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40 Jahre nach Schulende : Klassenlehrer überrascht seine Schüler

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Eine Abgangsklasse der Grundschule Hermann Löns in Ellerbek hatte zwei Gründe, ihr Wiedersehen zu organisieren: Nach 40 Jahren feierten sie einen runden Wiedersehens-Geburtstag.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2017 | 14:00 Uhr

Ellerbek | Klassentreffen von Grundschülern sind selten. Eine Abgangsklasse der Grundschule Hermann Löns in Ellerbek hatte zwei Gründe, ihr Wiedersehen zu organisieren: Nach 40 Jahren feierten sie einen runden Wiedersehens-Geburtstag. Genauso wichtig ist den Ehemaligen aber der zweite Grund: Ihr damaliger Klassenlehrer Heinz Oertel feiert in dieser Woche seinen 100. Geburtstag.

„So was ist einmalig“, sagte Frank Ostermann, der das Treffen auf Anregung der Klassenkameradin Susanna Schray (geborene Kuschert) auf die Beine gestellt hat. „Sie rief mich aus Berlin an, weil unser erstes Klassentreffen bereits zehn Jahre zurückliegt. Wir waren uns schnell einig – das 40. wird auch gefeiert.“

Immerhin hat der Baumschulbesitzer 15 Mitschüler mobilisieren können, die von 1973 bis 1977 eine Grundschulklasse in Ellerbek besucht haben. Die weiteste Anreise hatten Claudia Ahlers aus England und Katy Daegling aus dem dänischen Fanö. Ihr Vater ist früher Bürgermeister von Ellerbek gewesen. Gegenwärtig haben fünf Ehemalige ihre Wohnadresse in der Grundschulgemeinde. „Aber die große Überraschung, dass unser damaliger Klassenlehrer Heinz Oertel und unsere Mathe-Lehrerin Regina Ehlers mitfeiern werden, habe ich bis zum Treffen geheim gehalten“, betonte der Organisator.

Entsprechend groß war die Freude am Sonnabend in einem Rellinger Restaurant, als der erblindete Ehrengast, begleitet von seiner Tochter Petra Holtze und der früheren Mathe-Lehrerin das Lokal betrat. Seine ehemaligen Schüler klatschten und johlten begeistert, bis der verehrte Pensionär eine Hand hob und die Schüler mit einem „HoHo“ begrüßte. Sein Augenlicht hat Oertel zwar verloren, aber nicht seinen brillanten Geist. Denn der ehemalige Pädagoge ist der älteste freie Mitarbeiter des A. Beig-Verlages. „Seit zwölf Jahren diktiere ich einmal im Monat einen Beitrag für die Rubrik ,Mitten im Leben‘. Meistens sind das Augenblicke, die man nicht vergisst“, bestätigte er.

Nach einer Begrüßungsansprache von Organisator Ostermann stießen die Ehemaligen mit einem Glas Sekt auf ihr Wiedersehen an – bis auf Heinz Oertel. „Ich trinke Jägermeister, weil ich in sieben Tagen meinen 100. Geburtstag feiern kann. Prost Kameraden!“ Schon vor dem gemeinsamen Essen wurde über Erlebnisse aus der Schulzeit geplaudert. „Unser Klassenlehrer war im Unterricht total streng, aber in den Pausen wurde oft rumgealbert“, erinnerte sich Tina Paarmann (geborene Carstensen). Es dauerte nicht lang, bis die Ehemaligen ihren Lehrer drängten, die Geschichte mit dem Busfahrer zu erzählen: Es war eine Ausfahrt der Schüler nach Husum gebucht. Weil aber der Fahrer nicht wollte, dass sie ihre Rucksäcke mit Proviant in seinen gepflegten Bus mitnehmen, entwickelte sich ein Streit mit dem Lehrer.

Schießlich entschied Oertel: „Steigt alle aus, wir fahren nach Hamburg und besuchen den Michel. Die Ausflügler fuhren „schwarz“ – ohne Fahrkarten. Oertel zu dieser Entscheidung: „Wir mussten nicht damit rechnen, dass eine Klasse mit 32 Schülern und ihr Lehrer kontrolliert werden würde. Inzwischen bin ich nicht mehr haftfähig...“

Viele Episoden sind in einer „Erinnerungs-Broschüre“ zusammengefasst, aus der an dem Abend oft zitiert wurde: Aufsätze, Gedichte, Zeichnungen und Fotos. „Bei Ihnen durften wir oft lachen und ein bisschen Blödsinn machen“, reimte die Schülerin Ulrike Wittig. „Wir fuhren in Holstein kreuz und quer, Oertelchen zeigte uns immer mehr“, lobte Kay Oberbeck seinen Lehrer.

„Er konnte so schön lustig sein, gelegentlich auch kräftig schrei’n“, erinnerte Sabine Meyhofer (geborene Diesbrock) an die strenge Seite des Lehrers. Ostermann ergänzte: „Wenn er merkte, dass die Luft raus war im Unterricht, forderte Herr Oertel uns zum Äpfelpflücken auf – die ganze Klasse stand auf den Bänken und musste die Arme strecken. Oder es flog auch schon mal ein Schlüsselbund. Das sind Sachen, die heutzutage unvorstellbar sind.“ Mathe-Lehrerin Ehlers, die 1971 an die Hermann-Löns- Grundschule kam, bestätigte: „Die Schüler waren alle sehr diszipliniert. Herr Oertel hat sie mit seinen Methoden zum Mitarbeiten motivieren können, das war auch für die Eltern entscheidend.“ Kein Wunder, dass stimmungsvoll bis viertel nach zwei gefeiert wurde.

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