Glosse : Kommunalwahl: Die peinlichen Plakat-Patzer der Parteien im Kreis Pinneberg

Wahlplakate im Kreis Pinneberg: Manchmal geht's daneben.

Wahlplakate im Kreis Pinneberg: Manchmal geht's daneben.

Achtung, Satire! Unsere Autorin analysiert die amüsantesten Ausrutscher im aktuellen Kommunalwahlkampf.

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03. Mai 2018, 16:30 Uhr

Kreis Pinneberg | Es ist wieder Saison. Nein, nicht Bärlauch-Saison oder Spargel-Saison, sondern viel aufregender: Parolen-Saison. Denn die Kommunalwahl am nächsten Sonntag zwingt die Parteien mal wieder dazu, sich zu erklären. Wofür stehen wir? Was wollen wir? Um was wollen wir uns kümmern? Antworten darauf finden sich an jeder Straßenlaterne, wo Wahlplakate versuchen, die Forderungen und Glaubenssätze der einzelnen Parteien auf den Punkt zu bringen. Doch nicht immer gelingt das und so manch eine Plakatwerbung hinterlässt mehr Fragen als Antworten.

Eine U-Bahn für Elmshorn?

So lässt die Elmshorner CDU die Bürger per Plakatwerbung wissen: Wir haben einen Plan: Glasfaser für alle. Eine schöne Forderung, die die CDU mit Kabeln visualisiert. Nur: Das Bild zeigt gar keine Glasfaserkabel, sondern herkömmliche Kupferkabel an einem Server-Rack. Ob das Eingangssignal via Glasfaser oder noch per Modem kommt, lässt sich aus dem Bild so wenig erschließen wie die Temperatur beim Blick in die finstere Nacht. Auch bei dem CDU-Plakat „Sicherheit und Sauberkeit für die Stadt“ ist das Bild schief. Es zeigt zwei Polizisten vor einer U-Bahn – die natürlich nicht in Elmshorn fährt. Hier fahren ja nicht einmal Züge regelmäßig ...

Das Bild zeigt gar keine Glasfaserkabel, sondern herkömmliche Kupferkabel an einem Server-Rack.
Daniela Lottmann

Das Bild zeigt gar keine Glasfaserkabel, sondern herkömmliche Kupferkabel an einem Server-Rack.

 

Auch die SPD hat nicht immer ein gutes Händchen, wenn es darum geht, Botschaften stimmig zu vermitteln. So stehen im Stadtgebiet Elmshorn Plakate, die auf eine Veranstaltung hinweisen. „Gute Pflege“ steht da in fetten Lettern. Darüber ist das Porträt vom Bundestagsabgeordneten Ernst Dieter Rossmann zu sehen – manchmal ergänzt durch einen Info-Kasten, manchmal allerdings auch ohne Namen und Hinweis auf seine Abgeordnetentätigkeit. Wer Rossmann nicht kennt, wird deshalb wohl nur einen älteren Herren wahrnehmen, der für Verbesserungen in der Fürsorge wirbt – und vielleicht denken, dass dieser freundlich dreinschauende Mann eigentlich auch gute Pflege verdient.

Bloß nichts wegschmeißen

Wer muss hier gepflegt werden?
Daniela Lottmann

Wer muss hier gepflegt werden?

 

Zumindest wird bei der SPD das Thema aber klar. Weniger konkret werben Bündnis 90/Die Grünen. Auf ihrem Plakat steht geschrieben: Sumsum statt Blabla. Liebe Grünen, hier eine Gegenfrage: Plemplem? Wählen dürfen Bürger bei der Kommunalwahl ab 16 Jahre – dem Kindergarten sind die meisten da schon lange entwachsen. Aber viel bitterer für die Partei ist, dass ihr eigentliches Lieblingsthema Ökologie in diesem Wahlkampf vom politischen Gegner gekapert wurde – und zwar ausgerechnet von der AfD. Diese ließ im Kreisgebiet nämlich Plakate mit der Aufschrift „Ordnung statt Rot-Grün-Chaos“ aufhängen. Welches Rot-Grün-Chaos sie jedoch genau meinen, ist nicht klar. Den Bundestag? Den Landtag? Wann hat die AfD eigentlich das letzte Mal Nachrichten gesehen? Eine Netzrecherche ergibt, dass das Plakat eigentlich aus dem Wahlkampf zur Landtagswahl im Frühjahr 2017 stammt. Richtig so, liebe AfD: Müll vermeiden und die Plakate einfach noch mal benutzen, selbst wenn die Inhalte längst überholt sind. Ein paar eurer Parolen stammen ja auch von vor 1945 ...

Ein Wahlplakat der AfD.
Daniela Lottmann

Ein Wahlplakat der AfD.

Mit noch einem Plakat ist die AfD aufgefallen. „Freie Fahrt statt Stau“ ist darauf zu lesen. Ja gut, Staus sind wirklich eine blöde Sache. Aber wie will die AfD vom Pinneberger Kreistag aus die Sache in den Griff kriegen? Baustellen verbieten? Oder Unfälle auf der Autobahn unter Strafe stellen? Man darf sich schon auf den nächsten Wahlkampf freuen, wenn die AfD andere nichtssagende Slogans auf ihre Plakate drucken lässt. „AfD gegen Fußpilz“ zum Beispiel. Oder einfach nur „Kikeriki“.

Katastrophenstimmung bei den Linken?
Daniela Lottmann

Katastrophenstimmung bei den Linken?

Womit man bei den völlig abgedrehten Wahlkampfplakaten wäre – und damit bei den Linken. Die nutzen die Kommunalwahl nämlich, um Katastrophenstimmung zu verbreiten. Alles geht den Bach runter, deswegen druckte die Partei Plakate mit der Parole „Frauen und Kinder zuerst“. Da fällt einem nicht mal die dümmste Pointe ein.

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