Kreis Pinneberg : Kommt ab Januar das Chaos in die Arztpraxen?

Patienten, die keine neue Karte nicht besitzen, müssen Arztrechnungen aus eigener Tasche bezahlen.
Patienten, die keine neue Karte nicht besitzen, müssen Arztrechnungen aus eigener Tasche bezahlen.

Ohne elektronische Gesundheitskarte werden Behandlungen für Versicherte in Zukunft teuer.

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10. Dezember 2014, 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Sie ist so groß wie eine der vielen Rabattkarten der Einkaufsmärkte: die neue elektronische Gesundheitskarte (eGK). Vom 1. Januar an ist sie Pflicht für gesetzlich Krankenversicherte. Doch noch haben sie nicht alle. Das kann teure Folgen haben: Patienten, die sie nicht besitzen, müssen Arztrechnungen aus eigener Tasche bezahlen.

Wer sich beispielsweise in der Silvesternacht beim Böllern verletzt, auf den kann beim anschließenden Arztbesuch weiterer Ärger zukommen: Denn vom 1. Januar an haben die alten Krankenversichertenkarten ausgedient. Sie können nicht einmal mehr eingelesen werden.

Dennoch haben nach Schätzungen des Elmshorner Arztes Johannes Puchner bis zu zehn Prozent der Versicherten noch keine eGK. Florian Unger, Sprecher des Verbands der Ersatzkassen in Schleswig-Holstein, geht nur von maximal drei Prozent aus. „Einige haben das verschlafen“, sagt er. Denn bekannt sei die Einführung der Karte seit langem.

Die neue Karte ist mit einem Lichtbild ausgestattet, unter anderem, um Missbrauch vorzubeugen. Es können aber auch patientenbezogene Daten gespeichert werden. Das passe einigen nicht, fügt Unger an. „Die Karte ist gesetzlich vorgeschrieben, wie der Personalausweis. Verweigerer müssen dann eben selbst zahlen.“ Bedenken von Ärzten, vor allem in Altenheimen hätten viele Bewohner die eGK noch nicht, zerstreut Sebastian Kimstädt, Sprecher der Regio-Kliniken, die zwei Heime führen: „Bei uns ist alles in Ordnung.

Notversorgung gewährleistet

Wer allerdings nur versäumt hat, sich rechtzeitig die neue Karte zu besorgen, kann das noch nachholen. Reicht der Patient spätestens zehn Tage nach der Behandlung die neue Karte nach, bekommt er auch keine Rechnung vom Arzt. Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung muss der Doktor Patienten, die keine eGK vorlegen, allerdings nur dann behandeln, wenn die Behandlung „nicht verschiebbar ist“.

„Es kann zu Problemen kommen. Wir wissen, dass noch nicht alle Versicherten eine Karte haben“, sagt auch Marco Dethlefsen, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein. Denn die Versicherten müssen sich selbst um die Karte bemühen und zusehen, dass ihre Gesundheitskasse ein Foto von ihnen bekommt.

Ganz entspannt beurteilt hingegen Jens Kuschel, Sprecher der AOK Nordwest, die Lage. „Bei uns haben nahezu alle Kunden die elektronische Gesundheitskarte.“ Und wer noch kein Foto abgegeben habe, könne in jeder AOK-Geschäftsstelle kostenlos eines von sich machen lassen. „Einfach nach dem Besuch des Weihnachtsmarkts kurz vorbeikommen“, sagt Kuschel. „Aber ohne Weihnachtsmannmütze.“

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