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„Wichtig ist Lebenszufriedenheit“ : Kommt das Schulfach „Glück“?

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Diplom-Soziologe Dominik Dallwitz-Wegner stellt in Halstenbek das Schulfach „Glück“ und dessen Auswirkungen auf Schüler vor.

Halstenbek | „Glück ist kein Thema, über das man wirklich aufklären kann, sondern etwas, was man selbst erfahren muss. Bücher darüber lesen, bringt nichts“, sagte Diplom-Soziologe Dominik Dallwitz-Wegner in der Grundschule Bickbargen in Halstenbek. Der gebürtige Mannheimer, der mittlerweile in Hamburg lebt, entwickelte 2007 die „Glücksakademie“, initiierte und moderierte eine Konferenz über Glücksforschung und war Mitgründer und Leiter des Fritz-Schubert-Instituts (FSI), das das Schulfach „Glück“ im deutschsprachigen Raum verbreitet. Mittlerweile wird „Glück“ bundesweit an 100 Schulen unterrichtet oder fließt – wie in Halstenbek – in den Unterricht ein.

Das Fritz-Schubert-Institut verbreitet das Schulfach "Glück" in Deutschland. An rund 100 Schulen wird es bereits unterrichtet. Durchschnittlich sei die Hälfte der Schüler in einer Klasse glücklich. Studien sollen belegen, dass die Anzahl der Glücklichen unter Glücksschülern von 50 auf 70 Prozent steigt, während die Anzahl der Glücklichen, die nicht an dem Unterricht teilnehmen, bei 50 Prozent stagniert oder sogar sinkt.

„Es ist wichtig, ein gutes Lernklima zu schaffen und die Schüler fit zu machen für ihren weiteren Lebensweg“, sagte Sabine Stute-Meißner, die 2012 an einer Schulung des „Glücksmentors“ teilnahm und seit 2014 aktiv in den Philosophie-Unterricht einfließen lässt. „Die Schüler sollen Stärken erkennen und sich Ziele setzen“, sagte Stute-Meißner.

Durchschnittlich sei die Hälfte der Schüler in einer Klasse glücklich. „Es ist durch Studien bewiesen, dass die Anzahl der Glücklichen unter Glücksschülern von 50 auf 70 Prozent steigt, während die Anzahl der Glücklichen, die nicht an dem Unterricht teilnehmen, bei 50 Prozent stagniert oder sogar sinkt“, erläuterte Dallwitz-Wegner aktuelle Forschungen. Langzeitforschung gäbe es derzeit noch nicht.

Doch was ist eigentlich Glück? „Das ganze Thema wird für mich immer einfacher zu verstehen. Glück ist, wenn man sich glücklich fühlt“, sagte Dallwitz-Wegner. Auch wenn Glück sehr individuell sei und auch die Auslöser unterschiedlich seien, lasse es sich in zwei Bereiche unterscheiden: enthusiastische Freude, also kurze Glücksmomente, und mit sich selbst eins sein, die langfristige Form des Glücks. „Wir können uns an fast alles gewöhnen, auch an gute Dinge. Das ist schlecht für unser Glück“, sagte Dallwitz-Wegner. Wie bei einem Süchtigen seien immer stärkere Glücksmomente notwendig, um die enthusiastische Freude zu erleben. „Man müsste die Dosis ständig erhöhen und etwas Neues und mehr suchen“, sagte der Glücksforscher und mahnte: „Wir wollen keine Glückssucht. Wir wollen nicht den ständigen Glücksmoment. Punktuell ja, aber nicht ständig. Wichtig ist eine Lebenszufriedenheit.“ Diese entstehe durch Verbundenheit, Harmonie, Herzlichkeit. Dallwitz-Wegners einfach Formel: „Glücksmomente und Lebenszufriedenheit ergeben ein glückliches Leben.“ 

Die Puzzleteile zum Glück

Geld sei nur ein Puzzleteil, um glücklich zu sein. „Studien zeigen, dass ab einem Jahreseinkommen von etwa 20.000 US-Dollar Geld keine Rolle mehr spielt“, sagte Dallwitz-Wegner. Dies entspräche etwa 17.700 Euro. „Kein Geld haben macht unglücklich, aber es ist kein Auslöser für Glück“, sagte der Soziologe. „Gemeinsam sinnvolle Ziele erreichen und dabei Spaß haben“, beschrieb Dallwitz-Wegner den Weg zum Glück, den er in Schulen und Unternehmen predige. „Wenn wir uns ernsthaft damit beschäftigen – und das heißt nicht, ein Buch lesen, können wir es trainieren.“ Insgesamt 156 Stunden dauert die Weiterbildung Schulfach „Glück“, für die Dallwitz-Wegner vor den 14 Zuhörern warb. Die Kosten für die Ausbildung: 2.400 Euro. „Leider sind wir noch nicht anerkannt“, sagte Dallwitz-Wegner. Daher müsste die Ausbildung oft selbst finanziert werden.

Aber muss man unbedingt glücklich sein? Dallwitz-Wegner schüttelte den Kopf: „Nein. Wir müssen gar nichts. Muss ist nur ein Wort. Rhetorik. Man sollte niemanden zu etwas zwingen.“ Ist Glück wirklich lernbar? Auf die Frage nickte der Dozent zustimmend: „Natürlich. Menschen funktionieren alle auf ähnliche Art und Weise. Es ist egal, ob es Kinder, Jugendliche oder Erwachsene sind. Nur die Herangehensweise ist anders.“

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erstellt am 16.Feb.2016 | 10:00 Uhr

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