Kirche wird zur Stereoanlage

Stecken in den Proben zum vorweihnachtlichen Konzert: Kantor Oliver Schmidt (von links), Judith Maria Michalski, Christine K. Brückner und Silke Ignatowitz.
Stecken in den Proben zum vorweihnachtlichen Konzert: Kantor Oliver Schmidt (von links), Judith Maria Michalski, Christine K. Brückner und Silke Ignatowitz.

Vorweihnachtliches Konzert und Weihnachtsoratorium während Adventszeit in der Rellinger Kirche

shz.de von
19. November 2018, 16:53 Uhr

Ein etwas ungewöhnlicher Anblick in der Rellinger Kirche: Vor dem barocken Altar steht ein schwarzes Klavier. Daran sitzt Christine K. Brückner, die dem Instrument erste Töne entlockt. Flötistin Judith Maria Michalski steigt ein. Die beiden Musikerinnen haben sich mit Sängerin Silke Ignatowitz und Rellingens Kantor Oliver Schmidt getroffen, um für ihr gemeinsames Konzert zu üben. Denn die Rellinger können sich in diesem Jahr nicht nur auf das traditionelle Aufführen des Weihnachtsoratoriums freuen, sondern auch auf ein vorweihnachtliches Konzert am Sonntag, 23. Dezember, ab 17 Uhr.

„Nach oder während des Weihnachtsstress wollen wir den Konzertbesuchern die Möglichkeit geben, innezuhalten“, beschreibt Schmidt die Intention des Konzerts. Die Stücke decken unter anderem Pflichtbestandteile wie den Winter aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ ab. Aber auch das impressionistische Werk „Nocturne pour Flûte et Piano“ der französischen Künstlerin Lili Boulanger findet sich auf dem Programm wieder. Brückner hat mit „drifting away“ und „whirring“ auch eigene minimalistische Miniaturen beigesteuert.

Darüber hinaus legen Ignatowitz und Franziska Oestmann ein besonderes Gesangs-Duett ein: Sie werden den Abendsegen aus Hänsel und Gretel singen. „Das passt schön in die Atmosphäre der Zeit hinein“, sagt die Sängerin kurz vor der Probe.

Die grundsätzliche Besonderheit des Konzerts ist, dass die Kirche zu einer „Stereoanlage“ umfunktioniert wird, wie Schmidt beschreibt. „Wir werden die unterschiedlichen Ebenen nutzen“, fügt er hinzu. So wird die Orgel über, das Klavier vor dem Altar im Erdgeschoss und die Flöte auf der ersten Empore die Klänge räumlich verteilen.


Traditionelles Weihnachtsoratorium

Neben dem vorweihnachtlichen Konzert gibt es in diesem Jahr auch wieder das Weihnachtsoratorium am 16. Dezember in der Rellinger Kirche. „In Hamburg wird das Werk von Bach 60 Mal zu hören sein“, sagt Schmidt. Daher habe er sich bei der Vorbereitung gefragt, was er mit dem Werk noch erzählen könne, was andere nicht schon mit dem Stück sagen. „Doch bei jedem neuen Blick in die Partitur finde ich immer wieder Impulse und neue Ansätze der Interpretation“, so der Kantor.

In diesem Jahr werden die Kantaten I, II, V und VI zu hören sein. Ulrike Meyer aus Hamburg singt als Sopran, Carmen Bangert übernimmt die Alt-Stimme, Timo Rößler den Tenor und Keno Brandt den Bass. Joachim Schäfer spielt die Trompete und das Sinfonietta Lübeck bildet das Orchester. Kantor Schmidt wird dirigieren.

Für Schmidt kennzeichne das Weihnachtsoratorium, dass die Zuhörer die Möglichkeit haben, die Aussagen des Stückes rund um das Kirchenjahr aufzunehmen und gleichzeitig eigenen Assoziationen nachzugehen. „Man kann schönen Erinnerungen folgen, aber auch über aktuelle Anliegen nachdenken“, erläutert Schmidt. Wer am Event in Rellingen teilnehmen will, kann ab sofort Karten erwerben (siehe Infokasten).

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