Auch demütig und entgegenkommend.“ Wilder, die nach eigener Aussage oft als Mutterersatz behandelt und gesehen wird, berichtet darüber, dass besonders Erfolge gut tun: „Wenn Betriebe anerkannte Flüchtlinge eine Ausbildung anbieten und sie später übernehmen wollen, ist das eine Genugtuung.“

Doch die mehr als 70 Ehrenamtlichen wissen zu gut, dass sich die Betreuung von Flüchtlingen auch in Rellingen verändern wird. Auch hier würden Zahlen ihre eigene Sprache sprechen. Bis Ende 2016 wird sich laut Prognose der Verwaltung die Anzahl der Flüchtlinge auf etwa 450 erhöhen. „Damit ist die Zeit der Eins-zu-Eins-Betreuung vorbei“, weiß Wilder nur zu gut. Und sie alle beobachten einen Wandel: „Die Flüchtlinge, die heute ankommen, fordern mehr. Sie haben dafür eine Liste, die sie möglicherweise von Schleppern bekommen.“ Ihre Enttäuschung darüber können sie nicht verbergen. www.diakonieverein-migration.de

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erstellt am 05.Feb.2016 | 18:15 Uhr

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