„Kreis ist Totengräber des Sports“

Wilfred Diekert ist zufrieden mit dem Vereinsheim des TuS – besonders, wenn es draußen wieder stürmt und schneit.
Wilfred Diekert ist zufrieden mit dem Vereinsheim des TuS – besonders, wenn es draußen wieder stürmt und schneit.

Wilfred Diekert, Vorsitzender des TuS Appen, ist wütend auf die Politik / Überforderung des Ehrenamts

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26. Januar 2018, 16:16 Uhr

Wilfred Diekert nimmt kein Blatt vor den Mund. Eindeutig kritisiert er den Kreis für seine Politik, und nennt ihn den „Totengräber des Sports“. Er spricht über immer neue Auflagen, die das Ehrenamt an seine Grenzen bringen, aber auch über die immense Unterstützung seitens der Gemeinde Appen. Trotz großer Zufriedenheit mit den Gegebenheiten in Appen sagt Diekert: „Es wird immer schwieriger.“

Rund 1400 Mitglieder hat der Appener Sportverein, ein Drittel der erwachsenen Bürger und über die Hälfte der Appener Kinder nutzen laut Diekert das Angebot des Vereins. Die Verwaltungsarbeit, die dabei entsteht, sei für das Ehrenamt kaum noch zu leisten. Momentan seien im Vorstand des Appener TuS noch alle Posten besetzt. „Aber es wird immer schwieriger, Nachwuchs zu finden“, so der Vorsitzende. „Die Aufgaben werden immer komplexer, die Anforderungen immer höher“, klagt Diekert. „Man muss sich eigentlich mit allem auskennen und befassen: Arbeitsrecht, Baurecht, Vereinsrecht, manchmal sogar Strafrecht.“ Der Kreis käme mit immer neuen Vorschriften: „Jetzt müssen wir zwei neue Posten bekleiden: Seit 2018 brauchen wir auch einen Datenschutzbeauftragten, seit 2017 einen Kinderschutzbeauftragten.“ Er zeigt einen Stoß Papiere: „Dies sind die Unterlagen mit den zu beachtenden Richtlinien, die diesbezüglich wieder auf uns zugekommen sind“, sagt er. Grundsätzlich hielte er insbesondere den Kinderschutz für richtig, aber eigentlich sei das, was da drin steht, ohnehin selbstverständlich – teilweise aber auch bürokratischer Unfug. „Auf Dauer wird man nicht darum herum kommen, Leute zu bezahlen“, prognostiziert Diekert.

Schwierigkeiten habe man aber nicht nur damit, an Mitglieder zu kommen, die bereit sind, sich ehrenamtlich im Verein zu engagieren, sondern auch der Zugang zu den Jugendlichen sei erschwert. „Wir haben im Ort ja nur eine Grundschule. Danach verteilen sich die Jugendlichen auf viele verschiedene Schulen“, erläutert er. Dort seien sie auch in den Nachmittag hinein beschäftigt. „Das Konzept, Schule und Verein miteinander zu verknüpfen, funktioniert für uns nicht – denn unsere Kinder verlassen nach der vierten Klasse eben schulisch gesehen den Ort und sind dann ausgelastet. Mit 13 oder 14 verlieren wir viele.“ Das sei nicht nur für den Verein ein Problem: „Ob das für die Gesellschaft gut ist, bleibt dahingestellt.“ Inklusion und Integration, das müsse nicht unbedingt nur von der Schule geleistet werden: Das könne kaum eine Institution so gut umsetzen wie Sportvereine: Flüchtlinge beispielsweise trainieren kostenfrei im TuS, knüpfen so Kontakte, die nicht sprachlastig sind.

Dabei seien die Förderungen des Kreises kleiner als es in den Reden der Politiker anmute. 456 Euro Jugendpflegemittel bekäme der Verein im Jahr – bei 693 sportausübenden Kindern. „Das überhaupt noch zu erwähnen, ist eigentlich eine Frechheit,“ schimpft Diekert.

Zufrieden und dankbar sei er aber mit der Aufmerksamkeit der Gemeindepolitiker. „Die geben im Jahr über 300 000 Euro für uns aus.“ Bei der Gemeindepolitik möchte Diekert sich bedanken. „Zu unserem sozialverträglichen Angebot trägt die Gemeinde erheblich bei. Dank ihr bin ich mit dem, was wir hier haben mehr als zufrieden. Über die Kommune kann man sich in keiner Weise beschweren.“

Auch freut sich Diekert über die Restauration im Vereinsheim, die seit ungefähr zweieinhalb Jahren auf dem TuS-Gelände betrieben wird. „Das ist sehr erfreulich. Das Lokal wird vorbildlich geführt. Alle Abteilungen kommen da zusammen. So haben wir ein richtig reges Vereinsleben.“

>Nächste Woche: Heidi Guhr, Vorsitzende des Kummerfelder Kulturkreises (KuKuK)

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