Krempel raus, Kopf frei

Auch in der Pinneberger Redaktion wird entrümpelt: Axel Krumsick und Daniela Gisin sagen, wie es geht.
1 von 2
Auch in der Pinneberger Redaktion wird entrümpelt: Axel Krumsick und Daniela Gisin sagen, wie es geht.

Axel Krumsick und Daniela Gisin haben über ihre Aufräumerfahrungen einen Ratgeber von A bis Z geschrieben

23-9374240_23-66045187_1416220327.JPG von
06. März 2019, 16:02 Uhr

Viele kennen das: Der Kleiderschrank ist voll, Bücher und CDs füllen die Regale und in den Abstellraum mag man angesichts des Chaos, das dort herrscht, keinen Blick mehr hineinwerfen. Trotzdem sammelt man munter weiter. Spätestens jetzt ist es an der Zeit, die Reißleine zu ziehen, um nicht in absehbarer Zeit in Klamotten, Tinnef, Gedöns und Schnickschnack zu versinken.

Dieses Gefühl kannte auch Axel Krumsick. In seiner 60  Quadratmeter großen Wohnung stand viel zu viel herum. Seit der gebürtige Pinneberger, der einen Teil seiner Kindheit in Rellingen verbrachte, mit Daniela Gisin zusammen ist, hat sich sein Leben diesbezüglich geändert. Seit zwei Jahren sind die beiden ein Paar. Die gebürtige Schweizerin ist ein Ordnungscoach. Sie kommt zu ihren Kunden nach Hause und hilft beim Aufräumen.

Auch Krumsick nahm die Dienste seiner Freundin in Anspruch. „Wir machen das hier so wie bei deinen Klienten“, hat der 46-jährige zu ihr gesagt. Nun haben die beiden einen Ratgeber verfasst, der auf ihren gemeinsamen Aufräum-Erfahrungen basiert. Das Buch mit dem programmatischen Titel „Die Räum Dich Frei Methode“ (Foto, Ellert & Richter Verlag, 14,95 Euro) ist mit zahlreichen Zeichnungen und Skizzen versehen. Krumsick und Gisin haben es übrigens – passend zum Thema – in einer einfachen Schweizer Berghütte in 1800 Meter Höhe geschrieben.

Doch zuvor ging es in Krumsicks Wohnung ans Aufräumen: „Ein Zimmer in meiner Wohnung, das als eine Art Abstellkammer diente, haben wir leer geräumt“, sagt er. Es sei ein toter Ort gewesen, wie es in dem Buch heißt, der sich über die Zeit eingenistet habe. Krumsick erinnert sich, dass er in den Raum keinen Blick mehr hineinwerfen wollte.

„Es ist jetzt mein Arbeitszimmer geworden. Dort arbeite ich nun auch an meinem Mac-Computer, der hier vorher nur abgestellt war“, erzählt Krumsick. Auch eine Kommode, die er eigentlich ganz hübsch fand, flog aus der Wohnung. Von etwa der Hälfte seiner Kleidung trennte er sich. „Eigentlich trägt man doch nur seine Lieblingsstücke“, fügt Gisin an.

Ebenso reduzierte Krumsick seine Bücher. „Ich habe nur diejenigen behalten, die ich noch benutze“, sagt er. Auch die Schallplatten standen auf dem Prüfstand. Statt 100 Longplayer hat er jetzt nur noch etwa 40. Von seiner Mick-Jagger-Sammlung konnte er sich nicht trennen. Musste er auch nicht, denn sie gehört zu den Dingen, die ihn bereichern. Nach der Entrümpelungsaktion stellte Krumsick fest: „Meine Wohnung ist luftiger und schöner geworden. Ich freue mich immer, wenn ich nach Hause komme.“ Schon vorher stelle sich eine Vorfreude ein. „Ich fühle mich emotional leichter.“ Das Magische sei eingetreten: Auf einmal sei Aufräumen nicht mehr belastend, sondern befreiend. „Ich kann mittlerweile Besitztümer leicht weggeben. Man fängt an, etwas weiter zu denken.“ Die Räum-Dich-Frei-Methode führe dazu, dass man auch in Zukunft Ordnung halte und vermeintliche Schnäppchenkäufe immer seltener werden.

Nun klingt das vielleicht einfacher, als es dem ein oder anderen zunächst erscheinen mag. Weswegen die beiden auch einen Leitfaden von A bis Z geschrieben haben. Das Paar empfiehlt, zunächst einen groben Grundriss der Wohnung zu skizzieren und die emotionalen Bedürfnisse an das Zuhause zu definieren. In einem dritten Schritt werden künftige Wohnbereiche genannt – die neuen, die alten oder diejenigen, die reduziert oder eliminiert werden sollen. Dann erfolgt ein aktualisierter Grundriss und ein Abgleich künftiger Wohnbereiche mit emotionalen Bedürfnissen plus einer groben Gegenstandsgruppen-Definition. Zuletzt wird festgelegt, wie lange die Aufräumaktion dauern soll. Letztendlich geht es darum, für sich herauszufinden: „Was sind meine Bedürfnisse? Was brauche ich, um zu entspannen?“, so der Ordnungscoach. „Beim Aufräumen sollte man zuerst mit den Sachen beginnen, die nicht mit Emotionen oder Erinnerungen behaftet sind“, rät Gisin. Dazu gehörten Kleider, Bücher sowie Küchen- und Badezimmerutensilien. Dann geht es an die Andenken und Fotos. Bei der Entscheidung, was nun das Zuhause verlässt, solle man sich auf sein Gefühl und seine Intuition verlassen, raten die beiden. Im besten Falle kommt man zu dem Schluss, dass die DVDs auf dem Sideboard gar nicht mehr genutzt werden oder die Bücher im Schrank nur noch die Funktion von Trophäen haben. „80  Prozent der Bücher braucht man doch nicht“, sagt Gisin. Habe man das erst einmal verinnerlicht, fällt die Trennung von den Sachen auch nicht mehr schwer. Im besten Fall werden die Sachen auf dem Trödelmarkt oder bei E-Bay verkauft. Im Anhang des Ratgebers werden zahlreiche Online-Plattformen genannt.

Entrümpeln, um sich besser zu fühlen. Dazu geben Gisin und Krumsick eine Anleitung, die nicht länger als zwei Stunden Lesezeit in Anspruch nimmt. „Es geht darum, sich bewusst zu verändern und befreiter und gelassener durch die Welt zu gehen“, sagt Gisin. Unsere Gesellschaft stopfe sich unbewusst mit Schnäppchen und Besitztümern voll, mit der Absicht, sich dadurch reicher zu fühlen. „Meist erfolglos. Unsere Leser erleben mit der Räum-Dich-Frei-Methode ein neues differenziertes Konsumverhalten.“



zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen