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Das Sonntagsgespräch : „Kinder leben nicht nur in einer niedlichen Welt“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Heute mit Liedermacher Rolf Zuckowski, der erstmals bei „Appen musiziert“ dabei ist.

shz.de von
erstellt am 06.Sep.2015 | 16:00 Uhr

Appen/Hetlingen | Rolf Zuckowski tritt am Sonntag, 20. September, bei „Appen musiziert“ und dem Weltkindertag gemeinsam mit dem Elbkinderlandchor auf. Im Sonntagsgespräch berichtet er unter anderem, weshalb er in Appen dabei ist und warum Musik  für Kinder so wichtig ist.

Wie kommt es, dass Sie am 20. September bei „Appen musiziert“ und dem Weltkindertag dabei sind?
Die Anfrage kam über den Verein Elbkinderland bei mir an. Der Verein verbindet etwa 20  Chöre entlang der Elbe und ich bin der Schirmherr. Ich hatte schon oft von „Appen musiziert“ gehört, war aber noch nie aktiv dabei. Deshalb wird es höchste Zeit, dass ich einmal mitwirke. Ich kann mir nichts Besseres vorstellen, als das gemeinsam mit dem Elbkinderlandchor zu tun.

Welche Idee steckt hinter dem Elbkinderlandchor?
Es ist ein Projekt der deutschen Einheit. Wie viele andere habe ich 1989 kaum glauben können, dass die Grenzen offen sind. So entstand die Idee, mit den Kindern aus Orten entlang der Elbe musikalisch etwas gemeinsam zu machen, um dieses Gefühl der Wiedervereinigung zu vertiefen. Im Jahr 2000 habe ich dann eine Tournee gestartet und bin in 24 Orten mit Chören aufgetreten. Diese Tournee führte zur Gründung unseres Vereins, um das Projekt zu verstetigen. 2010 folgte dann eine zweite Elb-Tournee. Eines der größten und unvergesslichsten Konzerte war in Hetlingen. Wie sich alle örtlichen Vereine eingebracht haben, war bemerkenswert. Das verbindet mich und die Idee des Elbkinderlandchors ganz besonders mit Hetlingen.

Was präsentieren der Elbkinderlandchor und Rolf Zuckowski in Appen?
Es gibt drei verschiedene Auftritte, einer im Gottesdienst und ein weiterer am Nachmittag im Hauptprogramm. Außerdem trete ich noch einmal 20 Minuten allein im Rahmen des Weltkindertags auf, damit mich alle Jungen und Mädchen sehen können. Sonst wäre das nur für die möglich, die für „Appen musiziert“ Eintritt zahlen. Ich will aber für alle Kinder da sein, auch wenn ich nicht mehr wie früher große Konzerte gebe. Für „Appen musiziert“ mache ich allerdings gerne eine Ausnahme, weil es einem wirklich guten Zweck dient.

Wieso begeistern Ihre Lieder schon seit Generationen so viele Zuhörer?
Bei Musik weiß man nie, ob der Funke überspringt. Ich habe das große Glück, dass mir das offenbar öfters gelungen ist. Das mag daran liegen, dass ich immer singend komponiere. Ich denke mir Lieder beim Spazieren oder beim Autofahren aus und spiele sie erst danach auf der Gitarre. Musik und Text entstehen bei mir Hand in Hand. Die Botschaften spielen wahrscheinlich ebenfalls eine Rolle. Es geht dabei meistens gar nicht um große Dinge, sondern um familiäres, das von Herzen kommt. Ein Beispiel dafür ist „Ich schaff’ das schon!“. Mit dem Lied können sich sehr viele identifizieren, weil sie sich in schwierigen Situationen genau das sagen. Viele haben mir geschrieben, dass Ihnen das Lied aus Lebenskrisen herausgeholfen hat. Ich habe es damals für meinen dreijährigen Sohn komponiert. Als er hinfiel, wollte ich ihm helfen und er sagte: „Ich schaff’ das schon!“.

Rolf Zuckowski (68) begeistert mit seinen Liedern Generationen. Das erste Album für Kinder, „Rolfs Vogelhochzeit“, erschien 1978. Es folgten etliche weitere Alben und Singles. Der Vater dreier Kinder hat für sein Schaffen als Komponist und Textdichter das Bundesverdienstkreuz erhalten.

Spielten Ihre Kinder beim Erarbeiten Ihre Lieder häufig eine Rolle?
Meine drei Kinder waren immer sehr einfühlsam und haben mich nie beim Komponieren gestört. Sie haben sogar Ideen und Verbesserungen eingebracht. Mein Jüngster hat zum Beispiel mit drei Jahren „In der Weihnachtsbäckerei“ einfach durch die Art verbessert, in der er es gesungen hat. Der Größere hat häufiger kleine Textschwächen aufgedeckt. Die Erlebniswelt meiner Kinder steckt in vielen meiner Lieder, von den ersten Schritten Hand in Hand über Freundschaften, Schule und Ferien, bis zum Erwachsenwerden und dem Abend vor der Hochzeit meiner Tochter.

Wieso ist Musik für Kinder so wichtig?
Mit Musik aufzuwachsen, steigert das Lebensgefühl und verbindet mit anderen Kindern. Durch Musik können Kinder Gemeinschaft spüren. Singen, spielen, hüpfen, tanzen - alles gehört dazu. In der Schule geht es vor allem um das, was man lernen muss. Musik kann das Ganze sehr gut abfedern und die Freude am Lernen aufrechterhalten. Deshalb sollte Musikunterricht einen hohen Stellenwert genießen. Leider gibt es dafür zu wenig geeignete Lehrerinnen und Lehrer. Ich freue mich aber, dass es zumindest viele Musikprojekte gibt. Die Schulgemeinschaft profitiert von regelmäßigen Aufführungen und vom Musizieren.

Was bringt an der Zusammenarbeit mit Kindern besonders Spaß?
Sie geben uns Erwachsenen die Möglichkeit, die Welt auch für uns neu zu entdecken. Vieles, was uns selbstverständlich erscheint, wird wieder etwas Besonderes. Und ich finde es toll, dass Kinder sich verzaubern lassen und sich so richtig toll freuen können. Das steckt an.

Was bewegt Sie besonders?
Kinder leben nicht nur in einer niedlichen Welt. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir alle so alt werden, wie die Statistik es uns sagt. Jeder Augenblick ist wichtig, wenn man weiß, dass die Zeit begrenzt ist. Mit Kindern habe ich in solchen Grenzsituationen wertvolle Momente erlebt. Beim Besuch von Krankenhäusern, in Krebsstationen und im Kinderhospiz habe ich gelernt, dass man dort nicht nur trauern kann. Es muss so weit wie möglich auch Freude da sein.

Anlässlich seines  Auftritts mit dem Elbkinderlandchor bei „Appen musiziert“ widmet Rolf Zuckowski den Erlös aus dem Verkauf seiner CDs, DVDs und Noten dem guten Zweck des Festivals für schwerkranke Kinder. Ein Verkaufsstand ist in das Kuchenzelt integriert und wird ebenfalls ehrenamtlich betrieben. Rolf Zuckowski wird dort über den Tag mehrfach zum Signieren erscheinen.
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