Ein echter Aufreger : Klinikum bittet Patienten zur Kasse

<p>Enttäuscht: Nicole Schurig und Axel Herrndorf, Langzeitpatienten am Regio-Klinikum Pinneberg, engagieren sich für eine  Veränderung der Parksituation.</p>

Enttäuscht: Nicole Schurig und Axel Herrndorf, Langzeitpatienten am Regio-Klinikum Pinneberg, engagieren sich für eine  Veränderung der Parksituation.

240 Euro fürs Parken: Gruppe der Tagesklinik beschwert sich über hohe Gebühren. Sana verweist auf ausgeglichene Finanzierung.

shz.de von
14. Juli 2018, 10:50 Uhr

Pinneberg | Pinneberg Halbstationär in Behandlung – für die Patienten der Tagesklinik für Psychiatrie am Regio-Klinikum Pinneberg bedeutet das,  am Leben in ihren Familien teilzunehmen. Es bedeutet aber auch, dass jeden Tag eine Anreise zum Krankenhaus nötig ist. Für die meisten mit dem Auto. So etwa für Nicole Schurig, die derzeit wegen einer Angststörung behandelt wird. Das Problem: „Uns wurde kostenfreies Parken von der Klinik zugesagt, doch mittlerweile wurde das Angebot eingestellt“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Für eine Behandlung von sieben bis acht Stunden täglich kämen acht Euro Parkgebühren zusammen – bei einer sechswöchigen Behandlung an fünf Tagen in der Woche eine Zusatzbelastung von 240 Euro für die Patienten.

Beschwerde ohne Erfolg

„Das ist nicht richtig, gerade bei sozial Schwächeren“, findet Schurig. „Bei vielen ist das im Budget nicht drin.“ Denn wegen ihrer Erkrankung sind manche Patienten erwerbslos.   Axel Herrndorf, ebenfalls teilstationärer Patient in Pinneberg, ist der Meinung: „Man merkt, sie wollen Geld rausholen.“ Eine Beschwerde bei der Klinik führte bisher zu keinem Ergebnis. Auf ein Schreiben an die Geschäftsführung kam  ein Brief, dass das Anliegen an die zuständige Abteilung weitergeleitet wurde. Schurig und Herrndorf befürchten: „Das wird versanden.“ Gute Aussichten auf Erfolg gibt es tatsächlich nicht. Auf Anfrage unserer Zeitung erklärt Birga Berndsen, Pressesprecherin der Sana, die die Regio-Kliniken im Kreis Pinneberg betreibt: „Die Krankenhausfinanzierung beinhaltet leider keine Finanzierung von Parkplätzen durch öffentliche Förderung oder durch die Entgelte der Krankenkassen. Aus den genannten Gründen bitten wir unsere Patienten um Verständnis dafür, dass wir ihnen die Parkplätze nicht weiterhin kostenlos zur Verfügung stellen können.“ Die Gebühren würden einen Beitrag zur Kostendeckung  der Parkraumbewirtschaftung leisten. Darunter fallen etwa Instandhaltung, Gehwegreinigung, Grünflächenpflege und der Winterdienst. Zudem sollten alle Patienten gleich behandelt werden. „Das gilt auch für die Parkmöglichkeiten.“

Die Patienten sind sauer. „Das ist was anderes, wenn man nur kurz zum Röntgen da ist, aber doch nicht für so eine Dauer“, sagt Schurig. „Wir versuchen ja nicht, uns das zu erschleichen, wir haben es uns nicht ausgesucht, krank zu sein. Es kann jeden treffen.“ Und das teilstationäre Programm des Regio-Klinikums hält sie für sehr wichtig: „Man nimmt ja sonst am sozialen Leben nicht mehr teil.“ Das Programm bietet Sport und Ergotherapie, Gruppengespräche und Einzelgespräche in festen Strukturen. Dafür sind die Patienten  dankbar: „Wir wollen ja auch wieder ins Arbeitsleben zurückfinden“, sagt Schurig. 

Etwa 20 Teilnehmer sind in der Regel in der Gruppe. Und für die meisten ist eine Anreise ohne Auto nicht möglich. Herrndorf hat Glück: Seine Behandlungzeit beträgt zwar 16Wochen, aber  für ihn ist das Klinikum fußläufig erreichbar. Schurig hingegen kommt für zehn Wochen jeden Tag aus Quickborn angereist. „Die Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist schlecht“, sagt sie. Außerdem: Mit ihrer Angststörung sei  es ihr nicht möglich, mit Bus, Bahn oder dem Fahrrad zu fahren. Verkehrslärm und Pendlerchaos  belasten sie. „Andere sind bewegungseingeschränkt und müssen nah parken.“ Sie selbst versucht, die teuren Parkplätze am Klinikum zu umgehen. Aber mitten im Wohngebiet ist das Parken außerhalb nicht einfach. „Die Anwohner sind darüber auch nicht glücklich und durch Bauarbeiten stehen einige Parkplätze nicht zur Verfügung.“ Die aufwendige Parkplatzsuche am Morgen kostet vor allem Zeit. „Pünktliches Erscheinen wird vorausgesetzt. Und es gibt ja auch noch Mütter und Väter mit Kindern, die vorher weggebracht werden müssen.“

Wo und wie sie parken, ist für das Klinikum jedoch Sache der Patienten.  Berndsen sagt: „Da wir bislang  die Plätze kostenfrei zur Verfügung gestellt haben, können wir verstehen, dass die betroffenen Patienten mit dieser Entscheidung unzufrieden sind. Jedoch müssen auch wir auf eine ausgeglichene Finanzierung achten.“ Ein anderes Parksystem – etwa mit Vergünstigung – sei derzeit nicht in Planung. Sie verweist die Patienten zur Klärung einer möglichen Erstattung an die jeweiligen Stellen.

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