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Klein Nordende : Kreis lässt Schwarzbau abreißen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Nachkriegs-Haus im Außenbereich von Klein Nordende illegal erweitert. Verwaltung greift nach Rechtsstreit durch.

shz.de von
erstellt am 13.Nov.2014 | 16:00 Uhr

Klein Nordende | Die Adresse Liether Moor 13 in Klein Nordende ist Geschichte. Auf dem etwa 6000 Quadratmeter großen Grundstück steht kein Haus mehr. Das Gebäude auf einer Grundfläche von etwa 35 Quadratmetern wurde dem Erdboden gleichgemacht. Der Bagger, der keinen Stein auf dem anderen ließ, war im Auftrag der Pinneberger Kreisverwaltung aktiv. Sie ließ einen Schwarzbau abreißen.

Eigentümer Michael T. beobachtete die Abrissarbeiten mit Tränen in den Augen. Die Baufahrzeuge, die unter dem Schutz von zwei Streifenwagenbesatzungen auf das Grundstück in Klein Nordende fuhren, bildeten den vorläufigen Höhepunkt einer seit 2007 andauernden Auseinandersetzung zwischen Eigentümern und der Pinneberger Kreisverwaltung um Schwarzbauten im Esinger Moor, einem Landschaftsschutzgebiet.

Mehr als 200 Gebäude auf etwa 80 Grundstücken hatte der Kreis in dem Gebiet registriert. Behelfsheime, entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg und im Laufe der Jahre modernisiert und erweitert. Nicht alles illegal. „Wir reden von ungenehmigten Gehwegplatten über Gartenhäuser und Carports bis hin zu Wohnhäusern“, sagte Kreissprecher Oliver Carstens gestern im Gespräch mit dieser Zeitung. Bislang sei das, was Carstens im Amtsdeutsch „Ersatzvornahme“ nennt und nichts anderes als der Zwangsabriss ist, das erste Mal, dass die Verwaltung einen der Schwarzbauten im Esinger Moor abreißen ließ. Andere Eigentümer haben in der Vergangenheit selbst ungenehmigte Anbauten, Gartenhäuser oder Carports demontiert. Zudem, so sagte Carstens, habe es mit Anwohnern auch Vereinbarungen über langfristige Nutzungsrechte gegeben. Insgesamt gehe es um weniger als zehn Gebäude, die als reguläre Wohnhäuser oder als Wochenendhaus genutzt würden. Weitere Zwangsabrisse sind laut Kreissprecher Carstens nicht geplant.

Michael T. hatte das Grundstück in der Straße Liether Moor einst für 20.000 Euro gekauft. Im April 2007 hatte der Kreis laut Carstens einen Bestandsschutz für das Gebäude auf dem Grundstück anerkannt. Allerdings: Der Eigentümer habe ein neues, größeres Dach auf das Haus, dass im Außenbereich von Klein Nordende liegt, gesetzt. „Damit erlosch der Bestandsschutz“, sagte der Kreissprecher. Zudem sei auch ein Nebengebäude illegal gebaut worden. Der Eigentümer sollte die ungenehmigten Bauten wieder entfernen.

Eine Einigung zwischen Kreis und Michael T. kam nicht zustande. Gerichte hatten das Wort. Und sie entschieden: Die Kreisverwaltung hat Recht. Verwaltungsgericht und Oberverwaltungsgericht wiesen die Klage des Eigentümers ab.

Der Aufforderung, das Gebäude abzureißen, ist der Eigentümer laut Darstellung von Cartsens nicht nachgekommen. „Da sämtliche gesetzte Termine zum eigenständigen Abriss verstrichen waren, hat die Kreisverwaltung nunmehr die Ersatzvornahme durchgeführt“, sagte der Kreissprecher. 18.000 Euro hat Michael T. laut eigener Angaben bereits unter anderem für die Prozesse ausgegeben. Die nächste Rechnung kommt bestimmt. Denn der Kreis wird sich die Kosten für den Abriss vom Eigentümer zurückholen. Geld habe er nicht mehr, sagte dieser. Die Folge: Nach dem Zwangsabriss droht ihm nun die Zwangsversteigerung.

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