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„Verachtet mir die Meister nicht“ : Kreishandwerker sorgen sich um die Zukunft

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

„Trauerspiel“ A20-Ausbau, auch Fachkräftemangel macht Unternehmen zu schaffen.

Kreis Steinburg | „Für das Jahr 2015 überwiegt Optimismus“, sagte Kreishandwerksmeister Helmut Rowedder, der Sonnabend den traditionellen Handwerker-Frühschoppen der Kreishandwerkerschaft Westholstein im Itzehoer Hotel Mercure eröffnete. Viele Betriebe in Steinburg und Pinneberg stuften ihre Geschäftslage als gut oder zufriedenstellend ein. Rückblickend sei 2014, von der Auftragslage her unterschiedlich bewertet, für einige ein gutes Jahr gewesen, für andere eher durchschnittlich verlaufen, resümierte Rowedder. Die Zahl der Beschäftigten sei gehalten worden oder sogar gestiegen. Aber der Fachkräftemangel mache sich bemerkbar. So seien trotz großer Ausbildungsbereitschaft – rund 1000 neue Lehrlinge jährlich – einige Lehrstellen bereits unbesetzt geblieben.

Der Kreishandwerksmeister nannte vier Themen, „die uns Handwerker in den Kreisen Pinneberg und Steinburg bewegen“. Da sei erstens die Infrastruktur mit dem „Trauerspiel“ um den Ausbau der A20 und die damit verbundene Elbquerung bei Glückstadt. Aber auch der Ausbau der A  7 mit dem geplanten „Deckel“ bei Hamburg mache es Handwerksbetrieben nicht leicht, zu ihren Kunden zu kommen. Das Verkehrsnetz spiele eine wichtige Rolle, diene Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand. Schon heute sei ein Wertschöpfungsverlust durch unzureichende oder marode Infrastruktur zu verzeichnen.

Zweitens: Der SPD-Fraktionsvize Carsten Schneider habe im August gefordert, die steuerliche Absetzbarkeit von Handwerkerrechnungen abzuschaffen, weil sie den Staat jährlich gut 1,5 Milliarden Euro koste. Er lasse dabei außer Acht, dass der Steuerbonus auch maßgeblich dazu beitrage, Schwarzarbeit einzudämmen und die Konjunktur in Gang zu halten, so der Kreishandwerksmeister. Rowedder erinnerte daran, dass die Idee, Handwerkerrechnungen abzusetzen, im Haus des Handwerks in Itzehoe durch den früheren Geschäftsführer Jürgen Pauschert entwickelt und dann von dem damaligen schleswig-holsteinischen Wirtschaftsminister Dietrich Austermann auf den Weg gebracht worden sei. „Und heute soll dieses gute Instrument wieder abgeschafft werden.“

Die Schwarzarbeit – das dritte Thema – werde Prognosen zufolge 2014 in Deutschland einen Schaden von rund 338 Milliarden Euro angerichtet haben. Der Öffentlichen Hand gingen rund 100 Milliarden Euro verloren. Staat und Kommunen verzichteten auf höchste Einnahmen.

Meisterbrief und duale Ausbildung

Schließlich und nicht zuletzt setze sich das Handwerk dafür ein, den Meisterbrief und die damit verbundene duale Ausbildung zu erhalten. Als Voraussetzung für die Selbstständigkeit im Handwerk seien sie „das Fundament für die Qualität, um die uns andere Länder beneiden“.

In einem Grußwort würdigte Kreispräsident Peter Labendowicz die Bedeutung des Handwerks für den Kreis Steinburg. Das Handwerk habe Zukunft und immer noch „goldenen Boden“. Mit dem Goldenen Meisterbrief geehrt wurden Jörn Affeldt und Helmut Böge, beide lange Jahre in Ehrenämtern tätig. Affeldt war unter anderem Obermeister der Schlosser- und Maschinenbauer- sowie der Metall-Innung, Landesinnungsmeister und Vizepräsident des Bundesverbandes Metall. Böge war von 1975 bis 1990 Obermeister der Tischler-Innung und hat sich in vielen weiteren Ämtern engagiert.

„Verachtet mir die Meister nicht und ehrt mir ihre Kunst“, zitierte Handwerkskammer-Präsident Günther Stapelfeldt aus den „Meistersingern von Nürnberg“. Die Europäische Kommission in Brüssel aber wolle mit einer „Initiative der nationalen Reglementierung des Berufszuganges“ die Meisterqualifikation schwächen oder sogar abschaffen. „Mit Sorge“ beobachte das Handwerk deshalb „diese kontinuierlichen Angriffe auf den Meisterbrief“.

Willkommenskultur stärken

In seinem Grußwort sprach Präsident Ulrich Mietschke vom Wirtschaftsverband Handwerk Schleswig-Holstein ein anderes Problem an: die Integration von Flüchtlingen. Es gelte, die Willkommenskultur zu stärken. Schon jetzt beteilige sich das Handwerk an Initiativen. So seien Jugendliche mit Migrationshintergrund eingeladen, eine Ausbildung im Handwerk zu beginnen.

„Agenda 2015 – Was Handwerksbetriebe leisten, welche Politik sie brauchen“ war das Thema von Holger Schwannecke. „Das Handwerk ist ein generationsübergreifendes Modell“, sagte der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Sein Rat an die Steinburger und Pinneberger Handwerker: „Engagieren Sie sich weiter leidenschaftlich.“

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erstellt am 16.Feb.2015 | 12:15 Uhr

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