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Pinneberger Tageblatt

15. Dezember 2017 | 07:51 Uhr

Kreis unterstützt Goldstein-Haus

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Mitgliedschaft im Förderverein soll bei Einrichtung einer Gedenkstätte helfen / Ehemaliges Gefangenenlager gehört dem Land

shz.de von
erstellt am 29.Jan.2016 | 12:22 Uhr

Die politischen Fraktionen im Kreistag wollen, dass der Kreis dem Verein Henri-Goldstein-Haus beitritt. Während der Sitzung des Kreistags am Mittwoch, 10. Februar, werden sie über einen partei- übergreifenden Antrag abstimmen. Für den Verein ist das eine wichtige ideelle Unterstützung. Er möchte aus dem Haus im Himmelmoor bei Quickborn eine Gedenkstätte machen, die an die Zeit des Nationalsozialismus erinnert. Kosten der Mitgliedschaft für den Kreis: der Vereinsbeitrag von 24 Euro pro Jahr.

In dem Antrag heißt es: „Zwar ist das Henri-Goldstein-Haus noch nicht als schleswig-holsteinische Gedenkstätte eingetragen. Es steht jedoch unter Denkmalschutz und die Eintragung ist in absehbarer Zeit zu erwarten. Das Haus ist dann die einzige Gedenkstätte des Kreises Pinneberg, die an die Zeit des Nationalsozialismus erinnert. Das Gebäude ist vollständig und fast originalgetreu erhalten.“

In dem 1936 errichteten Backsteinbau wurden im Zweiten Weltkrieg jüdische Gefangene untergebracht. Es war Teil einer größeren Anlage, in der Sowjets, Franzosen und politische Gefangene interniert waren. Sie mussten im Himmelmoor Torf stechen. Benannt ist das Gebäude nach dem Gefangenen Henri Goldstein, dessen Erinnerungen in einem Buch publiziert wurden.

Das Haus gehört dem Land Schleswig-Holstein und ist bis 2020 an das Torfwerk verpachtet. „Wir hoffen, dass uns das Haus dann übertragen wird oder dass wir es mit der Stadt Quickborn kaufen können“, sagt Jens-Olaf Nuckel, Vorsitzender des Vereins Henri-Goldstein-Haus. Er freut sich über die Unterstützung des Kreises: „Wir wollen in der Region bekannt machen, dass hier eine Gedenkstätte entsteht. Deswegen ist die Unterstützung des Kreises wichtig.“ Außerdem könne die Mitgliedschaft auch die Vernetzung mit anderen Gedenkstätten in Schleswig-Holstein fördern. „Derzeit arbeitet der Förderverein an einem Nutzungskonzept für eine Gedenkstätte“, sagt Nuckel.

Die Räume des Goldstein-Hauses sollen so hergerichtet werden, dass sie dem Zustand von 1945 entsprechen. Gegenstände, die von der Gedenkstätte Neuen- gamme in Verwahrung genommen wurden, sollen zurückkehren, ebenso ein Spiegel mit den Namen der jüdischen Kriegsgefangenen, der sich im Jüdischen Museum in Rendsburg befindet. Doch das Gebäude soll nicht nur der Erinnerung an den Nationalsozialismus dienen, sondern auch ein Forum für die Auseinandersetzung mit Themen wie Neonazismus, Fremdenfurcht, Fremdenhass, Toleranz und der Frage, wie weit Toleranz gehen darf, werden. „Der Funktion einer Gedenkstätte wird die einer Denkstätte hinzugefügt. Das Henri-Goldstein-Haus ist über die permanente Ausstellung hinaus als Treffpunkt und Podium gedacht“, heißt es in dem Antrag der Parteien. Der Förderverein ist in das Kreisprojekt „Spurensuche im Kreis Pinneberg“ eingebunden.

Da der Antrag ein gemeinsamer Entwurf von CDU, SPD, Grünen, FDP sowie Linke und Piraten ist, wird der Beschluss wohl nur Formsache sein. Ob der fraktionslose Burghard Schalhorn (KWGP) zustimmt, ist noch unklar. Er wusste bis gestern nichts von dem Antrag. „Das diskutieren wir in der KWGP erst am Mittwoch“, sagte Schalhorn. Wermutstropfen aus seiner Sicht: „Bei so einer gemeinsamen Aktion hätte ich mir gewünscht, ebenfalls vorab informiert worden zu sein.“

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