Kinder in Not: Fallzahlen sinken

Jugendhilfe-Einrichtung „Perspektive“ stellt Jahresbericht für 2013 vor

shz.de von
11. Juni 2014, 16:00 Uhr

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen in Not geht zurück. 221 Inobhutnahmen verzeichnete die gemeinnützige GmbH „Perspektive“ für das vergangene Jahr. 2012 waren es noch 244. „Darüber freuen wir uns selbstverständlich“, sagte „Perspektive“-Geschäftsführer Eckbert Jänisch gestern bei der Vorstellung des Jahresberichts seiner Einrichtung, die auch das Elmshorner Kinderschutzhaus betreibt. Auch dort gab es einen leichten Rückgang der Belegung von 174 in 2012 auf 168 im vorigen Jahr. Am deutlichsten zeichnet sich der Rückgang bei der Bereitschaftspflege ab: 53-mal mussten Kinder in Pflegefamilien untergebracht werden (2012: 70-mal).

Doch Jänischs Freude ist gedämpft: Waren die Minderjährigen 2012 noch durchschnittlich 67 Tage untergebracht, waren es im vergangenen Jahr durchschnittlich 117 Tage, bis ihre Situation geklärt werden konnte. „In einem Fall hat es nahezu eineinhalb Jahre gedauert, bis das Kind wieder in die Familie zurückkehren konnte“, erklärte Kinderschutzhaus-Leiter Günther Traulsen. Der Grund für den immensen Anstieg der Bleibedauer: Die Komplexität der Fälle nehme zu.

Das bestätigt auch Cornelia Lohmann-Niemann, Fachdienstleiterin Jugend/Soziale Dienste beim Kreis Pinneberg, die das Jugendamt unter sich hat. Vor allem die „Grenzgänger“ nehmen zu. Damit meint sie die Jugendlichen, die durch ihr Verhalten den Rahmen des Kinderschutzhauses sprengen und zwischen dort sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrie hin- und hergereicht werden. Auch der Anteil der Eltern mit psychischen Problemen steige signifikant – dort gelte es, ebenso tätig zu werden wie bei den Kindern selbst, die die Leidtragenden sind, etwa durch Gewalt, Missbrauch oder Vernachlässigung.

„Wir sind fast am Limit, manchmal auch darüber hinaus“, stellt Traulsen in Bezug auf die Personalstärke fest. Es gebe Tage, an denen ein Betreuer mit bis zu 14 in Obhut genommenen Kindern allein sei und sich zusätzlich um Krisensituationen in Familien kümmern müsse. Jänisch und Traulsen appellierten an den Vorsitzenden des Jugendhilfeausschusses des Kreises, Thorsten Fischer (SPD), die Sorgen in die Politik zu tragen.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen