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Abhörsicher und ohne Rauschen : Kommunen und Kreis investieren mehr als 1,5 Millionen Euro in den Digitalfunk

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Umstellung auf den digitalen Funk soll im August dieses Jahres abgeschlossen sein.

Kreis Pinneberg | Nachdem sich der Start des Digitalfunks seit 2006 immer wieder verzögert hat, stehen die Feuerwehren im Kreis Pinneberg nun in den Startlöchern. Während der kommenden Monate sollen sie die neuen Geräte bekommen. Die Einführung des Digitalfunks kostet etwa 1,6 Millionen Euro.

Digitalfunk bietet durch seine Verschlüsselung eine höhere Abhörsicherheit gegenüber anderen Funkwegen. Das ist besonders für die Polizei wichtig, denn für Rettungskräfte ist die Sprach- und Verbindungsqualität wichtig. Auch die Reichweite ist größer.

„Zuerst waren die Katastrophenschutzeinheiten des Kreises dran. Seit Dezember des vergangenen Jahres werden auch die Feuerwehren der Kommunen beliefert“, sagt Olaf Hahn, der beim Kreisfeuerwehrverband für den Funk zuständig ist. Die Einsatzkräfte in Halstenbek, Schenefeld, Kummerfeld, Prisdorf und Appen kommunizierten bereits digital. Als nächstes seien Wedel und die Marschgemeinden an der Reihe. Bis August sollen auch die übrigen 45 Feuerwehren im Kreis Pinneberg neue Technik bekommen. Hinzu kommen mittelfristig drei private Unternehmensfeuerwehren.

Zahlenmäßig ist damit etwa ein Drittel der 1900 Einheiten verteilt. Es gibt Handgeräte, Geräte für den Einbau im Fahrzeug und Festgeräte für die Wachen. „Die Schulungen gehen gut voran. Nach anfänglicher Skepsis unter den Kameraden sind die Rückmeldungen inzwischen positiv“, sagt Hahn. Ein wesentlicher Unterschied in der Handhabung sei die Priorisierung beim Sprechen. „Der Funkende muss warten, bis er sprechen kann. Überlagerungen von mehreren Sprechern wie beim Analogfunk sind damit ausgeschlossen“, sagt Hahn.

Ralf Huckfeld, stellvertretender Wehrführer in Prisdorf, hat die neue Technik mit seinen Einsatzkräften bereits getestet. 29 Geräte hat die Feuerwehr übernommen. Der Einbau in die vier Einsatzwagen ist abgeschlossen. „Wir funken seit drei Wochen digital“, sagt er. Die Analogtechnik bleibt jedoch bis auf weiteres ebenfalls in Gebrauch. Es ist ein reduntantes System, also ein Ersatznetz während der Erprobungsphase. Ihre Bewährungsprobe im Ernstfall hat die Technik bei den Prisdorfern noch vor sich. „Bisher haben wir sie nur während unserer Übungen verwendet“, sagt Huckfeld.

Ein Vorteil des Digitalfunks sei die Verschlüsselung. „Der Digitalfunk ist abhörsicher. Das ist besonders für die Polizei wichtig“, sagt Hahn. Für Rettungskräfte ist die Sprach- und Verbindungsqualität wichtig. „Die Verbindungen in Gebäude hinein werden besser sein. Außerdem filtert das System Stimmen und schließt störende Nebengeräusche aus.“

Größere Reichweite

Hahn erinnert sich an Erfahrungen der Polizei. „Die standen beim Festival in Wacken neben den Boxen und konnten in der Zentrale trotzdem verstanden werden.“ Auch die Reichweite sei größer. „Der Digitalfunk funtoniert wie ein Handynetz mit unterschiedlichen Zellen. Ich könnte problemlos mit Kräften in München sprechen“, sagt Hahn.

Doch einen Nachteil gebe es auch. „Wenn die Qualität der Verbindung doch mal schlechter wird, bricht der Kontakt komplett ab. Im Analogfunk kann man mit Rauschen wenigstens noch einen Teil verstehen“, sagt Huckfeld.

Die Einführung des Digitalfunks im Kreis Pinneberg kostet etwa 1,6 Millionen Euro. 1,1 Millionen Euro entfallen auf die Geräte, etwa eine halbe Million Euro auf den Einbau in die Fahrzeuge. In der Regel müssen die Kommunen die Kosten für ihre Feuerwehr übernehmen. Aus einem Topf mit Geld aus der Feuerschutzsteuer können sie einen Zuschuss von etwa einem Drittel beantragen.

Parallel zu den Feuerwehren stellt auch die Rettungsdienstkooperation Schleswig-Holstein (RKISH) mit Hauptsitz in Heide ihre Technik um. Bis zum Jahresende sollen die mehr als 110 Rettungswagen mit den neuen Geräten ausgestattet sein. Die Landespolizei hat das bereits hinter sich. Nach anfänglichen Problemen funkt sie digital. Das Netz in Schleswig-Holstein steht.

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erstellt am 16.Mär.2016 | 14:00 Uhr

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