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Sehnsucht nach dem eigenen Garten : Kleingärtner feiern 85. Geburtstag

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Biedermann-Image scheint passé, es gibt sogar eine Warteliste.

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2017 | 16:00 Uhr

Pinneberg | „85 Jahre Kleingärtnerverein Pinneberg. Was für ein Zeitraum. In unserer schnelllebigen Zeit ist es erstaunlich, dass sich die Anlagen so lange gehalten haben“, sagte Birgit Scheelke, Vorsitzende des Kleingärtnervereins (KGV) Pinneberg am Sonnabend. Der 85. Geburtstag wurde mit einem Sommerfest gefeiert. „Es zeigt sich, dass sich die Menschen als Inhaber einer Parzelle nach Ruhe und Erholung sehnen. Es ist aber nicht nur Erholung, sondern auch viel Arbeit“, betonte Scheelke.

0,50 Reichsmark kostete die wöchentliche Rate der Jahrespacht und das Eintrittsgeld für neue Mitglieder lag bei einer Reichsmark als der Verein am 5. April 1932 von insgesamt 58 Mitgliedern gegründet wurde. Den Kleingärtnern wurden Gutscheine im Wert von neun Reichsmark für die Beschaffung von Saatkartoffeln und anderem Saatgut zur Verfügung gestellt.

Die erste von heute fünf Anlagen entstand am Wedeler Weg. Die Unterlagen aus den Kriegsjahren fehlen, aber 1947 verzeichnete der Verein 940 Mitglieder. Fast fünf Prozent der Pinneberger waren Kleingärtner. 33 Hektar wurden damals bewirtschaftet. Im Jahr 1949 hatte der Verein 2030 Mitglieder und 75 Hektar Fläche. Seitdem ging die Mitgliederzahl stetig zurück. Die Kleingärten wurden als Bau- und Gewerbeflächen benötigt. Die Mitgliederzahl erreichte mit 385 im Jahr 1961 ihren Tiefpunkt. Gerade einmal 18,2 Hektar Fläche wurden noch vom Verein genutzt. Heute sind 402 Laubenpieper und 28 Förderer Mitglieder des KGV, der etwa 20,5 Hektar Fläche gepachtet hat. Insgesamt 402 Parzellen stehen zur Verfügung.

Längst vorbei sind die Zeiten, in denen Schrebergärten als spießig galten und ein Biedermann-Image hatten. „Wir merken auch bei uns, dass immer mehr junge Familien anfragen. Wir hören häufig, dass sie möchten, dass ihre Kinder in oder mit einem Garten aufwachsen“, berichtete Scheelke über den Wandel in den Kleingartenanlagen. Derzeit seien alle Parzellen besetzt – zehn Anfragen stehen auf der Warteliste. „Das Interesse an Parzellen ist groß“, berichtete die Vorsitzende. Doch reiche es nicht nur, die Fläche zu besitzen: „Verantwortung zu zeigen heißt, nicht nur die Parzelle zu pflegen, sondern auch die Anlagen werden in Gemeinschaftsarbeit gepflegt.“ Auch heute sei ein Schrebergarten nicht nur zur Entspannung da, sondern ein drittel der Fläche müsse bewirtschaftet werden. „Ältere Laubenpieper geben gern ihre Erfahrungen an die jüngeren Generationen über den Gartenzaun weiter. Nicht zu vergessen sind die sozialen Kontakte in so einer Anlage“, betonte Scheelke.

Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten standen nach den offiziellen Ansprachen daher vor allem die Kinder, für die eine Hüpfburg, ein Glücksrad, Dosenwerfen und eine Kegelbahn aufgebaut worden waren. Am Luftgewehrstand, die Anlage Hasenmoor verfügt über eine eigene Schützengruppe, konnte zudem die Treffsicherheit probiert werden. „Ich bin froh, das so viele Menschen mit angepackt haben und wir Sponsoren haben, die uns unterstützen“, sagte Scheelke.
 

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