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Pinneberger Tageblatt

22. Oktober 2017 | 14:54 Uhr

Kinder und Job verlässlich vereinen

vom

shz.de von
erstellt am 06.Aug.2013 | 01:14 Uhr

Kreis Pinneberg | Der Ruf nach Ganztagsschulbetreuung schallt durchs Land: Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung wünscht sich die Mehrheit der deutschen Eltern, dass ihre Kinder ganztägig lernen und betreut werden. Schleswig-Holsteins Echo ist derzeit noch verhalten. 53,6 Prozent aller Schulen wurden laut Studie im Schuljahr 2011/2012 als Ganztagsschulen geführt, doch nur 21,6 Prozent aller Schüler nahmen dieses Angebot war. Die Studie belegt, dass Ganztagsschulen zur Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsleben beitragen. Dass Ganztagsschulen die Leistung und den Abbau von Chancenungerechtigkeit fördern, konnte hingegen nicht belegt werden.

Im Kreis Pinneberg existieren insgesamt mehr als 80 Schulen aller Formen. Davon sind sechs gebundene und 33 offene Ganztagsschulen (siehe Infobox). Schulleiter aus dem Kreisgebiet berichten über verschiedene Konzepte und den Bedarf an Betreuungsmöglichkeiten.

"Man kann nicht sagen, dass alle Eltern unbedingt einen Ganztagsschulbetrieb wollen", sagt Antonius Soest, Leiter der Wedeler Gebrüder-Humboldt-Schule, einer gebundenen Ganztagsschule. "Wenn sie ihre Kinder bei uns anmelden, spielen auch andere pädagogische Gründe eine Rolle, aber für viele ist es wichtig." Die Gebrüder-Humboldt-Schule, die derzeit zirka 750 Schüler der Klassenstufen fünf bis 13 besuchen, biete seit den 1990er Jahren Ganztagsbetrieb an. Von 8 bis 15.30 Uhr dauert der Unterricht, dienstags und freitags nur bis 13 Uhr. Doch dienstags gebe es ein freiwilliges Betreuungsangebot.

Man müsse aufpassen, dass der Begriff "Ganztagsschule" nicht zum Etikettenschwindel werde, so Soest. "Wenn man positive Effekte erzielen will, dann müssen in der Zeit besondere Projekte angeboten werden, die die Kinder interessengeleitet wählen können. Es darf nicht nur in einer Aufbewahrung enden. Pädagogisch Sinnloses ist immer Gift."

Die Gebrüder-Humboldt-Schule unterstütze ebenso Freizeitgestaltung in Sozialverbänden wie in Vereinen oder in der Musikschule, um soziale Kompetenzen zu fördern, erklärt Soest. Für bedenklich halte er es jedoch, wenn Schüler zu viel Zeit auf der Straße, vor dem Computer oder Fernseher ohne Feedback verbrächten.


Freiwillig Schach spielen, tanzen oder reiten

Die Grund- und Regionalschule Schulzentrum Pinneberg Nord bietet als offene Ganztagsschule ihren Erst- bis Zehntklässlern einen Mittagstisch sowie an den Nachmittagen montags bis donnerstags von 13 bis zirka 16 Uhr freiwillige Arbeitsgemeinschaften an wie die Entspannungsgruppe, Physik-Knobeleien, die Schach-AG, Fußball, einen Reitkursus oder Dance for Fun. Wie Schulleiter Holger Witt berichtet, gehe es auch darum, den Eltern in ihrem Beruf Entlastung zu geben. "Die Nachfrage ist schon da, aber unsere Kapazitäten sind noch nicht ausgeschöpft", erklärt Witt. "Insbesondere jüngere Kinder bis zur achten Klasse nehmen die Angebote in Anspruch." Kaum ein Kind nutze die Betreuung jedoch täglich.

An der Fritz-Reuter-Grundschule in Tornesch hat sich das private Konzept einer Betreuungsklasse in den vergangenen neun Jahren etabliert. Bis zu mehr als 70 der insgesamt 250 Grundschüler würden dieses Angebot täglich nutzen, sagt der stellvertretende Schulleiter Joachim Lemke. Spätestens um 17 Uhr ende die Betreuung durch qualifiziertes Personal, das mit den Kindern bastele, spiele, ihnen vorlese, mit ihnen Sport mache oder gar stricke.

"Die Zahl der Kinder in der Betreuungsklasse ist in den vergangenen Jahren gestiegen", so Lemke. "Ich kann nachvollziehen, dass sich die Eltern das wünschen. Es macht die eigene Lebensplanung verlässlicher. Wir haben alleinstehende Mütter und Väter, die nicht einfach nur einen halben Tag arbeiten können. Ich bin froh, dass wir dieses Angebot haben."

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