Scherben und Bauschutt auf dem Spielplatz : Kita-Kinder dürfen nicht mehr draußen spielen

Kein schöner Platz zum Spielen: Andrea Rodig, Mutter einer einjährigen Tochter, zeigt, wie weit das Klettergerüst eigentlich im Boden verankert sein müsste. Im Hintergrund sieht man, nicht weit vom Spielplatz der Kinder, einen Komposthaufen, um den ein Bauzaun gezogen ist.
Kein schöner Platz zum Spielen: Andrea Rodig, Mutter einer einjährigen Tochter, zeigt, wie weit das Klettergerüst eigentlich im Boden verankert sein müsste. Im Hintergrund sieht man, nicht weit vom Spielplatz der Kinder, einen Komposthaufen, um den ein Bauzaun gezogen ist.

„Die Senfkörner“: Der Außenbereich in Pinneberg ist seit einer Woche gesperrt. Eltern fordern schnelles Handeln. Mängel seit Monaten bekannt.

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24. Juni 2015, 10:00 Uhr

Pinneberg | Um die Klettergerüste wehen Absperrbänder. Im Sand, in dem eigentlich Kinderhände buddeln, liegen Scherben und Müll. Folien, die eigentlich unter dem Boden sein sollten, ragen heraus. Seit zwei Monaten sind die Klettergerüste auf dem Außengelände der Kindertagesstätte „Die Senfkörner“ in Thesdorf abgesperrt. Was noch schlimmer ist: Seit Dienstag vergangener Woche dürfen die Kinder nicht mehr nach draußen auf ihren Spielplatz gehen. Sie sind in ihrer eigenen Kita gefangen.

Darunter die eineinhalb Jahre alte Hannah. Deren Mutter Andrea Rodig ist fassungslos. „Die Kinder durften die Klettergerüste nicht mehr nutzen“, sagt sie, „aber dass es so dramatisch ist, wussten wir Eltern nicht.“ Rodig hat es durch einen Zufall erfahren. Sie war am vergangenen Wochenende auf dem Gelände, um ein Hochbeet anzulegen, als sie das Ausmaß der Mängel entdeckte. Gestern sagte die Mutter: „Der Frust ist mittlerweile groß.“

Rodig fordert den Träger, die evangelische Christuskirchengemeinde Pinneberg, auf, endlich zu handeln. „Die Kommunikation ist nicht besonders christlich“, sagt sie.

Seit April sind die Klettergerüste im Außenbereich abgesperrt. Sicherheitsbeauftragte der Landeskirche haben laut Pastor Karl-Uwe Reichenbächer Mängel festgestellt. Gestern, knapp zwei Monate später, kamen Träger, Elternvertreter, Gutachter, Erzieher und Kita-Leitung zum Krisengipfel zusammen. Die Situation war angespannt, die Fronten verhärtet. Kita-Leiterin Gisela Henkel hatte schon im vergangenen Jahr eigenmächtig eines der Klettergerüste gesperrt. Es schien ihr zu gefährlich zu sein. Und auch die Scherben sind nicht erst seit kurzem im Sand. Eine Firma wurde 2014 mit der Beseitigung beauftragt, das bestätigt Reichenbächer. Doch die scheint nicht gründlich gewesen zu sein. „Ich fühlte mich nicht ernst genommen“, sagt Henkel. Es sei lange nichts gegen die Mängel unternommen worden.

Im April 2014 feierte die Kita Eröffnung, seit zwei Monaten sind die Klettergerüste abgesperrt.  (Foto: PT)
Im April 2014 feierte die Kita Eröffnung, seit zwei Monaten sind die Klettergerüste abgesperrt. (Foto: PT)
 

Vergangene Woche musste sie den Außenbereich schließen, da die Versicherung die Haftung nicht mehr übernimmt. Wusste die Stadt nichts davon? Der zuständige Mitarbeiter war gestern nicht mehr zu erreichen. Der Kita-Aufsicht des Kreises Pinneberg scheint der Fall nicht bekannt zu sein. Sprecher Oliver Carstens konnte dazu nichts in den Akten finden.

Stundenlang haben Träger und Gutachter gestern laut Rodig Mängel aufgenommen. Für die Mutter waren die Argumente der Experten zum Teil absurd. „Als Mama ist mit egal, wie groß die Scherben sind, Hauptsache, sie verschwinden“, sagt sie. Kita-Leiterin Henkel zeigte sich nach dem gestrigen Treffen zuversichtlich: „Ich bin froh, dass Bewegung in die Sache kommt. Wir warten schon ein Jahr lang darauf, dass etwas passiert.“

Damit soll Schluss sein. „Unser Ziel ist, dass das Areal nach den Sommerferien freigegeben werden kann“, sagt Reichenbächer. Dafür sei geplant, die Klettergerüste zu verankern und Untergrund aufzutragen. Für die Scherben und den Müll im Boden könnte das Bauunternehmen verantwortlich sein, das den Abriss des Gebäudes, das vorher auf dem Areal stand, durchführte. „Wir vermuten, dass der Abbruch nicht sauber gemacht wurde“, so der Pastor.

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