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Präsentismus im Kreis Pinneberg : Krank arbeiten ist falscher Ehrgeiz

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Präsentismus schadet den Unternehmen. Der Grund ist, dass Angestellte um ihren Job fürchten.

shz.de von
erstellt am 31.Jan.2016 | 11:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Husten, laufende Nasen, Fieber oder Durchfallinfektionen: Die Erkältungswelle hat derzeit viele Menschen erwischt.  In Büros, auf Baustellen oder in Kindergärten fallen Angestellte aus. Doch auf der anderen Seite gibt es Arbeitnehmer, die sich krank zur Arbeit schleppen – mit Folgen für die Angestellten und das Unternehmen selbst. Präsentismus kann Unzufriedenheit in der Belegschaft und Imageschäden für die Firma nach sich ziehen. „In der Regel ist Präsentismus eine Folge von einer in Teilen ‚kranken‘ Unternehmenskultur“, sagt Personalberater Andreas von Studnitz.

Die aktuellsten Zahlen zum Präsentismus finden sich im sogenannten Stressreport der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin von 2012. 36 Prozent der Befragten gaben an, sie seien im Jahr zuvor zur Arbeit gegangen, obwohl sie krank gewesen seien. Ein Grund dafür ist laut von Studnitz „Einsatzbereitschaft aus Angst“: Aus Angst um den Job oder vor Nachteilen im Arbeitsalltag würden sich kranke Angestellte auf den Bürostuhl begeben. Die Folge sind mehr Fehler bei den Betroffenen sowie Kollegen, die angesteckt werden und ausfallen – womit sich der Schaden für das Unternehmen noch steigert. Und: Die Vertretung sei einer noch höheren Belastung ausgesetzt. „Eine Spirale die sich endlos weiterdreht“, sagt von Studnitz, der für viele Unternehmen in ganz Deutschland tätig ist.

Wenn dann ein Angestellter kündigt und sich das wiederholt,  kann es sogar zu einem Imageschaden für das Unternehmen kommen. Über soziale Netzwerke erreicht die Information über das vermeintlich schlechte Arbeitsklima neue Bewerber und schreckt diese ab. Die Folgen: nicht gedeckter Personalbedarf. „Die Menschen fallen nicht vom Himmel“, macht es von Studnitz deutlich.

Probleme „von oben lösen“

Auch Führungspersonal kann unter Präsentismus „leiden“. Chefs oder Vorgesetzte halten dann ihre Mitarbeiter durch Überpräsenz klein. „Wer alles zur Chefangelegenheit erklärt, läuft Gefahr selbst Fehler zu machen und nimmt den Mitarbeitern die Chance selbst zu wachsen“, erläutert von Studnitz. „Alles zusammen kann nicht im Interesse von Unternehmen sein“, sagt von Studnitz. Der Personalberater ist der Meinung, dass das sich nur „von oben lösen“ lasse.

Von Studnitz rät dazu, dass sich Führungspersonal für das Thema sensibilisiert. „Mitarbeiter sollten auch zur Ruhe kommen“, sagt von Studnitz. Mitarbeiter die gehäuft Überstunden machen oder krank zur Arbeit erscheinen, sollten  angesprochen werden und gegebenenfalls nach Hause beziehungsweise zum Arzt geschickt werde. „Kontrollieren und Durchgreifen ist die einzige Möglichkeit“, sagt von Studnitz. Das gelte laut dem Personalberater für alle Hierarchieebenen. Studnitz nennt ein Beispiel aus Schweden: Ein Büro schließt um 17.30 Uhr, selbst der Generaldirektor muss Feierabend machen – der Sicherheitsdienst verweist jeden des Hauses.

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