Keller seit Monaten unter Wasser

Geht nur mit wasserfestem Schuhwerk in den Keller: Anwohnerin Finja Pleschke.
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Geht nur mit wasserfestem Schuhwerk in den Keller: Anwohnerin Finja Pleschke.

Stefan Gisel (GeWoGe): „Es ist eine Katastrophe“

shz.de von
14. März 2019, 16:00 Uhr

„Es ist alles überschwemmt, man steht teilweise bis zu den Knöcheln im Wasser“, schildert Finja Pleschke die Situation im Keller des Pinneberger Mietshauses, in dem sie mit ihrem Freund zusammen wohnt. „Das geht schon ein gutes dreiviertel Jahr so“, sagt Pleschke. Das Haus gehört der Wohnungsbaugenossenschaft Neue GeWoGe. Und die kümmere sich nicht darum. Auf Nachfrage unserer Zeitung sagt Stefan Gisel, Leiter des Objektservices der Neuen GeWoGe, zur Situation: „Es ist eine Katastrophe.“

Die junge Frau wohnt seit etwa zweieinhalb Jahren in diesem Haus im Quellental. Im vergangenen Jahr fiel ihr Gestank aus dem Keller auf. Obwohl sie im zweiten Stock wohnt, dringe der Geruch aus dem Keller an manchen Tagen bis in ihre Wohnung. „Es riecht ein bisschen wie Kloake“, sagt sie. Ein Ortstermin bestätigt das: Der Geruch ist durchdringend, die Kellerräume ohne Gummistiefel nicht zu betreten.

Ende vergangenen Jahres habe sie begonnen, die GeWoGe auf die Geruchsbelästigung und den Zustand des Kellers, in dem manchmal knöchelhoch das Wasser steht, hinzuweisen. Auf ihre Anrufe habe die Neue GeWoGe stets freundlich reagiert. Versprochene Rückrufe seien aber teilweise ausgeblieben, passiert sei so gut wie nichts. Letztlich sei tatsächlich gehandelt worden: „Da kam angeblich jemand und hat laut gebohrt“, weiß Pleschke aus Erzählungen eines Nachbarn. „Zwei Wochen später war der Geruch wieder da“, sagt die frustrierte Mieterin.

Gisel bestätigt: „Am 26. November bekamen wir einen Anruf von Frau Pleschke.“ Ein dreiviertel Jahr käme dementsprechend zeitlich nicht ganz hin. Drei Wochen später, am 14. Dezember, habe der Hauswart der Neuen GeWoGe gemeldet, dass der Fall erledigt sei. Was genau er gemacht habe, könne Gisel den Unterlagen nicht entnehmen. Am 5. März habe sich die Mieterin dann erneut gemeldet. „Da haben wir den Klempner hingeschickt“, versichert Gisel.

„Ich gehe davon aus, dass die GeWoGe uns nicht ernst nimmt“, sagt Pleschke. „Der Keller ist einfach eklig und siffig.“ Nutzen könnten sie die Räume nicht, obwohl sie es dürften, sagt Pleschke. Gisel bestätigt das: „Die Mieter dürfen die Räume nutzen und müssen nichts dafür zahlen.“ Sein Fahrrad parke Pleschkes Freund trotz des Wassers dort unten. Jeden Morgen wate er durch die Kloake, um das Rad hinaus zu tragen.

Auch ihren Nachbarn sei der Zustand ein Dorn im Auge. Besonders für die Mieter im Erdgeschoss muss der Geruch stark sein, vermutet sie. „Die ärgern sich alle gleich viel. Man muss aber auch ein bisschen sehen, dass dies nicht die beste Wohngegend ist. Die Leute finden sich damit ab.“ Und sie räumt ein: „Tatsächlich gewöhnt man sich daran. Das ist nicht gut. Es ist einfach kein schöner Wohnzustand. Meine Familie kommt uns nicht mehr besuchen.“ Schuld daran sei nicht nur der Gestank des überschwemmten Untergeschosses, sondern auch das Treppenhaus, in dem häufig Müll liege. „Aber der Keller ist Gesprächsthema Nummer eins.“

Gisel, dem das Problem offenbar seit längerem bekannt ist, wirbt um Verständnis: „Wir ärgern uns auch über den Zustand, aber wir brauchen ein bisschen Zeit, um heraus zu bekommen, wo das Wasser herkommt.“ Seine Vermutung: Eine Leitung aus Hausnummer acht wurde bei Sanierungsmaßnahmen vor etwa zehn Jahren vergessen. Dort liefe nun das Wasser aus drei Küchen unter Hausnummer sechs in eine Grube. Das Wasser im Keller sei seifig, da liege der Verdacht des Küchenabwassers nahe.

Die Unterlagen und Bestandspläne von damals würden nicht mehr vorliegen, was es unmöglich mache, konkrete Rückschlüsse auf den Ursprung des Wassers zu ziehen. Nun solle eine Kamerafahrt in das Rohrleitungssystem von Hausnummer acht die Sachlage klären: „Die Kamera fährt ein und macht Bilder. So kann man eruieren, wo sich die Leitung befindet“, erläutert der Fachmann. Die Ortung sei aufwendig, die anschließenden Baumaßnahmen jedoch weniger. „Die Arbeiten finden dann in Nummer acht statt“, erläutert Gisel. Der Termin für diese Kamerafahrt war laut dem Objektservice Leiter bereits seit längerem für gestern angesetzt.

Pleschke ist über diese Information, die sie von uns erhält, verärgert. Derart handfeste Auskünfte habe sie von der GeWoGe nie bekommen: „Wenn wir anrufen, passiert Monate lang nichts. Ich finde es krass, dass erst etwas passiert, wenn wir die Presse einschalten.“ Es bleibt die Zuversicht: „Ich hoffe, dass da jetzt wirklich etwas passiert“, sagt sie.

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