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„Die Metropolregion stärken“ : Kreisstadt und Nachbarkommunen intensivieren die Zusammenarbeit - Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg im Interview

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) wirbt für eine starke Stadt-Umland-Kooperation Pinneberg.

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erstellt am 10.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Die Pinneberger Bürgermeisterin, Urte Steinberg, ist Vorsitzende der Stadt-Umland-Kooperation Pinneberg (SUK) und hat großen Anteil daran, dass die Zusammenarbeit der Kreisstadt mit den Umlandgemeinden seit ihrem Amtsantritt 2013 wesentlich enger geworden ist. Im Gespräch mit Reporter Lars Zimmermann erläutert die Verwaltungschefin, warum die Kooperation zwischen den einzelnen Kommunen so wichtig ist.

Welche Aufgaben übernimmt die Stadt-Umland-Kooperation?
Steinberg: Es wird der gegenseitige Austausch gepflegt und wir informieren uns über die Entwicklungen in den einzelnen Kommunen. So ist eine enge Abstimmung bei Fragen möglich, die das gesamte Umland betreffen.

Ist die SUK ihrer Aufgabe immer gerecht geworden?
Zumindest seitdem ich die Kooperation 2013 wieder ins Leben gerufen habe. Über das, was davor gewesen ist, kann ich nichts sagen. Momentan treffen wir uns dreimal pro Jahr und kommen im Januar, Mai und September zusammen. Ich bin froh, dass wir ein festes Procedere gefunden haben und uns gegenseitig informieren, was anliegt.

Warum ist die Stadt-Umland-Kooperation wichtig?
Wir leben nicht auf einer Insel. Es geht darum, zusammenzuarbeiten und gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Das Ziel ist, die Metropolregion insgesamt zu stärken. Außerdem gibt es die Möglichkeit, voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen. Darüber hinaus hilft die SUK, atmosphärische Störungen zu vermeiden.

In welchen Bereichen funktioniert die Zusammenarbeit, wo muss nachgebessert werden?
In den Bereichen Stadtentwicklung und Kindertagesstätten funktioniert die Kooperation aus meiner Sicht hervorragend. Auch die Unterbringung von Flüchtlingen und deren Integration ist ein wichtiges Thema, bei dem die einzelnen Kommunen eng zusammenarbeiten. Derzeit geht es vor allem darum, auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren. Das ist ein erster und wichtiger Schritt. Dabei darf es aber nicht bleiben. Wir könnten auf Verwaltungsebene noch enger zusammenarbeiten und prüfen, ob es Bereiche gibt, die nicht jeder vorhalten muss. Dadurch bestünde die Möglichkeit, Kosten zu sparen. Das ist aber derzeit noch Zukunftsmusik. Wie es weitergeht, müssen alle beteiligten Kommunen gemeinsam entscheiden.

Welche konkreten Projekte können gemeinsam angegangen werden?
Ein Beispiel sind gemeinsame Gewerbegebiete. So könnten wir im Gebiet Müßentwiete mit Prisdorf zusammenarbeiten. Unser Gewerbegebiet am Ossenpadd könnte auf Kummerfelder Seite fortgesetzt werden.

Wie kann die Zusammenarbeit aussehen, obwohl die Planungshoheit bei den Kommunen liegt, auf deren Gebiet ein Gewerbegebiet entsteht?
Je besser die interkommunale Zusammenarbeit ist, desto mehr wird auch untereinander abgestimmt. Ich setze darauf, dass man in Zukunft überlegt, was zusammen angegangen werden kann. Das muss sich nicht nur auf eine mögliche gemeinsame Ausweisung eines Gewerbegebiets beschränken. Auch auf Verwaltungsebene gibt es durchaus verschiedene Kooperationsmöglichkeiten – sowohl bei einzelnen Projekten als auch generell.

Haben die an der SUK beteiligten Kommunen gemeinsam größere Chancen, beim Kreis oder Land ihre Interessen durchzusetzen?
Auf jeden Fall. Wenn mehrere Kommunen mit einer Stimme sprechen, finden sie eher Gehör. Ich kann als SUK-Vorsitzende unsere Anliegen beim Landrat oder gegebenenfalls sogar in Kiel bei den zuständigen Landesministerien mit gestärkter Stimme vorbringen.

Der Blick über den Tellerrand ist im Raum Pinneberg fest geregelt. Dafür sorgt die Stadt-Umland-Kooperation (SUK) Pinneberg. Möglichkeiten der interkommunalen Zusammenarbeit werden schon seit mehr als einem Jahrzehnt intensiv erörtert und sind seit 2009 sogar vertraglich festgeschrieben – allerdings weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit.
Dreimal pro Jahr kommen Vertreter der Städte Pinneberg und Schenefeld sowie der Gemeinden Appen, Halstenbek, Rellingen, Prisdorf, Kummerfeld, Tangstedt und Borstel-Hohenraden zu den SUK-Treffen zusammen. Erst vor Kurzem gab es eine Zusammenkunft. Die Treffen dienen vor allem dem Informationsaustausch, erklärt Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos). So habe bei der vergangenen Sitzung beispielsweise Borstel-Hohenradens Gemeindeoberhaupt Jürgen Rahn (CDU) von der noch in diesem Jahr beginnenden Sanierung der Quickborner Straße (L76) berichtet. Die wirke sich auch auf den Verkehr in Pinneberg und den anderen Nachbargemeinden aus, erläuterte Steinberg.
Der regelmäßige Austausch sei außerdem wichtig, um von den anderen Kommunen grünes Licht für eigene Projekte wie etwa die Ausweitung eines Gewerbegebiets zu bekommen. Damit die Landesplanung ihr Einverständnis erklärt, ist die Zustimmung der Nachbarn erforderlich. Wenn es nach Steinberg geht, wird es aber in Zukunft nicht bei der zustimmenden Kenntnisnahme bleiben. Sie wünscht sich, dass die Kommunen auch gemeinsam Projekte  angehen. Das ist bisher eher selten der Fall. Die SUK soll nun helfen, dass sich das ändert.
Ein erster Schritt ist bereits getan: Steinberg hat immerhin nach ihrem Amtsantritt Anfang 2013 dafür gesorgt, dass die selbst von den beteiligten Kommunen fast vergessene Stadt-Umland-Kooperation inzwischen wieder mit Leben erfüllt wird. Dass Planung nicht unbedingt an der Ortsgrenze enden muss, haben unter anderem Prisdorf und Kummerfeld bewiesen. Die beiden Dörfer haben eine gemeinsame Grundschule errichtet – die Bilsbek-Schule.
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