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Täter-Opfer-Ausgleich im Kreis : Konfliktlösung im Gespräch

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Deutschlandweit einmaliges Projekt des Vereins Jugendhilfe in Pinneberg: Ziele sind Aufarbeitung und Wiedergutmachung.

Körperverletzung, Erpressung, Bedrohung, Nötigung – sind die beteiligten Täter und Opfer noch Jugendliche, wird bei der Bestrafung vor allem ein erzieherisches Ziel verfolgt. Eine Möglichkeit, nach einer solchen Straftat eine außergerichtliche Einigung zu erzielen, ist der sogenannte Täter-Opfer-Ausgleich. Dabei werden Beschuldigte und Geschädigte zusammengeführt, um im Gespräch unter Mediation einer Sozialpädagogin nach einer Lösung zu suchen. Im Kreis Pinneberg wurde dieses Konzept nun, deutschlandweit einmalig, ergänzt: Beim erweiterten Täter-Opfer-Ausgleich des Vereins Jugendhilfe in Pinneberg wird in dieses Gespräch auch das persönliche Umfeld mit einbezogen.

Nach einem Modellprojekt in Elmshorn ist die Staatsanwaltschaft Itzehoe auf den Verein zugekommen. „Daraufhin haben wir ein Konzept erstellt und beim Justizministerium einen Antrag eingereicht“, berichtet Heike Ritt, Geschäftsführerin des Vereins Jugendhilfe. Im Mai dieses Jahres wurde er bewilligt. Seitdem wurden 26 Fälle in Pinneberg betreut. Mit Erfolg: „Wir haben eine erste Auswertung vorgenommen. Alle Beteiligten zeigten sich zufrieden.“

Das persönliche Umfeld der Täter und Opfer soll bei dem Gespräch eine neutrale Position einnehmen. Das können nahestehende Personen wie Eltern und Freunde sein. „Sie sind auch dafür da, im Anschluss an das Gespräch ein besonderes Augenmerk auf die getroffenen Vereinbarungen zu haben“, sagt Angela Nöthe. Die 27-jährige Sozialpädagogin ist für die Mediation der Gespräche zuständig. Die Angehörigen sollen aufzeigen, wie es ihnen nach der Tat ging – auch, um den Beschuldigten die Folgen ihres Handelns zu verdeutlichen.

Die Gespräche kommen auf unterschiedliche Weise zustande: So können sich etwa Staatsanwaltschaft, Gericht und auch Täter sowie Opfer an den Verein wenden. Manchmal wollen die Beteiligten eine Verhandlung vermeiden und eine außergerichtliche Lösung finden. „Für viele Opfer ist es wichtig, eine Tat aufzuarbeiten“, sagt Ritt. Es gehe in den Gesprächen dann auch darum, zu erfahren, warum das Opfer ausgesucht wurde.

„Dem Geschädigten geht es dabei oftmals nicht um Rache. Der Täter soll etwas daraus lernen – und sich bei seinem Opfer etwa persönlich entschuldigen“, fügt Mediatorin Nöthe hinzu. Sie übernimmt dabei die Gesprächsführung, verhält sich allparteilich. „Das heißt, dass ich keine Wertungen der Aussagen vornehme, aber schon die Schwächen einer unterlegenen Partei im Zweifelsfall ausgleiche“, sagt Nöthe.

So läuft ein Ausgleichsgespräch zwischen Tätern und Opfern

Wird der erweiterte Täter-Opfer-Ausgleich von Staatsanwaltschaft, Polizei oder der Jugendgerichtshilfe  gewünscht, werden die Beteiligten kontaktiert. „Meist reagieren beide Seiten positiv. Im Falle der Geschädigten sind dies etwa 80 Prozent, bei den Beschuldigten mehr“, berichtet Sozialpädagogin Angela Nöthe.

Sie führt dann getrennte Vorgespräche mit den Beteiligten, um sie kennenzulernen und einschätzen zu können. „Ich beantworte dabei erste Fragen und informiere sie – auch über die Möglichkeit, Unterstützer aus ihrem Umfeld zu dem Gespräch mitzubringen. Kommt das Treffen zustande, schildern Täter und Opfer aus ihrer Sicht den Ablauf der Tat. „Dann gehen wir tiefer, um den Ursprung des Konflikts aufzuarbeiten“, sagt Nöthe.

Alle Beteiligten werden dazu aufgefordert, konstruktiv an einer Konfliktlösung mitzuwirken. Die Beteiligten aus dem Umfeld der Täter und Opfer sollen im Gespräch nicht noch den Konflikt befeuern – sie sollen die Folgen der Tat aus ihrer Sicht schildern und so dem Täter verdeutlichen, was sein Handeln bewirkt hat.

Im Anschluss werden gemeinsam Lösungsmöglichkeiten entwickelt. „Die kann beispielsweise eine Entschuldigung des Täters sein“, sagt Nöthe. Es gibt auch materielle Wiedergutmachung: etwa Geld oder Kinokarten. Auch sind  Auflagen möglich: „Dies kann zum Beispiel eine Suchtberatung oder ein Anti-Aggressionstraining sein“, sagt Nöthe. Diese Vereinbarungen werden dann schriftlich festgehalten und sollen von den Unterstützern überwacht werden. Die Mediatorin schreibt dann einen Abschlussbericht an die zuständige Stelle.

Jugendhilfe e.V.

Der Verein für Jugendhilfe Pinneberg ist ein gemeinnütziger Verein. Seit 40 Jahren unterstützt er Kinder, Jugendliche und Familien in schwierigen Lebenslagen. Dabei sind Integration, Mitbestimmung und Hinführung zur Eigenverantwortung und Selbständigkeit die obersten Ziele des kreisweit tätigen Vereins.

Adresse: Fahltskamp 1, 25421 Pinneberg

Sozialpädagogin Angela Nöthe ist unter folgender Telefonnummer erreichbar: 

(04101) 3742493

E-Mail: e-toa@ju-pi.de

www.ju-pi.de

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erstellt am 25.Okt.2013 | 16:00 Uhr

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