Regionale Wirtschaft : Konzern kauft Wedeler Müllfirma

Remondis Nord übernimmt das Wedeler Unternehmen Optisys mit Sitz am Kronskamp. Die Staatsanwaltschaften ermitteln derweil gegen Mitarbeiter aus dem Bötel-Recycling-Firmennetz.

shz.de von
05. Januar 2018, 16:00 Uhr

Wedel | Die Remondis Nord GmbH mit Sitz in Melsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) hat zum 2. Januar die Wedeler Optisys GmbH übernommen. Bisher gehörte der Entsorger am Kronskamp zum Firmengeflecht der Unternehmerfamilie Bötel, die immer wieder in die Schlagzeilen geriet. Die Wedeler Firmengruppe ist auch im Visier der Staatsanwaltschaften in Itzehoe und Lübeck.

Remondis Nord gehört zur nordrhein-westfälischen Remondis-Gruppe, nach eigenen Angaben der weltweit größte Anbieter von Entsorgungsdienstleistungen. Mit der Übernahme von Optisys sichert sich der Konzern 18 Vertragsgebiete für die Abfuhr von Altglas und gelben Säcken in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. „Auch alle weiteren Geschäftsaktivitäten, Mitarbeiter und Recyclinganlagen werden von Remondis unverändert übernommen“, teilte das Unternehmen mit. Optisys sei seit 2001 über seine Muttergesellschaft Vertragspartner der Dualen Systeme, welche für den gelben Sack zuständig sind. Der Wedeler Betrieb beschäftige 70 Mitarbeiter. Geschäftsführer Michael Meißner bleibe im Amt. Unterstützt werde er von einem zweiten Geschäftsführer, Arne Oberbeck von Remondis.

Für die Bürger ändere sich mit der Übernahme nichts, teilte Anna Ephan, Pressesprecherin von Remondis, auf Anfrage mit. Im Kreis Pinneberg bleibe Optisys für die Entsorgung von Altglas zuständig. In der Vergangenheit hatte es deswegen immer wieder Ärger gegeben. Wegen verdreckter Standorte und Containern mit mangelhafter Schalldämmung hatten sich Bürger und kommunale Verwaltungen über die Unternehmen der Wedeler Gruppe beschwert.

Wird sich die Situation mit der Übernahme bessern? „Als Teil der neuen Geschäftsführung muss Remondis erst einmal den aktuellen Stand in allen Gebieten prüfen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Erst dann kann entschieden werden, ob Gebiete mit neuen Altglasbehältern ausgestattet werden oder ob eventuell Container durch Schallschutzmaßnahmen optimiert werden können“, sagte Ephan. Gleiches gelte für eine Anpassung der Leerungstouren. „Leider können wir derzeit konkret zum Kreis Pinneberg noch keine Aussagen machen“, sagte die Pressesprecherin.

Gegen Mitarbeiter aus dem Bötel-Unternehmensnetz laufen derweil Ermittlungen der Staatsanwaltschaften Itzehoe und Lübeck. Betroffen sind die Elbe Containerdienst GmbH, die Elbe Recycling GmbH und die Elbe Recycling Hohlglas GmbH. Peter Müller-Rakow, Sprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe, sagte auf Anfrage unserer Zeitung: „Die Staatsanwaltschaft hat wegen Urkundenfälschung ermittelt. Es wurde in einem Angebotsverfahren ein falsches Zertifikat vorgelegt. Die Staatsanwaltschaft hat deswegen im Juli 2017 Anklage erhoben.“ Einen Termin für den Prozess gebe es noch nicht. Außerdem gehen die Ermittler dem Vorwurf nach, dass Anlagen ohne die nötige Genehmigung betrieben würden. Im Falle einer Anklage drohen den Betroffenen bis zu drei Jahre Gefängnis.

In einem dritten Verfahren ermittelt die Staatsanwaltschaft Lübeck, schleswig-holsteinische Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte, wegen Insolvenzverschleppung. Über das Vermögen der Elbe-Recycling GmbH war bereits im April 2015 das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Es wurde im vergangenen August eingestellt – mangels Masse. Die geltend gemachten Forderungen beliefen sich auf gut 326 000 Euro. Zu verteilen waren null Euro.

Benachbarte Betriebe der Recyclinganlage am Kronskamp hatten sich um die Jahreswende 2016/2017 massiv über Ratten, Möwen, Fliegen und die dort gelagerten Müllmengen beschwert, wie Wedels Bürgermeister Niels Schmidt (parteilos) auf Anfrage sagte. Die Stadt habe deshalb die Bekämpfung der Schädlinge veranlasst und das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) als zuständige Aufsichtsbehörde eingeschaltet. Laut Schmidt hat das LLUR eine Reduzierung der Müllmenge angeordnet.


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