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Ästhetik gegen Barrierefreiheit : Kreistag Pinneberg diskutiert über einen Fahrstuhl für die Drostei

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ausschuss für Schule, Kultur und Sport spricht sich für Fahrstuhl an Drostei aus. Entscheidung über 20.000 Euro teures Gutachten vertagt.

Kreis Pinneberg | Das Kreiskulturzentrum, die Drostei in Pinneberg, soll durch den Einbau eines Fahrstuhls barrierefrei werden. Darin waren sich die Mitglieder des Ausschusses für Schule, Kultur und Sport des Kreistags einig. Dennoch vertagten sie am Donnerstagabend die Entscheidung über die Beauftragung eines 20.000 Euro teuren Gutachtens. Annelie Fesser von der Unteren Denkmalschutzbehörde soll zunächst in der nächsten Sitzung erläutern, warum sich ihre Behörde und das Landesamt für Denkmalschutz gegen eine Lösung an der Außenseite des zwischen 1765 und 1767 errichteten Gebäudes aussprechen. Zudem wollen die Politiker eine Einschätzung von der künstlerischen Leiterin der Drostei, Stefanie Fricke, erhalten, wie ein innenliegender Fahrstuhl die Nutzung verändern würde.

„Es gab immer Gründe, die gegen einen Fahrstuhl gesprochen haben“, erinnerte Jens Bollwahn, Geschäftsführer der Drostei, an die seit den 1990er Jahren laufenden Diskussionen um die Barrierefreiheit des Gebäudes. Denkmalschutz, Statik und klamme Kassen hätten immer wieder gegen einen Umbau gesprochen. Bei einem Vor-Ort-Termin habe ihm das Landesamt für Denkmalpflege mitgeteilt, dass ein Turm neben dem Gebäude mit dem Denkmalschutz „unverträglich“ sei. „Eine innenliegende Lösung würde das Amt mitgehen. Das bedeutet für die Nutzung des Gebäudes aber deutliche Veränderungen“, sagte Bollwahn. Laut der Denkmalschutzbehörde ist allerdings das Backsteinmauerwerk nicht mehr tragfähig. Zudem gehe sie von einer Absenkung des Bodens aus. Ein weiteres Problem sei die Drainage im Kellergeschoss, deren Sammelschacht sich im Bereich der Damentoiletten befinde – dem möglichen Fahrstuhlstandort.

„Wenn wir die UN-Behindertenrechtskonvention betrachten, stelle ich mir die Frage, ob diese nicht höher zu bewerten ist, als der Denkmalschutz“, sagte Werner Harms (SPD). Dietrich Anders (SPD) fand deutliche Worte: „Das ist eine der peinlichsten Geschichten, die ich je erlebt habe. Seit den 1980er Jahren geht es darum, wie wir Menschen mit Behinderungen an kulturellen Veranstaltungen beteiligen können.“ Er halte das Gutachten für rausgeschmissenes Geld, da er rechtliche Änderungen im Denkmalschutz erwarte. Darauf plädierte auch der FDP-Fraktionschef Klaus Bremer: „Der Denkmalschutz muss geändert werden. Wir müssen Druck auf die Landesregierung machen.“

Burkhard Stratmann (Bündnis 90/ Die Grünen) hatte eine pragmatische Lösung für den angedachten Fahrstuhl an der Außenseite der Drostei: „Wenn er die Symmetrie stört, bauen wir auf der anderen Seite auch einen. Dann passt es wieder. Ästhetik darf nicht über der UN-Konvention stehen.“

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erstellt am 10.Okt.2015 | 10:00 Uhr

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