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„Es geht in die richtige Richtung“ : Kita-Finanzierung: Infoabend zum drohenden Platzabbau in Pinneberg

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Debatte über neuen Vertragsentwurf der Stadt Pinneberg.

shz.de von
erstellt am 14.Jul.2017 | 12:00 Uhr

Pinneberg | „Wir können uns jetzt dran entlang hangeln.“ Euphorisch klingt Helga Grüne-Ostmeier vom Verein Kita Waldstraße nicht; aber sie findet: „Viele Passagen gehen in die richtige Richtung.“ Über anderes müsse man noch reden. Der Termin fürs Reden steht schon fest: Am Donnerstag, 20. Juli, werden sich Pinneberger Kita-Träger und Vertreter der Stadt zusammensetzen und über einen Vertragsentwurf für die Finanzierung der Kindergärten in der Stadt beraten.

Hintergrund: Die Kita-Träger kritisieren, dass das alte Regelwerk die Kosten der Einrichtungen nicht deckt. Die Betriebskostenentwicklung sorge nun dafür, dass die Finanzreserven aller Träger aufgebraucht seien. „Warten wir mal ab und drücken die Daumen“, gibt sich auch Gesa Kitschke verhalten optimistisch. Sie kümmert sich in der Awo-Landeszentrale um Kitas und vertritt in den Verhandlungen drei Pinneberger Awo-Kitas mit zusammen 360    Plätzen. Grüne-Ostmeier betreibt sechs Kitas in der Stadt. Immerhin schickt Kitschke die Kita-Eltern beruhigt in die Ferien: „Sie können in die Sommerpause gehen.“

Helga Grüne-Ostmeier vom Verein Kita Waldstraße erläuterte das Finanzgeflecht bei der Kindergartenfinanzierung.
Helga Grüne-Ostmeier vom Verein Kita Waldstraße erläuterte das Finanzgeflecht bei der Kindergartenfinanzierung. Foto: Jann Roolfs

Dass die Stadt jetzt nach jahrelanger Hängepartie schnell einen Entwurf vorlegt, führt der Pinneberger Elternvertreter Stefan Bremkens auf den öffentlichen Druck zurück, den Träger und Eltern aufgebaut haben. Vor allem mit der Alarm-Meldung, dass in Pinneberg 1000 von 1800 Kita-Plätzen von Schließung bedroht seien, weil es seit Jahren keinen gültigen Vertrag über die Finanzierung gibt.

Gesa Kitschke gibt sich für die AWO optimistisch, dass ein Vertrag mit der Stadt ausgehandelt wird.
Gesa Kitschke gibt sich für die AWO optimistisch, dass ein Vertrag mit der Stadt ausgehandelt wird. Foto: Jann Roolfs

Rund 30 Eltern- und Trägervertreter kamen am Mittwochabend auf Einladung der Kreis-Elternvertretung (KEV) in der Awo-Kita „Traumland“ zusammen. KEV-Vorstände, Gesa Kitschke und Helga Grüne-Ostmeier, informierten über die Hintergründe und den aktuellen Stand im Streit mit der Stadt. Dessen Ende rückt in Sichtweite: „Der ambitionierte Plan lautet, dass im September Sozialausschuss und Ratsversammlung den Vertrag verabschieden“, erläuterte Kitschke. Hinter den inzwischen lauten Auseinandersetzungen zwischen den Kita-Trägern Awo, Verein Kita Waldstraße, evangelische und katholische Kirche steckt eine bürokratische Auseinandersetzung. Pinneberg rückte 2011 von der Praxis ab, die Kitas per Defizitmodell zu finanzieren. Das besagt im Groben: Die Träger legen ihre Bilanz offen, was fehlt, schießt die Stadt zu.

Die Stadt wollte stattdessen lieber mit einem Referenzmodell arbeiten: Es wird berechnet, wie viel eine Modell-Kita kostet und alle bekommen den entsprechenden Betrag. Awo, Waldstraße und Kirchen verweigerten ihre Unterschriften, weil sie mit dem Geld nicht auskommen würden. „Bei uns würde das in die Insolvenz gehen“, verdeutlichte Grüne-Ostmeier. Andere Träger kommen dagegen mit den städtischen Mitteln offenbar gut klar: „Wabe stampft aus dem Boden“, wunderte sich eine Mutter über Aktivitäten des Hamburger Trägers, der in Pinneberg zwei Kitas betreibt. „Wabe hat viele Geldgeber aus China, das ist ein Investorenmodell“, erklärte Dirk Battermann, der Vorsitzende der KEV.

Battermann und seine Vorstandskollegen nutzten die Gelegenheit, Eltern zum Engagement aufzurufen: „Es beschweren sich zu wenige“, befand die stellvertretende KEV-Vorsitzende Nadine Mai aus Wedel. Dass es etwas bringt, Politiker anzusprechen, belegte eine Mutter aus der Runde: Sie war zu einer Fraktionssitzung der Grünen eingeladen. „Ich war eine Stunde lang im Mittelpunkt“, wunderte sie sich über die Aufmerksamkeit der Lokalpolitiker. Demnächst will sie zur SPD.

Kita-Finanzierung ist ein zähes Dauerthema, darauf wies Elternvertreter Bremkens hin: „Es ist ein Marathon, und wir müssen am Ball bleiben.“ Nadine Mai mahnte ebenfalls Aktivität an: „Nicht nachlassen, bevor die Unterschrift von Frau Kitschke unter dem Papier ist!“

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