zur Navigation springen

Grabkultur in Pinneberg : Kolumbarien liegen voll im Trend

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Weil die Entwicklung zur Feuerbestattung geht, setzt die Luther-Kirchengemeinde jetzt auf Urnenstelen.

shz.de von
erstellt am 27.Feb.2015 | 10:00 Uhr

Pinneberg | Sie sind aus Juparana, einem Granitstein, und hochwertig verarbeitet. Ihre klassische Form erinnert an die Antike. Kein Wunder: Der Ursprung von Kolumbarien liegt im alten Rom. Die ältesten bislang entdeckten Kolumbarien stammen aus den ersten Jahrhunderten nach Christus. Vor allem in südlichen Ländern sind sie heute ein Bestandteil der Begräbniskultur.

Doch nun sind die Urnenstelen auch immer öfter auf unseren heimischen Friedhöfen zu sehen. Als Erste in Pinneberg und Umgebung setzt die Lutherkirchengemeinde, die 4600 Gemeindemitglieder zählt, nun auch darauf.

„Immer mehr Menschen entscheiden sich vor ihrem Tod für eine Feuerbestattung“, sagt Friedhofsverwalter Hemming Hachmann-Thießen. Von etwa 140 Bestattungen jährlich in der Gemeinde sind 80 bereits Urnenbestattungen. Tendenz steigend. Deswegen ist auf dem Friedhof im Kirchhofsweg jetzt ein Kolumbarium errichtet worden. Bislang wurden dort die Urnen unter den freien Grabstellen bestattet. Bei dem Kolumbarium auf der Pinneberger Ruhestätte handelt es sich um ein neues oberirdisches Bauwerk, bestehend aus zehn Urnenstelen für 25 Kammern, in denen jeweils zwei Urnen beigesetzt werden können. Somit fällt die Pflege wie bei einem Grab mit Blumen und Pflanzen weg. 1800 Euro kostet diese Art der Bestattung.

„In unserer Gesellschaft gibt es immer mehr Singles und auch Familien, bei denen die Angehörigen nicht mehr im Ort leben. Sie könnten sich deshalb nicht angemessen um die Grabpflege kümmern. Dafür bieten hochwertige Urnenkammern eine willkommene Alternative“, sagt Liselotte Hensel, Vorsitzende des Friedhofsausschusses. Deswegen stieß der Vorschlag der beiden Pastoren der Gemeinde, Harald Schmidt und Martje Brandt, bei ihr auch auf offene Ohren. Allerdings stellt Pastor Schmidt klar: „Wir wollen mit dem Kolumbarium einer anonymen Bestattung entgegenwirken.“ Die Namen der Verstorbenen und die Lebensdaten werden auf Metallplatten graviert und an einer Stele befestigt. Wer will, hat die Möglichkeit, auf einer kleinen Fläche vor der Steele Blumen oder persönliche Erinnerungsstücke abzulegen. Feuerbestattungen sind mit dem christlichen Glauben durchaus vereinbar: „Die Auferstehung ist nicht an den irdischen Leib gebunden“, sagt Schmidt. Und dann legt Schmidt seine Hand auf die Stele, um zu demonstrieren, dass man dann ein Gefühl von Nähe hat.

Kolumbarium, auch Columbarium (lateinisch columbarium „Taubenschlag“, zu columba „Taube“), war ursprünglich die Bezeichnung für einen Taubenschlag. Wegen der optischen Ähnlichkeit wurden dann auch altrömische Grabkammern mit reihenweise übereinander angebrachten Nischen zur Aufnahme von Urnen nach Feuerbestattungen so benannt. Urnengräber in einer Kirche einzurichten, war anfangs eine Idee Not leidender Gemeinden. In Deutschland ist das erste Kolumbarium 1892 im thüringischen Gotha eröffnet worden. Bereits 1878 wurde hier das erste deutsche Krematorium gebaut, nachdem die Verbrennung von Leichen und die Urnen-Beisetzung der Asche gestattet worden war. 2004 wurde das erste dieser Art in der alt-katholischen Kirche in Krefeld eröffnet. Auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg gibt es auch Kolumbarien.
Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen