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Kreis Pinneberg : Kooperation zwischen Kreisberufsschule und Deutsch-Iranischem Akademikerbund

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Flüchtlingen die Perspektiven zeigen - viele Migranten kennen die dualen Ausbildungen nicht.

shz.de von
erstellt am 28.Jan.2016 | 14:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Duale Ausbildung, schulische Ausbildung, Studium – in Deutschland führen mehrere Wege zu einer abgeschlossenen Berufsausbildung. Für die etwa 170 jugendlichen Flüchtlinge, die derzeit die Kreisberufsschule in Pinneberg besuchen, ist das deutsche Ausbildungssystem oft kompliziert. Damit die jungen Menschen ihre Möglichkeiten kennenlernen und eine Perspektive entwickeln können, ist die Kreisberufsschule eine Kooperation mit dem Deutsch-Iranischen Akademikerbund eingegangen. Dieser organisierte gestern ein Bildungsforum für die jungen Flüchtlinge, bei dem das deutsche Schulsystem und die Ausbildungsmöglichkeiten in Deutschland von Vertretern des Instituts für Qualitätssicherung an Schulen und von Vertretern der Arbeitsagentur vorgestellt wurden. Für die Schüler, die noch nicht so gut Deutsch können, waren zudem zwei Dolmetscher dabei, die synchron auf Arabisch und auf Farsi übersetzten.

Professor Kamyar Sarshar, Vorsitzender des Deutsch-Iranischen Akademikerbunds, berichtete, dass die Organisation sich zum Ziel gesetzt habe, junge Migranten auf ihrem Bildungsweg zu unterstützen. „Durch das Bildungsforum sollen die Flüchtlinge die Möglichkeiten in Deutschland möglichst früh kennen lernen, damit sie eine Motivation haben, Deutsch zu lernen“, sagte Sarshar. In den Herkunftsländern sei oft unbekannt, dass es in Deutschland eine duale Ausbildung gebe. „Deshalb haben viele Schüler als einziges Ziel ein Studium, obwohl eine Ausbildung viel besser zu ihnen passen würde“, sagte Antje Reese, die an der Kreisberufsschule die Abteilung Berufsvorbereitung leitet. Dieses konnte auch Sarshar bestätigen: „Das ist bei den Iranern in Deutschland nicht anders. Eine kürzlich veröffentlichte Studie hat gezeigt, dass ein Viertel von ihnen einen Studienabschluss hat, aber etwa 43 Prozent haben gar keine Ausbildung. In vielen Familien ist dieses System nicht bekannt“, sagte er.

Der 18-jährige Louay Alshemeh ist einer der Schüler, die gestern an der Veranstaltung teilgenommen haben. „Ich fand es sehr gut, weil wir nicht wissen, was wir machen können, wenn wir mit der Schule fertig sind“, sagte er. Seit dreieinhalb Monaten lebe er in Deutschland. In seiner Heimat Syrien habe er einen Schulabschluss gemacht, der ihm als Realschulabschluss anerkannt wurde. Jetzt suche er ein Gymnasium, das er ab dem kommenden Schuljahr besuchen kann. „Ich möchte Bauingenieur werden, dafür muss ich studieren“, erläuterte er seine Pläne.

Das Bildungsforum ist eine der Veranstaltungen, die der Deutsch-Iranische Akademikerbund organisiert. „Wir besuchen auch Schulen mit hohem Migrationsanteil und stellen dort, als Migranten, unsere Berufe vor“, berichtete Sarshar. Er selbst sei Professor für Wirtschaftsinformatik an der Hamburg School of Business Admini- stration, aber es gebe unter den Mitgliedern auch Ärzte, Chemiker oder Architekten. Zudem habe die Organisation einige Bildungspatenschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge übernommen. „Diese Patenschaften bestehen immer zwischen einem Jugendlichen und einem unserer Mitglieder, das dem jungen Menschen hilft, sein berufliches Ziel zu erreichen“, erläuterte Sarshar. Die Kooperation zwischen Deutsch-Iranischem Akademikerbund und Kreisberufsschule soll ausgebaut werden. „Wir wollen alle zwei Monate eine Veranstaltung anbieten“, kündigte Reese an.

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