160 Euro falsch abgerechnet : KSP-Chefin Sahin-Adu steht vor dem Rauswurf

Silkata Sahin-Adu ist seit 2014 Leiterin des Kommunalen Servicebetriebs Pinneberg (KSP).

Silkata Sahin-Adu ist seit 2014 Leiterin des Kommunalen Servicebetriebs Pinneberg (KSP).

Der Vorwurf - Sahin-Adu soll Seminarkosten ohne Erlaubnis abgerechnet haben.

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21. März 2017, 13:00 Uhr

Pinneberg | Erneut Unruhe im Pinneberger Rathaus: Im Mittelpunkt steht Silkata Sahin-Adu, seit 2014 Leiterin des Kommunalen Servicebetriebs Pinneberg (KSP). Sie steht womöglich vor einem Rauswurf. Laut Informationen des Pinneberger Tageblattes soll sie im vergangenen Jahr ein Seminar zum Thema Friedhof ohne Genehmigung der Stadt besucht haben. Die Kosten in Höhe von 160 Euro soll sie über den KSP abgerechnet haben, ohne dass eine Erlaubnis vorlag.

Sahin-Adu war am gestrigen Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Sie war nicht an ihrer Arbeitsstätte. Auch von Steinberg gibt es keine Stellungnahme. „Wir dürfen zu Personalangelegenheiten nichts sagen“, so Stadtsprecherin Maren Uschkurat auf Anfrage. Im Hauptausschuss am vergangenen Donnerstag soll Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) die Politik im nicht öffentlichen Teil über den Fall informiert und vorgeschlagen haben, Sahin-Adu entweder fristlos zu entlassen oder ihr zum 30. Juni ordentlich zu kündigen, weil das Vertrauensverhältnis gestört sei.

Der Fall, der im Hauptausschuss erörtert wurde, nimmt groteske Züge an: So soll Sahin-Adu die Bürgermeisterin gebeten haben, das Seminar besuchen zu dürfen. Steinberg soll abgelehnt und zu der KSP-Chefin wörtlich gesagt haben: „Das ist Ihre Party.“ In einer schriftlichen Stellungnahme, die der Politik vorliegt, soll Sahin-Adu mitgeteilt haben, dass sie bis heute nicht wisse, was Steinberg mit dieser Aussage gemeint habe.

Sahin-Adu habe für das Seminar, das ihr wichtig gewesen sei, sogar Urlaub genommen. Die Abrechnung über 160 Euro soll später über den Schreibtisch des KSP gelaufen sein, ohne dass Sahin-Adu davon Kenntnis gehabt habe. Das Rechnungsprüfungsamt der Verwaltung wurde im Februar auf die Summe aufmerksam – damit geriet der Fall ins Rollen.

In einer Vorlage, die der Politik im Zusammenhang mit der Abrechnungsaffäre vorgelegt wurde, wird auch ein anderer Vorfall wieder ans Licht gebracht, wohl um die Position von Sahin-Adu zu schwächen. Demnach soll sich die KSP-Chefin 2014 in vier Fällen Parkgebühren in Höhe von etwa 10,90 Euro ohne Dienstanlass erstatten lassen haben. Dafür soll sie damals bereits eine Abmahnung erhalten haben.

Urte Steinberg.
PT

Urte Steinberg.

 

Von den Politikern wollte gestern niemand offiziell Stellung zu dem Fall nehmen. Doch ein Teil der Kommunalpolitik wird diesen Weg mit Steinberg wohl nicht beschreiten. Es werde angezweifelt, ob eine fristlose Kündigung vor einem Arbeitsgericht überhaupt Bestand haben könnte. Außerdem soll es einen persönlichen Zwist zwischen den Frauen geben. Die Politik hat Steinberg am Donnerstag den Auftrag gegeben, mit Sahin-Adu über die Vorwürfe zu sprechen. Für morgen wurde eine außerordentliche Sitzung des Hauptausschusses anberaumt. Ab 18 Uhr werden die Kommunalpolitiker über die Zukunft der KSP-Chefin entscheiden.

Keine Ruhe im Rathaus - die Chronologie 

Juni 2016: Die Bürgermeisterin kündigt an, dass zwei Fachbereichsleiter von ihren Posten im Rathaus versetzt werden – allerdings ohne deren Einverständnis.
September 2016: Das schleswig-holsteinische Innenministerium hat ein Disziplinarverfahren gegen Bürgermeisterin Urte Steinberg eingeleitet. Zuvor hatte die Verwaltungschefin sich selbst angezeigt, weil sie einer am Standort Pinneberg interessierten Firma Gebühren für einen Bauvorbescheid erlassen hatte, ohne die Politik zu informieren. Es ging um 4750 Euro.
Dezember 2016: Der ehemalige Mitarbeiter des Rechnungsprüfungsamts, Michael Schuler, klagt gegen seine Kündigung.
Januar 2017: Gebühren unrechtmäßigerweise erlassen: Das Land verdonnert Bürgermeisterin Urte Steinberg zu einer Geldbuße von 500 Euro.
Februar 2017: Gebühren unrechtmäßigerweise erlassen: Bürgermeisterin Urte Steinberg überweist 4750 Euro von ihrem Privatkonto an Pinnebergs Stadtkasse. Damit kommt sie womöglich dem Hauptausschuss zuvor, der sie zu der Zahlung verpflichten wollte.
März 2017: Handwerksunternehmer Michael Schacht darf Bauaufträge für die Stadt nicht mehr zu Ende führen.
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