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Pinneberger Tageblatt

22. August 2017 | 01:32 Uhr

Kinder tyrannisieren Heimbewohner

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Seit 2009 werden in Neumünster Senioren attackiert / Einrichtungsleiter plant Arbeitsgruppe

Sie schneiden Grimassen, pöbeln aufs Übelste und schauen ungeniert durch die Fenster ins Schlafzimmer. An die vergleichsweise harmlosen Streiche haben sich die rund 180 Bewohner eines Wohn- und Pflegeheimes in Neumünster längst gewöhnt. Doch viele haben Angst. Denn wenn die Kinder aus der Nachbarschaft wieder durch die Hecke auf das Gelände an der Schillerstraße kommen, bleibt es oft nicht bei Belästigungen.

Das Ehepaar Marianne (64) und Friedrich-Wilhelm Kruse (71) gehört zu den Mietern der ersten Stunde der 2009 erbauten Einrichtung. Sie berichten von Gruppen zehn- bis 14-jähriger Jungen und Mädchen, die älteren Mitbewohnern auf den Hintern hauen, Stöcke zwischen die Rollatoren werfen oder über Feuertreppen versuchen, an die Wohnungen der älteren Menschen zu kommen. „Einmal habe ich ihnen das verboten. Da kam ein Vater, hat mich böse beschimpft und ein Plakat mit der Aufschrift Kinderschänder hochgehalten“, sagt Marianne Kruse. Sie will sich nicht mit den Nachbarn anlegen. „Was da abgeht, ist unglaublich. Da halte ich mich lieber raus.“

Anna Slogsnat (76) wohnt alleine in einer Erdgeschoss-Wohnung. Bei ihr flogen schon kleine Kieselsteine gegen das Fenster und ins Wohnzimmer. „Das ist nicht schön. Ich will nicht, dass noch irgendwas zu Bruch geht“, sagt sie. Für Einrichtungsleiter Franz-Ulrich Löning-Hahn sind die Zustände nicht neu: „Probleme gab es von Anfang an. Besonders im Sommer und in den Ferien nehmen die Beschwerden aber zu.“

Das Gebiet sei ein sozialer Brennpunkt. Auch er selbst wurde beschimpft. „Die haben mir gedroht, dass ich ein Messer im Rücken habe, wenn ich mich an die Polizei wende“, sagt Slogsnat und berichtet von einer Bewohnerin, die aus Angst auch tagsüber nur noch das Rollo unten hat.

Obwohl Marianne Kruse versichert, immer wieder bei Belästigungen die Polizei anzurufen, kennt Sprecher Sönke Hinrichs nur einen aktenkundigen Fall. „Das ist für uns kein Einsatzschwerpunkt“, sagt er und vermutet, dass mancher Bewohner etwas überreagiert oder empfindlich ist. Einrichtungsleiter Löning-Hahn hat jetzt die Stadt um Hilfe gebeten. Eine Arbeitsgruppe soll sich des Problems annehmen – nach fünf Jahren hoffen die Bewohner auf Ruhe.

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erstellt am 22.Mai.2014 | 16:04 Uhr

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