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Jäger fürchten mehr Wildunfälle : Kreis Pinneberg: Kritik an Novellierung des Landesnaturschutzgesetzes

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ein entscheidender Punkt bei der Neuregelung des Landesnaturschutzgesetzes ist das Betretungsrecht. Künftig soll sich jeder auf abgeernteten und nicht bestellten Feldern bewegen dürfen.

shz.de von
erstellt am 17.Dez.2015 | 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Bisher darf man sich nur auf befestigten Wegen in der Natur bewegen. Das soll sich mit der Novellierung des Landesnaturschutzgesetztes ändern und stößt der Jägerschaft bitter auf, sagt Hans Wörncke, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Pinneberg, im Interview.

Was kritisieren Sie an der Novellierung des Landesnaturschutzgesetzes?
Hans Wöncke: Bevor ich zur Kritik komme, zunächst mal die Frage nach dem Sinn des neuen Gesetzes. Es gibt überall im Land sehr viele, sehr gut ausgebaute Wege, auf denen man als Spaziergänger gut laufen kann und außerdem noch saubere Schuhe behält. Außerdem sieht man von dort viel mehr Tiere, als wenn man quer über die Felder rennt. Der Gedanke, dass man als Spaziergänger künftig überall herumlaufen darf, mag vielen auf den ersten Blick gefallen, praktisch aber kann dadurch viel Schaden angerichtet werden. Dass beginnt schon damit, dass jemand der nicht aus der Landwirtschaft kommt oft gar nicht beurteilen kann, ob ein Feld eingesät oder bestellt ist. Für ein ungeübtes Auge ist es oft ja schon schwierig zu erkennen, ob auf einem Feld Gras oder Getreide wächst. Sicherlich möchte niemand Schaden anrichten, der Landwirt wird sich aber nicht freuen.

Welche Auswirkungen erwarten Sie auf die Tiere?
Als Jäger fürchten wir besonders die Beunruhigung des Wildes. Rehe zum Beispiel liegen in den Äsungspausen gern in kleinen Knicks – Spaziergänger und Hundebesitzer stören da. Und wenn es mal richtig schlecht läuft, dann stöbert ein freilaufender Hund ein Reh nicht nur auf, sondern hetzt es auch. Das kann unschöne Folgen haben. Er kann es reißen, das Reh kann aber auch auf die Straße laufen und dort einen Verkehrsunfall verursachen.
Doch es muss noch nicht mal so dramatisch sein. Enten und Fasane zum Beispiel gehören zu den Bodenbrütern. Wenn die ein Nest bauen und werden dort gestört, verlassen sie das Nest und die Brut geht verloren. Dass Naturschutzorganisationen wie der BUND oder Nabu den neuen Gesetzentwurf unterstützen, kann ich deshalb nicht verstehen. Das geht nämlich gegen die Tiere.

Woran erkennt der Laie, ob ein Feld abgeerntet oder bestellt ist?
Gar nicht, das ist ja das Problem. Die Jägerschaft warnt davor, dass auch auf abgeernteten Feldern Rehe aufgeschreckt werden könnten, die auf der Flucht Unfälle verursachen.

Wie viele Wildunfälle gab es im Jahr 2015 im Kreis Pinneberg?
Eine abschließende Statistik für dieses Jagdjahr gibt es noch nicht. In der Regel aber sind es 25 bis 30 Prozent der Gesamtstrecke. Das bedeutet, dass es im Kreis Pinneberg auch dieses Jahr wieder zu 280 bis 320 Wildunfällen gekommen ist.

Wie sollte Ihrer Meinung nach die Nutzbarkeit der Natur zur Naherholung und auf der anderen Seite der Tierschutz vereinbart werden?
Kommunikaton – und zwar mit den Leuten, die was davon verstehen. Das klingt jetzt einfach, scheint heute aber ein großes Problem zu sein. Man muss reden, und zwar mit den Leuten, die mit und von der Natur leben. Dazu gehören die Jäger genauso wie die Landwirte. Heute werden Entscheidungen ja vielfach von Menschen getroffen, die mit der eigentlichen Materie gar nichts zu tun haben. Und es sind ja nicht nur die Jäger, die bei wichtigen Entscheidungsprozessen übergangen werden. Auch mit den Landwirten redet oft keiner, dabei gehört ihnen das Land, über das andere entscheiden.

 

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