Gastbeitrag : Kinder- und Jugendbeirat Pinneberg: Wir sind die Zukunft

Der 17-Jährige Valentin Kraner ist seit zwei Jahren Vorsitzender des Kinder- und Jugendbeirats Pinneberg.

Der 17-Jährige Valentin Kraner ist seit zwei Jahren Vorsitzender des Kinder- und Jugendbeirats Pinneberg.

„Eine Investition in unsere Schulen ist die nachhaltigste, die wir tätigen können“, sagt der 17-jährige Valentin Kraner, KJB-Vorsitzender.

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12. Dezember 2017, 12:30 Uhr

Pinneberg | Wenn ich einmal im Monat den Ratssitzungsaal im Pinneberger Rathaus betrete, senke ich den Altersschnitt. Die Stühle der Politiker sind besetzt mit Erwachsenen mittleren Alters, in der Regel lange berufstätig oder in Rente. Nur wenige Bürger unter 30 haben Zeit, Lust und Interesse ihre Feierabende mit Kommunalpolitik zu verbringen.

Seit etwas mehr als vier Jahren bin ich nun Mitglied im Kinder- und Jugendbeirat, etwa zwei Jahre davon als Vorsitzender. Am 18. Dezember 2017 beginnt meine dritte Amtszeit und auch dieses Mal bringen wieder neu gewählte Mitglieder frischen Wind in den Beirat. Bei der Wahl im November haben 37 Jugendliche zwischen zwölf und 21 Jahren kandidiert, von denen letztendlich neun einen Sitz erhielten. Das ist keine Selbstverständlichkeit, in Itzehoe kamen auf 15 potenzielle Plätze lediglich 14 Kandidaten.

Ein Kinder- und Jugendbeirat vertritt die Interessen seiner Wähler und der Kinder unter zwölf Jahren vor Politik und Verwaltung und organisiert Veranstaltungen. Was zunächst trocken klingt, erweist sich in der Praxis als eine wirkungsvolle Ebene, um tatsächlich etwas zu verändern. Wird auf Bundesebene eine Erhöhung des Kindergeldes beschlossen, so ist diese Maßnahme wesentlich umfangreicher, doch haben monatliche Centbeträge auf den Einzelnen weniger Auswirkungen, als ein neuer Sportplatz, eine große Veranstaltung oder sogar eine umfassende Schulgebäudesanierung.

Pinneberg tut sich schwer

Insbesondere mit Letzterem tut sich Pinneberg schwer, zu groß sind die Versäumnisse in der Vergangenheit und das Loch im Geldbeutel der Stadt. Dennoch weisen wir bei jeder Gelegenheit darauf hin, wie wichtig das Thema ist. Die aktuelle Situation ist nicht nur unattraktiv für Familien, die eventuell in Pinneberg wohnen wollen, sondern auch ein Lernhindernis für uns Schülerinnen und Schüler. Eine Investition in unsere Schulen ist die nachhaltigste, die wir tätigen können.

Andere Projekte sind einfacher umzusetzen, auf einige können wir besonders stolz zurückblicken. Im Frühjahr 2016 veranstalteten wir beispielsweise eine Refugees Welcome Party. Ziel war es, Flüchtlinge und Nichtflüchtlinge an einem Abend zusammenzubringen, um den Austausch zu fördern und um heterogene Freundschaften entstehen zu lassen. Mehr als 100Jugendliche nahmen unser Angebot an. In den nächsten Wochen beobachteten wir, wie viele Jugendliche sich in den Schulpausen plötzlich auch mit Flüchtlingen unterhielten oder sogar ein Sofa aus dem Keller eines Mitschülers einen neuen Platz im Wohnzimmer einer syrisch stämmigen Familie fand.

Ideen der Jugendlichen umsetzen

Unser neuestes Projekt zielt auf die Steigerung der Attraktivität unserer Innenstadt für Jugendliche. Dafür sitzen wir gemeinsam mit Politik, Verwaltung und der Wirtschaftsgemeinschaft an einem Tisch. Nach einer umfassenden Umfrage an den Schulen und einer Jugendeinwohnerversammlung steht nun an, die Ideen der Jugendlichen schnell umzusetzen. Im Fokus stehen freies WLAN, neue Fahrradständer und ein zusätzlicher Basketballkorb, sogar eine Renovierung der Skateanlage unter der Hochbrücke steht zur Diskussion.

2017 wurde unser Beirat zum ersten Mal zeitgleich mit den anderen Kinder- und Jugendbeiräten in Schleswig-Holstein gewählt. Dabei fiel uns auf, wie viele Kommunen so einen Beirat noch gar nicht haben – dabei sind sie nach Paragraph 47f der Gemeindeordnung sogar dazu verpflichtet, für eine angemessene Jugendbeteiligung zu sorgen. Jugendliche in diesen Gemeinden möchten wir deshalb ermutigen, die Gründung einer Jugendvertretung zu beantragen, bei Bedarf bieten wir unsere Unterstützung an. Ein Kinder- und Jugendbeirat ist die effektivste Möglichkeit, als Jugendlicher Einfluss auf die Politik zu nehmen. Eine laute Stimme ist wichtig, schließlich sind wir die gegenwärtigen und zukünftigen Einwohner Pinnebergs.

Valentin Kraner ist 17 Jahre alt und Schüler der Theodor-Heuss-Schule. 2013 wurde er das erste Mal mit zwölf Jahren in den Kinder- und Jugendbeirat (KJB) gewählt, seit zwei Jahren ist er Vorsitzender. Nach seinem Abitur 2018 möchte er Politik und Geschichte studieren. In seiner Freizeit gehört das Reisen, Klavierspielen und das Mitwirken in der Schülerzeitung Pressident zu seinen Hobbys.
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