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Pinneberger Tageblatt

11. Dezember 2017 | 01:37 Uhr

Wedel : Klassik für die Kleinen kommt an

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Gelungene Premiere für die kindgerechte Fassung von Bachs Weihnachtsoratorium in der Wedeler St.-Marien-Kirche.

shz.de von
erstellt am 15.Dez.2015 | 00:32 Uhr

Wedel | So etwas gibt es in Konzerten nicht oft: Das Publikum wurde aufgefordert mitzusummen und zu tanzen. Eine schöne Idee, in diesem Fall, um Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium auch Kindern nahe zu bringen. Immerhin war die St.-Marien-Kirche zu etwa drei Viertel mit aufgeregtem Nachwuchs und dessen erwachsenen Begleitern gefüllt.

Kammerchor und Kammerorchester Wedel unter der Leitung von Valeri Krivoborodov hatten zu einer ganz speziellen einstündigen, gekürzten Fassung von Bachs Meisterwerk eingeladen. Darin waren keine Arien und Rezitative zu hören, sondern nur Chöre des Oratoriums, die von den rund 60 Sängern des Kammerchors klanggewaltig und strahlend geschmettert wurden. Dazu erzählte Monika Enticknap die Weihnachtsgeschichte. Die Schauspielerin vom Theater Wedel schilderte auch, wie es bei der Uraufführung des Oratoriums vor 281 Jahren gewesen sein könnte. So seien die Knaben des Leipziger Thomanerchors sicherlich total aufgeregt gewesen. „Die hatten bestimmt ein Kribbeln im Bauch“, mutmaßte Enticknap. Das schienen die kleinen Zuhörer nachempfinden zu können, denn viele nickten verständnisvoll. Auch sei es damals ziemlich finster gewesen, denn es habe ja nur Kerzen gegeben und kein elektrisches Licht. Begeistertes Gelächter erntete Krivoborodov, als er eine weißgelockte Haarpracht aufsetzte, denn früher hätten, so Enticknap, viele Menschen Perücken getragen.

Krivoborodov dirigierte gewohnt temperamentvoll und dynamisch, so dass schon der Anfang zu einem wirklichen Klangfeuerwerk mit Pauken und Trompeten wurde. Der Geiger Stefan Czermak hatte, wie nicht anders zu erwarten, die Stücke mit dem Orchester hervorragend einstudiert.

Die Mischung aus lockerer Erzählung und den jubilierenden Klängen von Bachs wunderbarer Musik sorgte dafür, dass die Kinder dem Geschehen auf der Bühne aufmerksam folgten. Enticknap stellte die einzelnen Instrumente vor, beschrieb deren Klang und erklärte, welche Rolle sie in Bachs Musik spielen. „Alle mal zuhören“, forderte sie die jungen Gäste auf, die dann auch brav lauschten. „Bach setzt immer noch eins drauf, jetzt kommen die Trompeten und Geigen!“ Und: „Hört mal, das Fagott ist das tiefste Instrument, und wie das Cembalo zirpt.“

Obwohl das ein oder andere Kleinkind zwischendurch unruhig wurde, blieb das junge Publikum großteils erstaunlich ruhig und konzentriert. Dazu trug sicherlich bei, dass die Kinder an manchen Stellen mitsummen und am Platz mittanzen durften. Der Plan, Kinder locker und lebendig an klassische Musik heranführen, hat also funktioniert.

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